Tänzerische Figuren aus Stahl

Das möchte Robert Schad mit seiner Stahlkunst auslösen

Autor: 
Juliana Eiland-Jung
Lesezeit 3 Minuten
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01. August 2020

Robert Schad vor einem seiner Werke. ©Heidi Fössel

Robert Schads Werke, die in der Innenstadt zu sehen sind, liefern neue Perspektiven und Einblicke. Die „Kunst der Manschaftsaufstellung“ ist derzeit im Lahrer Stadtraum zu sehen.

Linien in die Luft gezeichnet. Das ist die erste Assoziation, die Robert Schads Kunstwerke aus Stahl auslösen – und genau das, was Schad zeigen will. Linien, in denen Bewegung und Zeit, organisches Wachstum und kunsthistorische Bezüge eingeschrieben sind, die aber vor allem Lebenslinien sind, die über das einzelne Werk hinausweisen. Linien, die einen Freiraum lassen für Assoziationen.
Als untereinander verbunden empfindet der in Frankreich und Portugal lebende Schad seine Objekte, vergleicht sie gar mit einer Fußballmannschaft, die von ihm neu zusammengestellt wird für Auswärtsspiele, zuletzt in Oberschwaben, nun in Lahr, bald in Bremen. Das ist nicht das einzige einprägsame Bild, das sich beim Ausstellungsrundgang mit dem 1953 in Ravensburg geborenen Stahlbildhauer einprägt. Robert Schad kann seine Kunst allgemeinverständlich erklären – und er tut es gern. Er steht hinter der Idee der Ausstellungsreihe „Kunst in die Stadt“, die Kulturamtsleiter Gottfried Berger vor 20 Jahren mit einer Schau von Stahlbildhauer Werner Pokorny initiiert hatte. 
Parallelen zwischen der künstlerischen Handschrift Pokornys, der beim Vernissage-Rundgang dabei war, und Schads drängen sich geradezu auf. Robert Schads derzeitige, seit zehn Jahren anhaltende Schaffensphase ist geprägt von einer fast ausschließlichen Verwendung von massivem Vierkantstahl, dessen unterschiedlich lange Abschnitte zusammengeschweißt werden zu Gebilden, die luftig und leicht wirken. „Tänzerisch“ empfindet Schad seine Skulpturen, körperlich und musikalisch zugleich. Mit dem 1992 verstorbenen Tänzer Gerhard Bohner hat Schad zusammengearbeitet. Die nun am Urteilsplatz ausgestellte Figur beschreibt der Künstler nachvollziehbar als „kreatürlich“, als „Hochziehen einer Schulter“, als „Aufrichten nach dem Fall“.

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“Kunstwerke gehören nicht auf Sockel“

Problematisch empfindet Schad die in Lahr gewählte Präsentation einiger Exponate in Kieswannen, die wie ein Sockel wirken. „Kunstwerke gehören nicht auf einen Sockel, sie sollen sich nicht erheben und wichtigtun“, sondern sich auf eine Ebene stellen mit dem Betrachter. Was er meint, sieht man am besten  auf dem Rathausplatz und im Innenhof des Rathauses. Vorne liegt das größte Exponat der Ausstellung „relaxed“ auf der großen Freifläche, im Innenhof scheint die Skulptur aus der Rasenfläche herauszuwachsen. Eine Anti-Coronaregeln-Demo auf dem Rathausplatz verhindert, dass Schad sein Werk erklären kann; beim Rosenbrunen nutzen Menschen das Kiesbett der Skulptur als Sitzgelegenheit. Schaf findet das in Ordnung: „Der öffentliche Raum ist kein musealer Raum.“ Kritischen Nachfragen zum Sinn der Kunst habe der Künstler sich zu stellen, ohne Besserwisserei, sondern mit Erklärungsangeboten – wie der Analogie zu einem Kopf an der Skulptur auf dem Sonnenplatz. 
„Das ist keine Ausstellung von Robert Schad.“ Diese zunächst paradox wirkende Feststellung des Künstlers spiegelt seine Kunstauffassung und die Idee hinter der Ausstellungsreihe gleichermaßen. „Die Kunstwerke geben einen Hinweis auf die Plätze in der Stadt, sie lassen den Betrachter die Orte neu sehen“, liefern neue Perspektiven, neue Blickachsen, und – im Wortsinn – neue Einblicke: Dabei beweist Schad, dass er die Kunst der Mannschaftsaufstellung beherrscht. Er hat „Spieler“ im Team, die den oft wegen seiner Größe und Leere gescholtenen Rathausplatz ästhetisch füllen, und andere, die einen versteckten Sitzplatz in der Gerichtsstraße charmant hervorheben. 

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