Schwanau - Ottenheim

Bärbel von Ottenheim: "ehrsame" Frau oder Hexe?

Autor: 
Hans Weide
Lesezeit 4 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
11. November 2016
Von 1430 bis 1484 lebte Bärbel von Ottenheim.

(Bild 1/2) Von 1430 bis 1484 lebte Bärbel von Ottenheim. ©Hans Weide

Eine Schule ist nach ihr benannt. Aber wer war Bärbel von Ottenheim? Für die einen eine »ehrsame« Frau, für die anderen eine Hexe.

Bärbel von Ottenheim! Wer war diese Frau? Was machte sie unsterblich? Wie hat sie gelebt? Vieles liegt im Dunkeln. Dennoch gibt es einige Quellen. Wie die Steinbüste von ihr, die von dem Bildhauer Nikolaus Gerhaert von Leyden geschaffen wurde. Sie schmückte mit der Büste des Grafen Jakob von Lichtenberg den Treppenaufgang der damaligen Staatskanzlei in Straßburg. Warum der Künstler diese beiden Menschen für seine Werke ausgewählt hat, ist nicht überliefert. Es wird jedoch vermutet, dass von Leyden ein freundschaftliches Verhältnis mit Jakob von Lichtenberg verband. Die Steinbüsten der beiden dürften jedoch eines der ersten Zeugnisse profaner Kunst in der Bildhauerei sein. Im Hinblick auf die Geschichte von Bärbel und Jakob war die Darstellung an dieser Stelle zudem äußerst mutig und gewagt.

Man schreibt das Jahr 1430. Um diese Zeit wurde Bärbel in Ottenheim geboren. Sie muss zu einer sehr schönen jungen Frau herangewachsen sein, denn das kann man an ihrem steinernen Kopf mit dem geheimnisvollen Lächeln erkennen. Nicht umsonst wird sie in der Literatur einige Male als die »deutsche Mona Lisa« oder »Nofretete« bezeichnet. Diese Schönheit war es auch, die Jakob von Lichtenberg aufgefallen sein muss. Er und sein Bruder Ludwig gehörten zu der mächtigsten Familie im Unterelsass mit Besitztümern rechts und links des Rheins. Ihr Stammsitz war die Burg Lichtenberg bei Buchsweiler. 

»Ein Conkubinam«

Jakob war verheiratet und hatte keine Kinder. Ludwig jedoch hatte zwei Töchter, die somit die natürlichen Erben des Lichtenberger Landes waren. Eine von ihnen war mit Graf Simon Wecker zu Zweibrücken, und die andere mit Graf Philipp zu Hanau verheiratet. Jakobs Frau verstarb 1450, und danach nahm Jakob eine Geliebte zu sich. Er nennt sie »die ehrsame Bärbel von Ottenheim«. An anderer Stelle heißt es: Nach der Gräfin Absterben nahm er »ein Conkubinam, Bärbel von Ottenheim genannt«, zu sich, was schon eine andere Deutung zulässt. 

- Anzeige -

Eine Maitresse zu haben war um diese Zeit nichts Besonderes und fast ein Privileg vieler Monarchen. Das hätte auch für Bärbel keine größeren Folgen gehabt, wenn es dabei geblieben wäre. Jakob behandelte sie jedoch wie eine Ehefrau (die Heirat einer Bürgerlichen war damals nicht möglich). Sie übernahm nicht nur die Verwaltung seiner Güter, sondern hatte sogar Siegelgewalt. Das rief sofort Bruder Ludwig und dessen Verwandtschaft auf den Plan, die um ihr Erbe fürchteten. Außerdem wollten es die Bediensteten am Hof und die Untertanen nicht hinnehmen, dass ihnen plötzlich ihresgleichen, und sogar eine »Hur«, wie sie genannt wurde, Befehle erteilte. Damals entstand sogar der Reimspruch: »Ein Hur auf einem Schloss, ein Bettler auf einem Ross, ein Laus in einem Grind, nicht find ich stolzeres Gsind.«

Ludwig gelang es, die Stimmung des Volkes gegen Bärbel zu schüren. Das ging so weit, dass die Männer von Buchsweiler nach Ingweiler zu Ludwig zogen und ihn um Unterstützung gegen die »bös Bärbel« baten. Nachdem Bärbel von ihren Frauen verlangte, dass sie ihre Männer zurückholen, bewaffneten sie sich mit Spießen, Heugabeln und ähnlichen Gegenständen und belagerten die Burg. Dies ist in die Geschichte als der »Buchsweiler Weiberkrieg« eingegangen. Der Belagerung schloss sich Ludwig an und so musste sich Jakob der Übermacht beugen. 

