Schwanau - Ottenheim

Ein Grabstein: Zeuge aus früherer Zeit

Autor: 
Thorsten Mühl
Lesezeit 2 Minuten
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03. Januar 2018

Johann Caspar Bickel war vom Markgrafen als Art Beamter eingesetzt worden und war bestimmt kein Armer. ©Privat

Ein 2015 bei Bauarbeiten zutage gefördertes Grabkreuz liefert einen wichtigen Beitrag zu Ottenheims Heimatgeschichte. Das aus dem Jahr 1766 stammende Kreuz weist insbesondere auf den alten Dorffriedhof hin, gibt aber noch mehr Details preis.

Die Historie der Ottenheimer Friedhöfe ist lang und wechselhaft. Nach dem Gottesacker »Auf dem Leh« wurde der Friedhof an den Standort verlegt, der die erstmals 1326 erwähnte Michaelskirche umfasst. 

Das die Kirche umgebende Gelände diente vermutlich als Friedhof, wobei die exakten Grenzen heute nicht mehr bekannt sind. Vermutet wird eine Ausdehnung im Norden bis hin zum heutigen katholischen, im Süden bis zum evangelischen Pfarrhaus.

Östlich diente wohl die teilweise erhaltene Sandsteinmauer, im Westen die heutige Kirchstraße als Begrenzung. 

Nördlich für Katholiken

Fest steht, dass nördlich der Kirche katholische Christen beerdigt wurden, südlich davon Protestanten. 1820 forderte das Großherzögliche evangelische Dekanat Mahlberg eine Erweiterung des evangelischen Friedhofsteils. 

Das Areal blieb bis ins 19. Jahrhundert genutzt, mit wachsender Bevölkerungszahl in Ottenheim ging die erneute Verlegung zum so genanten »Dorfbühl« einher. Der bestehende Friedhof wurde geschlossen, die letzten Gräber 1899 eingeebnet. 1911 entstand zwischen Kirche und Pfarrhaus ein neues Rathaus (heutige Ortsverwaltung). 

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An den alten Friedhof erinnern heute praktisch keine steinernen Zeugen mehr, mit Ausnahme einem kleinen Abschnitt Sandsteinmauer, den in die Mauern der Michaelskirche eingelassenen Epitaphe (Grabdenkmale) sowie der Kreuzigungsgruppe (zu sehen auf dem Kirchplatz der katholischen Pfarrkirche). 

Steinerner Zeuge

Doch so ganz stimmt das nicht mehr, ein weiterer steinerner Zeuge ist mittlerweile aufgetaucht. Denn im Zuge der Sanierung des einstigen katholischen Pfarrhauses zum heutigen »Marieaneum« wurde zwischen Gebäude und Kirche 2015 ein neuer Parkplatz angelegt. 

Im Zuge der Arbeiten wurde im Bereich des bestehenden Lindenbaums, kurz unter der Erdoberfläche, ein barockes Grabkreuz samt Stein freigelegt. Der einstige Grabstein besteht aus rotem Sandstein (Maße: 1,25 Meter hoch, 0,65 Meter breit, 0,15 Meter tief).

Der Stein war, von kleinen Schäden abgesehen, noch zum größten Teil völlig intakt. Allerdings brach er – wohl anläßlich des Hebens aus seinem Fundort – stellenweise. 

Das Kreuz zeigt auf seiner Vorderseite im Zentrum beider Balken ein markantes Medaillon. Zu sehen ist ein Hirsch, der von den Buchstaben C(aspar) und B(ickel) eingerahmt wird. Darunter ist folgende Inschrift zu lesen: »In Gott ruhet Johan Casparbickell hochfürstlich badenbad obwer Jäger Inottenheim Gestorben den zten Juli 1766.«

Das Grabkreuz befindet sich mittlerweile in Privatbesitz, nachdem niemand weitergehendes Interesse daran zeigte. Der neue Besitzer ließ das Kreuz fachmännisch instandsetzen und verschaffte ihm einen gebührenden Platz.

Stichwort

Johann Caspar Bickel war kein Armer

Nach Recherchen von Martin Frenk (Vorsitz Reit- und Fahrverein Ottenheim) beziehen sich die Angaben gemäß des Ottenheimer Ortssippenbuchs auf Johann Caspar Bickel (1691 bis 1766), der mit Franziska Colonell verheiratet war. Seine Vorfahren waren Richard Bickel (aus Unzhurst, Baden) und Catharina Bickel, geborene Eicher (aus Ichenheim). 

Bickel war Oberjäger der baden-badischen Markgrafschaft (in der Herrschaft Mahlberg). Er wohnte in Ottenheim, wobei Näheres über ihn oder sein Leben nicht bekannt ist. Martin Frenk geht davon aus, dass der Oberjäger im alten Forst-Jagdhaus (Rockelstraße) lebte, dem heute ältesten örtlichen Fachwerkhaus. Das 1688 errichtete Gebäude beherbergte lange Jahre über die eingesetzten herrschaftlichen Forstjäger. 

Das Grabkreuz weist darauf hin, dass der Verstorbene alles andere als arm war. Die baden-badischen Oberjäger wurden nicht gewählt, sondern vom Markgrafen als eine Art Beamte eingesetzt, die die örtliche Jagd, vermutlich auch den herrschaftlichen Forst beaufsichtigten. 

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