Tierquälerei steht am Pranger

Eigentümer des Lahrer Dachswaldsees angezeigt

Jacqueline Meier
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16. Januar 2014
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Der Dachswaldsee liegt zwischen Autobahn und Flugplatzgelände. Hier sollen angeblich zum Spaß Fische gefangen und wieder ausgesetzt werden.

(Bild 1/2) Der Dachswaldsee liegt zwischen Autobahn und Flugplatzgelände. Hier sollen angeblich zum Spaß Fische gefangen und wieder ausgesetzt werden. ©Jacqueline Meier

»Catch and release«, (fangen und wieder freilassen) wird eine Art des Angelns genannt, die in Deutschland verboten ist, in Lahr aber angeblich am Dachswaldsee praktiziert wird. Naturschützer Christoph Münch klagt den Eigentümer des Sees an.

Im Internet posieren Angler mit kapitalen Hechten, Schleien, Welsen, Stören und Karpfen, die bis zu 30 Kilo schwer sind; in einem Youtube-Video ist zu sehen, wie ein Fisch aus dem Wasser geholt, für die Aufnahme im Arm gehalten und dann wieder ins Wasser entlassen wird. Naturschützer Christoph Münch aus Oberkirch geht auf die Barrikaden und wirft den Anglern am zwischen Autobahn und Flugplatz gelegenen Lahrer Dachswaldsee Tierquälerei vor. »Die reißen mit ihren Haken Wunden ins empfindliche Maul«, schimpft er.

Münch, der durch einen anonymen Anruf auf den Missstand aufmerksam wurde, klagt den Eigentümer des Sees an. Das sei nicht erlaubt, sagt er, und verstoße gegen das Tierschutzgesetz. Gerhard Bartel von der Fischereibehörde des Regierungspräsidiums Freiburg und Michael Schramm vom Fischereiverband bestätigen das. Laut Tierschutzgesetz ist es nicht erlaubt, Fische ohne Grund und nur zum Spaß zu angeln. Die Schuppentiere dürfen demnach nur aus dem Wasser geholt werden, wenn sie zur Lebensmittelproduktion genutzt oder aber wenn zur Hege und Pflege in den Fischbestand eingegriffen werden muss. Nur untermassige, also zu leichte Fische dürfen zurück ins Wasser gesetzt werden. Genauso sei das nächtliche Angeln nicht erlaubt, klagt Münch.

Die Staatsanwaltschaft Offenburg und die Abteilung Gewerbe und Umwelt der Polizei sowie das Veterinäramt am Landratsamt Ortenaukreis haben nach der Anzeige Münchs die Ermittlungen aufgenommen. Der Vorwurf: Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Martin Seifert, Sprecher der Staatsanwaltschaft, spricht von drei Beschuldigten; Patrick Bergmann, Sprecher der Polizei, von fünf. Genaueres wollen die Ermittler aber noch nicht preisgeben.

Vorwürfe an die Stadt

Münch hat aber noch mehr Vorwürfe in seinem Brief an die Redaktion aufgelistet. Er spricht von »mehreren Dutzend Hütten, Wohnwagen und Zelten«, die sich auf dem Gelände befinden, die sich vermutlich beeinträchtigend auf den Strauch- und Baumsbestand rund um den See wirken sollen. Auch liege keine baurechtliche Genehmigung für das »Hüttendorf«, wie er es nennt, vor. »Es drängt sich die Frage auf, warum die Stadt Lahr gegen die Missstände am Dachswaldsee auf ihrer Gemarkung, die schon seit Jahren bestehen, bisher nichts unternommen hat.«

Die Baurechtsbehörde der Stadt hat nach Aussage von Pressesprecherin Nadja Heine seit den 1990er-Jahren Kenntnis von Gebäuden und Wohnwagen am Dachswaldsee. Seither seien mehrfach Zwangsmittel angedroht und festgesetzt, bei einigen Gebäuden sei auch ein Rückbau erreicht worden. »Die Stadt Lahr ist hier auch weiterhin tätig.«

Die Angler zahlen dem Besitzer des Dachswaldsees je nach Zeit, die sie angeln wollen zwischen 20 Euro für 24 Stunden und 90 Euro für sieben Tage. Erst durch die Anfrage des Lahrer Anzeigers ist die Stadtverwaltung darauf aufmerksam geworden, dass der Eigentümer kein Gewerbe angemeldet hat. »Die beschriebenen Vorgänge bewerten wir als gewerbliche Nutzung. Eine Gewerbeanmeldung liegt jedoch nicht vor. Wir werden den Betreiber auffordern, ein Gewerbe anzumelden.« Ansonsten  droht ein Bußgeldverfahren.

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Entscheidung bereut

Der Eigentümer des Dachswaldsees ist der Schramberger Martin Zehnder. »Seit ich den See gekauft habe, habe ich nur Ärger«, klagt er. Er habe seine damalige Entscheidung schon mehrfach bereut. Die Vorwürfe der Tierquälerei lässt er nicht gelten. »Wir lassen nicht alle Fische leben und geben nur die großen Laichfische für die Nachzucht ins Wasser zurück«, sagt Zehnder. Zusätzlich setze er jährlich junge Tiere neu ein.

»Da ist wieder einer beleidigt, dass er keine Angelkarte bekommen hat und will mich anschwärzen«, ist er sich sicher. »Es kommt noch soweit, dass ich gar keine Karten mehr ausgebe.« Den Tierschützern wäre eine solche Entscheidung vermutlich nur recht.

 

STICHWORT:

Rechtliches

Paragraph 17 des Tierschutzgesetzes besagt, dass mit bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe oder mit geldstrafe bestraft wird, wer (1.) ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund tötet oder (2.) einem Wirbeltier aus Rohheit erhebliche Schmerzen oder Leiden oder anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügt. Das Veterinäramt sieht in der Angelei im Dachswaldsee mindestens eine Ordnungswidrigkeit, »da zum einen Verletzungen durch Angelhaken entstehen, zum anderen auch durch das unnötige und lange Halten und Handhaben außerhalb des Wassers der Organismus der Fische geschädigt wird.«

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