Jakob musste sich von Bärbel trennen und die Herrschaft seinem Bruder überlassen. Bärbel zog nach Hagenau, wo ihr Jakob einen Hof gekauft hatte. Sie wird jedoch weiterhin vom Hass ihrer Feinde verfolgt, was sich auch nicht ändert, als sich die beiden Brüder am Sterbebett von Ludwig versöhnen. Jakob versucht, sie zu schützen, indem er alle ihre Handlungen rechtfertigt. Auch eine Ehe mit dem Hagenauer Fürsprech (Rechtsanwalt) Eucharius, die wahrscheinlich mit Zustimmung von Jakob zu ihrem Schutz geschlossen wurde, rettet sie nicht. 

Ins Gefängnis mit ihr

Böse Zungen schürten weiter gegen sie. Zu ihnen gehörten hauptsächlich die Gatten der beiden Töchter Ludwigs, denen nach einer Beseitigung von Bärbel ihr gesamtes Vermögen zufiel. In der damaligen Zeit war es nicht schwer, jemanden der Hexerei zu bezichtigen, und im Falle der Bärbel konnte nur Zauberei das innige Verhältnis zwischen ihr und dem Graf zustande gebracht haben. So wurde sie 1484 unter der Anklage der Hexerei ins Hagenauer Gefängnis geworfen. Bärbel erhoffte wohl keine Rettung mehr aus ihrer verzweifelten Lage und machte ihrem Leben durch Erhängen ein Ende.

Info

In der Literatur

Viele Romane wurden über die tragische Liebesgeschichte geschrieben. Unter anderem »Bärbel von Ottenheim« von Hermine Maierheuser, »Schön Bärbel von Ottenheim« von Otto Flake, »Wenn die Sterne dunkeln« von Natalie Beer und »Die schöne Badnerin« von Kurt Gayer. 

Info

Am Rande: das verschwundene Zimmer

In Ottenheim richtete Emil Baader 1954 eine Gedenkstätte an Bärbel im damaligen Gasthaus »Adler« mit Unterstützung des Eigentümers Ernst Reitter ein. Sie war eine von den vielen Heimatstuben, die der Historiker aus Lahr in Erinnerung an bedeutende historische Ereignisse und Persönlichkeiten in der Region schuf. Nachdem der nachfolgende Pächter, Karl Steinhausen, das Nebenzimmer entsprechend einrichtete, entstand dadurch die »Bärbel-von-Ottenheim-Stube«. Sie enthielt neben Fotos der Steinbüsten von Bärbel und ihrem Liebhaber Jakob von Lichtenberg viele Zeugnisse aus der Geschichte der beiden und ihrer Zeit. Leider wurde nicht die Gemeinde verständigt, als 1980 die Gasträume umgebaut und neu eingerichtet wurden. Die Exponate konnten nicht sichergestellt werden und landeten vermutlich im Müllcontainer. So gibt es heute nur noch Fotos von ihnen, die damals für einen Vortrag aufgenommen wurden.

Auch die zweite Erinnerungsstätte an Bärbel fand 2014 mit der Schließung des Gasthauses »Anker« in Ottenheim ein Ende. Sie wurde in Absprache mit dem Gastwirt Walter Stolz von Martin Frenk eingerichtet und sollte ein kleiner Ersatz für den Verlust der Stube im »Adler« sein. Allerdings wurden die Erinnerungsstücke diesmal erhalten. So erinnert heute nur noch das Bildnis in der Schwanauer Gemeinschaftsschule an die »schön Bärbel von Ottenheim«, als die sie in die Geschichte eingegangen ist. 

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeigen
  • vor 19 Stunden
    Biberach
    Mit zwei Kandidaten tritt die Alternative für Deutschland (AfD) am 26. Mai bei den Gemeinderatswahlen in Biberach an.
  • 13.05.2019
    »Schöne Zeit« – der zeitlose Weingenuss
    Fruchtig, farbenfroh und voller Lebensfreude – so zeigt sich der neue »Schöne Zeit«-Weißwein der Durbacher WG. Der Name ist Programm und steht für zeitlosen Genuss für jedes Alter – aus dem Herzen des Durbachtals.
  • 09.05.2019
    Experten von Steinhof Fitness in Oberkirch beraten
    80 Prozent der Deutschen haben Rückenschmerzen - viele sogar chronisch. Ursache dafür ist in den allermeisten Fällen eine mangelnde oder falsche Bewegung. Die Experten von Steinhof Fitness in Oberkirch zeigen, wie Rückenschmerzen künftig der Vergangenheit angehören können - und beraten kostenlos.
  • 07.05.2019
    Mitgliederversammlung
    Es war eine geheime Abstimmung beim SV Berghaupten. Doch danach stand fest: Die Führungsmannschaft bleibt bis 2021 im Amt. Robert Harter wurde erneut die SVB-Präsidentenwürde zuteil.  

