Lahr/Schwarzwald

"Bunter Brunch" in Lahr zum Thema Obdachlosigkeit

Autor: 
Thorsten Mühl
Lesezeit 3 Minuten
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05. September 2018
Der Arbeitskreis Wohnungslosigkeit stellte am Mittwoch den »bunten Brunch« vor.

Der Arbeitskreis Wohnungslosigkeit stellte am Mittwoch den »bunten Brunch« vor. ©Thorsten Mühl

Ein »bunter Brunch« will am Freitag, 21. September, von 11 bis 13.30 Uhr auf Probleme und Belange von Menschen aufmerksam machen, die am Rande der Gesellschaft stehen. Veranstalter ist der Arbeitskreis Wohnungslosenhilfe.

Sie haben in der Regel kaum bis gar keine Lobby in der Gesellschaft – Wohnungslose, arme Menschen, Drogensüchtige oder einstige Drogensüchtige. Betroffene haben täglich mit vielen Nöten und Problemen zu kämpfen, ein wesentliches stellt Wohnungslosigkeit dar. Für Hilfe und Unterstützung dieser Menschen in Lahr und Umland setzt sich seit Jahren der Arbeitskreis (AK) Wohnungslosenhilfe ein. Darin haben sich Einrichtungen zusammengeschlossen, die wohnungslose Menschen begleiten: Drogenhilfe Lahr, St.-Ursula-Heim Offenburg AGJ,  Suchtberatung Lahr AGJ, Caritasverband Lahr, Diakonisches Werk Ortenau/»Café Löffel«, Soziale Rechtspflege Ortenau, Suchtberatung Lahr sowie die Offenburger Bewährungs- und Gerichtshilfe. 

»Bis die Quote greift«

In den vergangenen Jahren konnte schon einiges in die Wege geleitet werden, zum Beispiel eine Quote bei Neubauten Quote von 20 Prozent für sozialverträglichen Wohnraum. »Es wird wohl allerdings noch vier, fünf Jahre dauern, bis die Quote greift«, schätzt Eva Christoph (St.-Ursula-Heim Offenburg AGJ). 

Um auf die Belange und Probleme wohnungsloser Menschen aufmerksam zu machen, veranstaltet der Arbeitskreis auf dem Rathausplatz am Freitag, 21. September, zwischen 11 und 13.30 Uhr einen »bunten Brunch«. Eingeladen ist jedermann, Ziel ist unter anderem, miteinander ins Gespräch zu kommen. Über Einzelheiten informierten die AK-Vertreter am Mittwoch beim Pressegespräch. Das Problem Wohnungslosigkeit soll in die Öffentlichkeit getragen werden, »um Ängste abzubauen« (Klaus Bilek, Suchtberatung Lahr). Thomas Kaiser (Caritasverband) ergänzt: »Wohnungslosigkeit und Armut sind vielfach keine Frage sozialer Herkunft, sondern von Biographien. Viele Klischees grassieren, wir wollen für Akzeptanz werben, dafür, nicht wegzuschauen.« 

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Das Thema Wohnungsnot habe generell eine Dimension erreicht, in der Fachkräfte die Situation Betroffener nicht mehr alleine verbessern können. »Wir dürfen nicht auf das Wirken der Sozialquote warten. Es bedarf anderer Lösungen. Wir benötigen die Unterstützung der Kommunalpolitik«, unterstreicht Annedore Braun (Diakonisches Werk). Bezogen auf den Alltag, wissen die AK-Vertreter zahlreiche Beispiele und Geschichten zu erzählen. Birgit Hügel (»Café Löffel«) bringt es knapp auf den Punkt: »Keine Wohnung bedeutet meist keine Arbeit, keine Arbeit bedeutet keine Wohnung. Es ist ein Teufelskreis.« Allein 1000 Menschen stünden auf der Warteliste der städtischen Wohnbau, Wohnungslose hätten dabei keine Chance. Nicht zu vergessen sei das Thema steigender Altersarmut.

Viele Menschen wollten laut Hügel die Situation nicht erkennen: Das Gefühl von Vollbeschäftigung gaukle eine Scheinwelt vor, es stünden dennoch viele Menschen am Rande der Gesellschaft. In Lahr sollen es geschätzt zwischen 50 und 100 Wohnungslose sein. Annedore Braun wünscht sich auch ungewöhnliche, möglicherweise interkommunale Ansätze, etwa das Bereitstellen von Containern. »Bei den Flüchtlingen ging es ja auch. Das sind keine Optimallösungen, aber Lösungen. Und jeder weiß im Grunde, wie es gehen könnte, die Situation zu bessern.« 

Straßentheater

Für den »bunten Brunch« wird eine Besucherzahl zwischen 150 und 200 erhofft. Gäste sollen sich Geschirr und Essen selbst mitbringen, das Ganze soll den Charakter eines spontanen Picknicks erhalten. Eine Freiburger Gruppe wird zum Mitmachen beim Straßentheater einladen, der »Café Löffel«-Chor singt. »Sich mit unseren Menschen an den Tisch setzen, Interesse zeigen, sich austauschen«, wünscht sich Klaus Bilek. Selbiges würde man sich auch im Alltag im Umgang mit armen oder wohnungslosen Menschen wünschen. »Ein Gruß oder ein gutes Wort kann für diese Menschen oftmals sogar wichtiger sein als Geld«, weiß Eva Christoph.

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