Lahr

Der erste Brand am Lahrer Römerofen wird im Herbst sein

Autor: 
Endrik Baublies
Lesezeit 3 Minuten
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12. August 2019

Archäologiestudenten der Uni Freiburg und Mitglieder des gallo-römischen Freundeskreise arbeiten weiter am Römerofen. Ein Miniaturmodell wird gerade das erste Mal zu Testzwecken in Betrieb genommen. ©Endrik Baublies

Die Arbeit am Römerofen geht voran. Am Samstag testete das Team, das aus Archäologiestudenten der Universität Freiburg und Mitgliedern des gallo-römischen Ar-beitskreises in Lahr besteht, das Material an einem Miniaturofen mit einem ersten Brand.

Der eigentliche Ofen steht unter einem Zeltdach, der die Konstruktion aus Lehm und Stroh vor Regen und vor all zu großer Hitze schützt. Die Kuppel fehlte am Samstagmittag noch. Allerdings haben die »Römer« jetzt bereits eine erste Schicht Lehm aufgetragen, die zeigt, wo die Öffnung zum Befüllen der späteren Brennkammer unter der Kuppel endet. 

Der Lehm ist weich. Daher müssen alle Mitarbeiter Geduld haben. Frank Wiesenberg, der die Arbeiten als Fachmann technisch anleitet, erklärt bei der Visite, wie man eine Stütze für die zuletzt freitragende Kuppel in der späteren Brennkammer unterbringen will. Ein aufgeblasener Gummischlauch eines Autoreifens würde die Last sicher tragen. Da ist sich der Archäologe sicher. 

An einem Stück aufgebaut

Die Frage, wie die Römer im zweiten Jahrhundert unserer Zeit diese Kuppel aufgeschichtet und stabilisiert hatten, beantwortet Wiesenberg ganz einfach. Die hiesigen Bewohner hätten einen solchen Ofen an einem Stück aufgebaut. Die Gruppe, die den Ofen jetzt nachbaut, macht das »nur« an Wochenenden.

Wie bereits berichtet, macht das Material den »Römern« etwas Probleme. Der Lehm, den die Gruppe als Trockenmasse bekommen hat, ist zu sandig. Daher hat ein Teil der Gruppe am Morgen zusätzlich zu den Arbeiten am großen Ofen begonnen, eine Miniaturausgabe aus dem Lehm und Stroh zu schichten. Die Arbeit ist am Nachmittag weitgehend fertig.

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Im Brennraum der transportablen Miniatur prasselt ein Feuer. Der oben noch feuchte Lehm sorgt für ordentlichen Qualm. Die Archäologen wollen einfach jetzt ausprobieren, wie sich das Material verhält, wenn Hitze in der Brennkammer entsteht. Wiesenberg schätzt, dass man mit der Miniatur etwa 900 Grad erreichen kann. Was passiert also, wenn der noch feuchte Lehm der Hitze des Holzfeuers ausgesetzt ist? 

Archäologin Bérénice Jayme, die das Streifenhaus samt den Anlagen für die Stadt betreut, ergänzt, dass alleine beim Schichten des nassen Lehms und beim notwendigen langsamen Trocknens immer wieder Risse in unterschiedlichen Größen entstehen. Die können die »Römer« aber mit feuchtem Lehm problemlos flicken. Sie zeigt auf einige Stellen und erklärt, dass der Lehm im großen Ofen auch nach mehreren Wochen noch nicht getrocknet ist.

Nicht wetterfest 

Der Lehm trocknet nur an der Luft und in der indirekten Sonne. Die Konstruktion ist so übrigens nicht wetterfest. Der Ofen wäre ohne Schutz auch nach einem Jahr Trocknung nicht wetterfest. Etwas anders sieht es aus, wenn ein Holzfeuer, das am unteren Luftloch entzündet wird, den Ofen richtig aufheizt. 

Die Flammen schlagen durch die Lochtenne, ein Rost aus Lehm zwischen Feuerstelle und Brennraum, bis zum Loch in der Kuppel. Daher stammt das Wort »Brand« in der Sprache der Keramiker. Das regelmäßige Brennen würde den Ofen stabilisieren. Aber zu viel Hitze könnte das Gegenteil bewirken. Je nach Zusammensetzung entsteht Glas aus dem Lehm oder das Material würde wieder weich werden.

Info

Wie verhält sich das Material?

Der erste Brand wird im Herbst sein. Denn wenn die Kuppel irgendwann in den kommenden Wochen fertig sein wird, gehen die Tests weiter. Der Ofen wird – zuerst ohne Füllung als Keramiken im Brennraum – dann mit etwa 700 Grad befeuert. Derzeit stecken Nägel in den Wänden. Die Löcher dienen als Sensoren zum Messen. Die »Römer« heute wollen ja wissen, wie sich der Ofen aufheizt und wie sich das Material bei welchen Temperaturen verhält. Eines weiß der Fachmann Wiesenberg aber sicher. Der Ton damals war nicht gesintert. Heißt, die Keramiken wären in etwa aus dem Material aus dem heute Weinkühler oder Blumentöpfe sind. Das hatte damals einen gravierenden Vorteil. Der so gebrannte Ton war weicher und weniger spröde.

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