Lahr/Schwarzwald

Crashkurs in politischer Bildung für Lahrer Migranten

Autor: 
Jürgen Haberer
Lesezeit 3 Minuten
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24. Juni 2017

Zusammen mit dem Rap-Duo Zweierpasch machten sich junge Emigranten am Mittwoch ihren »Reim« auf die deutsche Politik. ©Jürgen Haberer

In einem Demokratieprojekt des Jugendmigrationsdienstes des Diakonischen Werkes lernen junge Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, Irak und Iran die Mechanismen des politischen Alltags in Deutschland kennen. Am Mittwoch wurde im »Schlachthof« an Rap-Texten zu den Wahlprogrammen der Parteien gefeilt. 

Yuri tanzt aus der Reihe. Der 15-jährige Schüler kommt eigentlich aus Kasachstan, ist hier in Lahr aufgewachsen. Die Gelegenheit, mit dem Duo Zweierpasch zu rappen, wollte er sich aber nicht entgehen lassen. Die Brüder Felix und Till Neumann sind Meister der Szene. Sie schütteln gereimte Verse locker aus dem Ärmel, stehen regelmäßig gemeinsam auf der Bühne. Yuri kann da locker mithalten, auch wenn Felix und Till erst einmal nur Bahnhof verstehen, wenn Yuri auf Russisch rappt. 

Politik? Keine Ahnung
Er passt eigentlich auch ganz gut in das Profil des Demokratieprojekts »Neuland Wahl«, das Felix Neumann als Mitarbeiter des Jugend­migrationsdienstes des Diakonischen Werkes Mitte Mai in Lahr gestartet hat. Yuri steht auf Hip-Hop, das Skateboard ist bei ihm immer dabei. Von Politik hat er ebenso wenig Ahnung wie Alaa (21), Ehsan (22), Arash (20) und Alikhan (20), obwohl er im Gegensatz zu den jungen Flüchtlingen aus Syrien, Afghanistan, dem Irak und Iran in ein paar Jahren auch richtig wählen darf.

Im September »U 18-Wahlen«
Im September werden alle fünf trotzdem ein Kreuz machen, bei den bundesweiten »U 18-Wahlen« des Jugendmigrationsdienstes. Mehr als 200 000 Jugendliche haben bei der letzten Bundestagswahl im Jahr 2013 teilgenommen. »Das Ergebnis wurde von der Politik sehr wohl auch wahrgenommen«, wie Felix Neumann unterstreicht. 

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Begegnung mit Bundespräsident Steinmeier im Juli
Das Projekt »Neuland Wahl« ist ein echter Crashkurs in Sachen politischer Bildung, der sich von Mai bis September durchzieht. Die Jugendlichen diskutieren mit Politikern aus der Region; sie fahren nach Berlin, um den Reichstag zu besichtigen und Vertreter der Parteien zu treffen. Anfang Juli steht eine Begegnung mit Bundespräsident Frank Walter Steinmeier auf dem Programm. 

Flott gereimt und gerappt
Die Lahrer Gruppe zählt eigentlich ein gutes Dutzend Teilnehmer, die sich einmal in der Woche treffen. Der Termin am Mittwochnachmittag hat aber bei vielen nicht so richtig gepasst. Denen, die da waren, hat er trotzdem richtig Spaß gemacht. Unter dem Motto »So ist Politik« wurde rund um den Refrain »Typisch typisch, es ist echt typisch« kräftig gereimt. Yuri, Alaa, Ehsan, Arash und Alikhan knöpften sich dabei Wahlwerbung der unterschiedlichen Parteien vor. 

»Merkel will es schaffen« (CDU) reimt sich dann auf »Mehr Geld für die Schwachen« (SPD). »Deutschland nur für Deutsche« (AfD), prallt auf »Freiheit für die Leute« (FDP). Und dann tauchen da auch noch Verse auf wie »8,50 Mindestlohn, keine Integration« und »Currywurst genießen, notfalls auf Flüchtlinge schießen«. Nach gut zwei Stunden kann dann jeder mit Hilfe von Felix und Till einen Text vorlegen, der dann selbstverständlich auch gerappt wird.    

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