Weitere Artikel aus der Kategorie: Lahr

vor 2 Stunden
Warum die Redaktion wählen geht
Am Sonntag, 26. Mai, wird es ernst. In ganz Deutschland treten die Menschen bei der Kommunal- und Europawahl an die Urne. Der Lahrer Anzeiger hat nachgefragt, wie viele Wahlberechtigte es in Lahr und im Umland gibt und wieso manche die Wahlunterlagen doppelt erhalten haben. 
vor 5 Stunden
Analyse des Gemeinderats
Am Sonntag haben die Schwanauer im Zuge der Kommunalwahl die Entscheidungshoheit, wie sich bis 2024 der elfte Gemeinderat seit der Kommunalreform 1972 zusammensetzen wird. Ein Blick in die Historie seither.
vor 8 Stunden
152 Jahre alt
Mit der christlichen Weihe am Mittwoch wurde das restaurierte Gißler-Kreuz in Oberschopfheim nach 152 Jahren ein zweites Mal seiner Bestimmung übergeben. Zur Finanzierung der Kosten von 10.600 Euro trugen die Gemeinde und Sponsoren bei.
Illusionist Mark Hagenbeck
vor 11 Stunden
Viel Musik, Theater und eine neue Illusion
Die Stilmischung im Stiftschaffneikeller besteht aus Musik – Jazz, Klassik und Rock –, Kabarett, einer musikalischen Show, Musikcomedy, zwei Theateraufführungen und einem Illusionisten. Susanne Weber, Christopher Kern und Matthias Morton vom Lahrer Kulturkreis haben am Donnerstag das Programm des...
Großer Andrang herrschte gestern Nachmittag auf dem Marktplatz bei der Bekanntgabe der Aufgaben im Rahmen der Aktion »72 Stunden«.
vor 14 Stunden
72 Stunden-Aktion
Für die meisten der Jugendlichen war der gestrige Auftakt auf dem Lahrer Marktplatz spannend. Sie bekamen Punkt 17.07 Uhr ihre Aufgabe gestellt. Mit der bundesweiten Aktion »72 Stunden« unter dem Slogan »Uns schickt der Himmel« engagieren sich Jugendliche aus Lahr und der Region jeweils für ein...
Die Ausstellung von Pirmin Wilhelm ist noch bis zum 16. Juni während der Öffnungszeiten in der Geschäftsstelle der Volksbank Lahr zu sehen.
vor 17 Stunden
Abstrakte Malerei trifft auf feine Bildhauerei
In einer bis zum 19. Juni zu sehenden Ausstellung in der Geschäftsstelle der Volksbank Lahr zeigt sich einmal mehr die künstlerische »Spurensuche« des Pirmin Wilhelm.
Ehrungen beim MGV Kürzell (von links): Vorsitzender Armin Kopf, Franz Krumm, Josef Geppert und Bürgermeister Alexander Schröder.
vor 19 Stunden
Meißenheim - Kürzell
Andere Gesangvereine kämpfen ums Überleben – in Kürzell dagegen blüht der Verein auf. Das war auch wieder in der Hauptversammlung des Männergesangvereins (MGV) »Eintracht« am Dienstagabend zu hören.  
vor 19 Stunden
Werkreal- und Realschule Friesenheim
Der Förderkreis an der Werkreal- und Realschule Friesenheim investiert in die digitale Zukunft der Schule. Charlotte Schubnell wurde für weitere zwei Jahre als Vorsitzende bestätigt.
vor 19 Stunden
Oberschopfheim
Mehr als rührig zeigten sich die Hauptverantwortlichen des Historischen Vereins (HVO) im abgelaufenen Geschäftsjahr. Vorsitzender Willi Ehret vertiefte in der Hauptversammlung  am Dienstag im Vereinsraum der Auberghalle, die von Schriftführerin Christa Beck zuvor angesprochenen Aktivitäten.
23.05.2019
Lahr
Die Pennälerverbindung »Alemannia« blickt auf eine lange Geschichte zurück. Derzeit hat die rein männliche Traditionsverbindung allerdings Schwierigkeiten, Nachwuchs zu finden. 
23.05.2019
Kampf um die Spitze
Wenn am Sonntag die Wähler auch im Ried dazu aufgerufen sind, im Zuge der Kommunalwahlen Gemeinde- und Ortschaftsräte zu wählen, werden damit auch die im Gremium später zu tätigenden Wahlen der Ortsvorsteher vorbereitet. Ein Überblick.
Immer ein Höhepunkt im Sportjahr der IG Sport: Die Ehrung Lahrer Sportler. Hier zeigen Rollkunstläuferinnen des SV Solidarität Lahr im Rahmenprogramm der Sportlerehrung von vor zwei Jahren Ausschnitte aus ihrem Programm.
23.05.2019
Hauptversammlung der Sport-IG Lahr
Die Interessengemeinschaft Lahrer Turn- und Sportvereine, der 63 Vereine angehören, wolle den Breitensport wie bisher unterstützen, aber auch verstärkt den Leistungssport fördern. Das sagte Lahrs erster Bürgermeister Guido Schöneboom bei der Hauptversammlung am Mittwoch im Sportheim der...