Lahr

Der Stuhl, auf dem früher Friederike saß

Autor: 
Schätzle Wolfgang
Lesezeit 3 Minuten
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23. März 2013
Wolfgang Schätzle - Auf diesem Stuhl soll einst Friederike Brion gesessen haben (vorne, von links): Meißenheims Bürgermeister Alexander Schröder, Dora Stoll (Besitzerin) und Sessenheims Bürgermeister Robert Metz.

Wolfgang Schätzle - Auf diesem Stuhl soll einst Friederike Brion gesessen haben (vorne, von links): Meißenheims Bürgermeister Alexander Schröder, Dora Stoll (Besitzerin) und Sessenheims Bürgermeister Robert Metz.

Anlässlich des 200. Todestags von Friederike Brion wurde im Meißenheimer Rathaus eine Dauerausstellung eröffnet. Dabei wurde auch ein Stuhl präsentiert, auf dem Goethes Jugendliebe einst saß.

Meißenheim. Es war ein Abend der Überraschungen. Zunächst zeigte sich nicht nur Meißenheims Bürgermeister Alexander Schröder erstaunt angesichts des großen Interesses zur Eröffnung der Dauerausstellung Friederike Brion im Meißenheimer Rathaus am Donnerstagabend. Danach zauberte er selbst etwas aus dem Hut.

Dora Stoll (83), lebt in Schmieheim, kommt aus Meißenheim, war von 1950 bis 1967 Sekretärin beim Bürgermeister – sie besitzt seit fast 50 Jahren einen geschichtsträchtigen Stuhl. Bei einer Hochzeit in der Friederike-Stube im ehemaligen Gasthaus »Krone« in Meißenheim im März 1969 verriet ihr die Braut, dass sie einen Stuhl von Friederike Brion hat. Stoll wollte den Stuhl, der im Schlafzimmer der Oma der Braut in Nonnenweier stand, abkaufen, bekam ihn jedoch geschenkt. Die Sitzgelegenheit soll ein Geschenk von Pfarrer Marx, dem Schwager von Friederike Brion, an den Totengräber Theobald Hockenjos gewesen sein. Pfarrer Marx hatte 1805 die Stelle in Meißenheim übernommen und lebte dann im Pfarrhaus mit Frau Salome und Schwägerin Friederike Brion lebte.

Filigranes Möbelstück

»Ich war stolz, als Meißenheimerin ein Andenken an Friederike Brion zu haben und zeigte ihn allen meinen Besuchern«, sagte Stoll. Eine kunsthistorische Expertise wurde jedoch bislang noch keine erstellt – »zu teuer«. Auf den Stuhl durfte sich auch nie niemand setzen – zu filigran gebaut. Ein Bekannter tat dies eines Tages trotzdem, eine Querstrebe im Geflecht brach. »Seither wartet der Stuhl auf eine fachgerechte Restauration durch einen geeigneten Möbelschreiner.« Der Stuhl bleibt vorerst im Besitz Stolls.

Geänderte Termine

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Zur Ausstellung kamen auch kleine Delegationen aus den weiteren Brion-Gemeinden Diersburg und Sessenheim, darunter Sessenheims Bürgermeister Robert Metz, der noch einmal für die Teilnahme an den Feierlichkeiten in seinem Ort warb. Dort soll im Mai bei einem Friederiken-Fest ein langgehegter Wunsch besiegelt werden: die Gemeindepartnerschaft zwischen Sessenheim und Meißenheim. Metz wies darauf hin, dass die Angaben, wie sie im Flyer der Brion-Orte abgedruckt sind, so nicht mehr stimmen würden. Es gibt Änderungen, die wir frühzeitig bekanntgeben.«

Die Ausstellungseröffnung wurde musikalisch von Tobias Gnacke umrahmt. Unter anderem mit einer modernen Interpretation von Goethes »Heidenrösslein« – eine von vielen wertvollen Hinterlassenschaften, die von der einst flammenden Liebe zwischen Friederike Brion und dem Dichterfürst zeugen.

Informiert

Geschenk

Den Stuhl stellt Dora Stoll nur für die Ausstellung zur Verfügung. Ein Geschenk hatte sie dennoch dabei: die Original Schelle, die bis Anfang der 60er-Jahre von Gemeinededienern zum Verkünden amtlicher Mitteilungen genutzt wurde. Reinemachenfrauen hätten ihr die Schelle damals aufgeregt gebracht: »Der Zürcher Karl het d' Schelle in de Dreckeimer g'worfe, do hesch se!« lcc

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