Lahr/Schwarzwald

Bibel und Sonnenenergie - Franz Alt sprach in Lahr

Autor: 
Endrik Baublies
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
18. Oktober 2018
Franz Alt zeigte, dass er mitreißend über tiefgründige Themen reden kann.

Franz Alt zeigte, dass er mitreißend über tiefgründige Themen reden kann. ©Endrik Baublies

Franz Alt ist Historiker, Journalist und hat dazu Theologie studiert. Daher spannte der 80-jährige beim Vortrag im Haus zum Pflug einen weiten Bogen – vom See Genezareth zur Zeit des römischen Kaisers Tiberius und der Bergpredigt bis in die Zukunft einige Generationen später. 

Der Name des langjährigen Leiters des SWR-Magazins »Report« zieht immer noch. Beim Vortrag, zu dem am Mittwoch VHS und Lahrer Friedensforum geladen hatten, blieb kein Stuhl frei. Die mehr als 100 Besucher erlebten einen polemischen und redegewandten Sprecher. Seine Ansichten waren mitunter plakativ. Dafür konnte Franz Alt immer belegen, was er behauptete. Der Autor des Buches »Was Jesus wirklich sagte« hatte eine Idee angekündigt, wie Frieden im Nahen Osten möglich sein könnte. Um diese Idee zu erklären, stellte er ein – als Autor erlaubtes – fiktionales Interview mit Jesus vor. 

»Völlig undenkbar«

- Anzeige -

»Jesus war ein Streithammel.« Diese sehr plakative Aussage relativierte Alt aber mit seinem eigenen Buch. Jesus hat, da haben Theologen und Historiker keinen Zweifel, am See Genezareth ausschließlich auf Aramäisch gepredigt. Daher ist die aus dem Griechischen ins Deutsche übertragene Aussage im Neuen Testament, »ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert« (Matthäus 10, 35) falsch. Er habe, erklärte Alt, stattdessen von »Harmonie« und »Streitgespräch« gesprochen. Also – ein Bezug zur Gegenwart – gelte es, das Streitgespräch zu suchen, um irgendwann Harmonie zu finden. Oder anders ausgedrückt: Man müsse vom Ende her denken. So haben Charles de Gaulle und Konrad Adenauer in den 50er-Jahren die Vision einer deutsch-französischen Aussöhnung geschafft. »Das war zwei Generationen vor uns noch völlig undenkbar.«

Alt kam zu einem der Hauptanliegen des Vortrages. Ist eine Verständigung zwischen Israel und Palästinensern möglich? Ja, wenn man das Gespräch auf beiden Seiten suchen würde. In der Genesis erkannten die verfeindeten Brüder Jakob und Esau, dass das Land groß genug für beide ist. Konkret, da sprach der erfahrene Beobachter und Besucher der Konfliktregion Naher Osten, müssten Israelis und Palästinenser – also die Nachfahren Jakobs und Esaus – einander um Verzeihung bitten und mit einer gemeinsamen Hauptstadt Jerusalem erkennen, dass es in beiden Staaten Minderheiten gebe. Das sei eine Aufgabe der UNO – wahrscheinlich auch zuerst militärisch mittels Blauhelmen zu sichern. Spannend sei da dann nur die Frage: »Wer macht den ersten Schritt?!«

Eine andere zentrale Aussage Alts war, dass eine Umweltsünde auf unserem Planeten sowie Krieg und Frieden untrennbar verbunden seien. Der Klimawandel verursache die Flucht vieler Menschen. Alt zeigte anhand von Bildern, wie arme Menschen, denen vor Ort geholfen wurde, eine ganz andere Lebenseinstellung bekamen. Auf allen Bildern waren Solaranlagen zu sehen. Mit Strom von der Sonne haben Nomaden in der Wüste Gobi die Möglichkeit das Internet zu nutzen. Eine ähnliche Situation zeigte er anhand von Bildern aus Afrika. »Wir haben eine unerschöpfliche Energiequelle, die Sonne.« Niemand auf der Erde könne um dieses Kraftwerk einen Krieg führen. »Der liebe Gott war schlau. Die Sonne ist 150 Millionen Kilometer weg.« Besser also die Sonne nutzen anstatt fossile und bald erschöpfte Energie zu verbrauchen. Die Folgen, welche die Enkel – vielleicht auch schon die Kinder der meisten Zuhörer – zu ertragen hätten, sind bekannt.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Lahr

