Lahr

Café Löffel zieht im April um

Bastian Bernhardt
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28. September 2022

(Bild 1/2) ©Bastian Bernhardt

Die Tagesstätte für Bedürftige des Diakonischen Werks wird Mieterin in der Metzgerei Lehmann, die das Geschäft aus wirtschaftlichen und personellen Gründen aufgibt.

Der Mietvertrag ist zwar noch nicht unterschrieben, die Vereinbarung aber steht: Das Café Löffel wird zum April nächsten Jahres in die bisherigen Verkaufsräume der Metzgerei Lehmann an der Tramplerstraße ziehen. Was der gemeinnützigen Einrichtung eine lang ersehnte Perspektive bietet, geht mit dem Ende für den Traditions-Fleischereibetrieb einher. Am Dienstag haben Diakonisches Werk, Metzgerei, Stadt und Kreis informiert.

Ulrike Haeusler vom Diakonischen Werk in Lahr, das neben dem Café Löffel auch die Lahrer Tafel betreibt, stand die Freude über die nun gefundene Perspektive beim Pressegespräch ins Gesicht geschrieben. Der neue Standort fürs Café Löffel in den dann ehemaligen Räumen der Metzgerei Lehmann an der Tramplerstraße biete viele Vorteile.

„Es freut uns sehr, das wir nun etwas gefunden haben, das noch zentral, aber nicht auf dem Präsentierteller liegt.“ Die Räume der Metzgerei böten zahlreiche Möglichkeiten, auch die geplante Küche sei ausreichend groß, um dort 30 bis 40 Essen am Tag zuzubereiten. Täglich rechnet man mit etwa 50 Besuchern im Café Löffel. „Wir finden gute Voraussetzungen vor, die wenig Umbau nötig machen“, so Haeusler. Mit Blick auf die bisherigen in die Jahre gekommenen Räume an der Schützenstraße könne an der Tramplerstraße dann ein echter Neuanfang im neuen Ambiente gewagt werden. 

Das Café Löffel kann in die neuen Räume ziehen, weil der Betrieb der Metzgerei Lehmann schließt. Wie Metzgerei-Inhaber Martin Lehmann am Dienstag sagte, werde das Geschäft nur noch im Februar geöffnet sein. Ab März werde sich die Produktion für die Filiale im Netto an der Burgheimer Straße schon nur noch in den rückwärtigen Räumen an der Tramplerstraße abspielen, die nicht ans Café Löffel vermietet werden.

Die Filiale könnte im Frühling an einen anderen Metzgerei-Betrieb übergeben werden, wenn die Vermittlung gelinge. „Wir stehen in Gesprächen mit zwei Interessenten“, so Lehmann. Längstens bis Juni werde die Metzgerei Lehmann dort noch Pächterin sein, dann laufe der Vertrag aus. Den sogenannten Wurstwürfel am Lahrer Schlossplatz will Martin Lehmann mit seiner Lebensgefährtin weiter betreiben. 

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Martin Lehmann begründete auch erstmals öffentlich seit Bekanntwerden der Schließungspläne vor einer Woche, weshalb dieser Schritt aus seiner Sicht unvermeidbar sei. Zu gleichen Teilen wirtschaftliche als auch personelle Gründe hätten ihn zur Geschäftsaufgabe gezwungen. „Es kommen zu wenige Leute ins Fachgeschäft.“ Es reiche für einen Betrieb dieser Größe nicht aus, wenn der Laden nur zu den Stoßzeiten voll sei. Die Discounter graben den Fachgeschäften das Wasser ab“, so Lehmann.

Die Metzgerei hat 30 Angestellte. Zudem hätten in den kommenden zwei Jahren acht Verrentungen angestanden, für die keine Nachfolger in Sicht gewesen seien. Das Catering sei schon heute personell kaum zu stemmen. „Es hat mich frustriert, wenn ich jeden zweiten Tag Partyservice-Aufträge ablehnen musste, weil ich keine Mitarbeiter dafür habe.“

Herzensangelegenheit

Angesichts dieser Lage und im Wissen um die drängende Raumsituation des Café Löffel habe er das Gespräch gesucht. Lehmann, dessen Schwiegermutter Annedore Braun das Diakonische Werk bis vor wenigen Monaten leitete, sei der Hilfe am Menschen seit jeher zugetan. „Es ist mir eine Herzensangelegenheit, Menschen in Not zu helfen“, so Lehmann. Er freue sich daher, dass er die Räume an der Tramplerstraße ans Café Löffel vermieten könne – „auch wenn noch nichts in trockenen Tüchern ist“, wie Lehmann und Haeusler mehrfach betonten. Noch sei der Mietvertrag nicht fertig. 

Lahrs Sozialbürgermeister Guido Schöneboom zeigte sich erfreut über die Perspektive für das Café Löffel. Bei aller Traurigkeit über das Ende des Traditionsbetriebs Metzgerei Lehmann sei er erleichtert, dass es für das Café Löffel weitergeht. „Ich gehe davon aus, dass wir sowohl das Café Löffel als auch die Lahrer Tafel auch in den nächsten zehn bis 15 Jahren brauchen werden – das ist traurig in einem reichem Land wie Deutschland“. Auch Ingrid Oswald, Leiterin des Amts für Soziales und Versorgung im Landratsamt, betonte die Bedeutung der Arbeit des Diakonischen Werks in Lahr. 

Info

Finanzielle Förderung

Derzeit laufen Gespräche auf verschiedenen politischen Ebenen zur weiteren finanziellen Förderung für den Betrieb des Café Löffel. Denn das Diakonische Werk hat bei Stadt und Kreis eine Erhöhung der Förderung beantragt. Grund sind reduzierte Zuweisungen an die Einrichtung aus Kirchensteuern. Der Kreis überweist für den Betrieb des Café Löffel bislang jährlich 71.000 Euro, die Stadt 17.000 Euro. Guido Schöneboom zeigte sich zuversichtlich, dass der Gemeinderat einer erhöhten Förderung zustimmen werde. Dies entscheide sich in den kommenden Wochen. Bei der Förderung seitens des Ortenaukreises muss der Kreistag entscheiden.

Das Café Löffel ist eine Tagesstätte für Menschen mit besonderen sozialen Schwierigkeiten. Sie erfahren dort Unterstützung bei der Tagesbewältigung, erhalten eine Tagesstruktur und ein Essen. Im kommenden Jahr will das Diakonische Werk Lahr das 25-jährige Bestehen des Café Löffel feiern. Bisher war die Einrichtung an der Schützenstraße verortet. Der Vermieter hat nun Umbaupläne und kündigte auf April 2023. bnh

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