Auferstehungsgemeinde
vor 3 Stunden
Die vier Kirchengemeinden des Lahrer Westen werden im Februar 2019 zu einer zweiten Gemeinde zusammengefasst. Wie die neue Auferstehungsgemeinde aussehen wird, welche Vorteile, Chancen und Änderungen diese Fusion haben wird, stellte Dekan Rainer Becker im Vereinsheim des Dinglinger Fußballvereins (...
Es tut sich was in puncto B 415: Bürgermeister Tilmann Petters sieht gute Chancen, dass die Bundesstraße in Kuhbach und Reichenbach einen leisen Asphalt bekommt. Zudem werde das Lkw-Nachtfahrverbot verstärkt verfolgt.
Lahr/Schwarzwald
vor 6 Stunden
Nicht nur Blumen sind in Lahr das große Thema. Da die Bevölkerung wächst, rückt besonders das Wohnen in den Mittelpunkt. Am Dienstag informierte die Stadtspitze unter anderem über den Kanadaring, aber auch über die B 415 und einen China-Besuch.
Schwanau
vor 9 Stunden
Der Schwanauer Feuerwehr-Bedarfsplan wird bis 2023 fortgeschrieben. Das beschloss der Gemeinderat am Montag einhellig. Der Plan wurde konzeptionell erstmals in anderem Rahmen erarbeitet, zeigt Ist-Zustand und Perspektiven auf.  
Ortschaftsrat
vor 12 Stunden
Oberschopfheims Ortschaftsrat sah Handlungsbedarf und stimmte angesichts einer derzeitigen Kostendeckungsrate von 28 Prozent der Vorlage der Verwaltung zur Anhebung bei den Bestattungs- und Grabnutzungsgebühren zu. Die Gremien von Schuttern und Heiligenzell einigten sich auf die gleiche Empfehlung...
Friesenheim - Oberweier
vor 15 Stunden
Ein großer Tag für Oberweier und Dorlisheim. Gemeinsam wurde dem Ende des Ersten Weltkriegs gedacht, für den Frieden gebetet und die Freundschaft zwischen Deutschen und Franzosen in Europa gefeiert.
Feinkost Brüderle
vor 18 Stunden
Der Abschied fällt ihr nicht leicht: Ottilia Brüderle-Müller schließt zum 24. November ihren Feinkost-Laden in der Innenstadt. 28 Jahre hat sie das Geschäft geführt – und sich damit einen Kindheitstraum erfüllt. In Zeiten der Supermärkte und Discounter hat sie eine Nische besetzt.  
Nach dem Blumenfestival
12.11.2018
Schon am frühen Morgen fahren die ersten Interessenten mit dem Auto auf den Urteilsplatz, um sich Chrysanthemen zu sichern. Ehrenamtliche Helfer des Freundeskreises »Blumen öffnen Herzen« haben gestern wieder Chrysanthemen gegen einen kleinen Obolus an vier Plätzen in Lahr abgegeben.   
Die 58 Millionen Euro, die für die Landesgartenschau geplant worden waren, haben nicht gereicht.
Von 58 auf 60,4 Millionen Euro
12.11.2018
58 Millionen Euro sollte die Lahrer Landesgartenschau mal kosten. Nun sind es 60,4 Millionen Euro. Am kommenden Montag soll der Gemeinderat deshalb grünes Licht für überplanmäßige Haushaltsmittel geben.
Meißenheim
12.11.2018
Die Auwälder Jagdhornbläser haben sich vor 30 Jahren gegründet – eine große Geburtstagsfeier soll es aber nicht geben. Dafür spielten sie am Sonntag in der evangelischen Kirche in Meißenheim groß auf.   
Konzert
12.11.2018
Mit tosendem Beifall bedankte sich das Publikum bei der Chorgemeinschaft für ihr Konzert. Die Solisten aus eigenen Reihen und ein Kurzauftritt der »Irish Boys« trugen zur Begeisterung bei.  
Wer wird Lahrionär?
12.11.2018
Kennen Sie sich aus in Lahr? Wenn ja, sind Sie richtig beim Quiz des Lahrer Anzeigers. Heute geht es um den Bau von neuen Parkmöglichkeiten in der Lahrer Innenstadt.
Hauptversammlung
12.11.2018
Wahlen standen beim Ski-Club Schwanau keine an, dennoch erforderte der Rückblick in der Hauptversammlung seine Zeit. Das Geschäftsjahr brachte wieder eine ganze Reihe von Veranstaltungen, Angeboten und Aktionen mit sich.