Der Lahrer Anzeiger hat viele verschiedene Bedeutungen gehabt

Ein Titel mit bewegter Geschichte

Autor: 
Endrik Baublies
Lesezeit 3 Minuten
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25. Juni 2019

Eine alte Ausgabe des Vorgängers des Lahrer Anzeigers, dem »Anzeiger für die Stadt und Land im Kreise Offenburg« aus dem Jahre 1868. ©Endrik Baublies

Der Name »Lahrer Anzeiger« stammt aus dem 19. Jahrhundert. In den 1860er-Jahren sollte der politische Katholizismus in dem damals in Baden noch bedeutenden Industriestandort Lahr eine eigene Stimme bekommen. Mit dem Blatt ist damals der Name des Dekans und Stadtpfarrers Albert Förderer eng verbunden, der Redakteur und Landespolitiker war.
 

Die Ausstellung »Stadt im Blatt« verweist auf die verschiedenen Zeitungen, die es vom Ende des 18. Jahrhunderts in Lahr gegeben hat. An der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert gab es genügend Lahrer, die Lesen konnten und das Interesse an einer Zeitung gehabt haben. 1868 erschien als zweites Blatt in der Stadt und als Stimme des Katholizismus der »Anzeiger für Stadt und Land in Offenburg«. Der Anzeiger berichtete über die »Ämter« (Kirchenbezirke) Offenburg, Lahr, Kork, Oberkirch, Gengenbach und Wolfach. Ab 1872 hieß das Blatt »Anzeiger für Stadt und Land«. 
Gedruckt wurde der »Anzeiger« von Christian Schömperlen in Lahr. Redakteur war Albert Förderer, katholischer Stadtpfarrer der Kirche St. Peter und Paul, und Dekan des Lahrer »Bezirks«. Förderer, nach dem seit im Jahr 1968 die Albert-Förderer-Straße benannt ist, stammt aus Rastatt. Nach dem Theologiestudium wurde Förderer im Jahr 1862 Stadtpfarrer der Kirche St. Peter und Paul. 

Förderer erstochen
Die Zahl der Katholiken im zuvor protestantischen Lahr stieg an. Der Pfarrer engagierte sich schnell politisch. Er gehörte 1869 zu den Mitbegründern der katholischen Volkspartei in Baden und war Mitglied des Landtags für den Kreis Gengenbach von 1871 bis 1887. Ende Januar 1889 wurde Förderer im Pfarrgarten der Kirche St. Peter und Paul erstochen. Die Motive für die Tat sind unklar. Der Täter war geistig verwirrt, allerdings spielte wohl auch Antiklerikalismus eine Rolle. Das Grab Förderes befindet sich auf dem ehemaligen Friedhof neben der Stiftskirche.

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Die Entscheidung ein katholisches Blatt als Stimme zu schaffen – neben dem liberal eingestellten »Lahrer Wochenblatt« und ab 1867 der »Lahrer Zeitung« – stammt nicht von Förderer. Die Initiative im Jahr 1868 kam aus Offenburg, wo der erste Verleger Karl Debold wohnte. Der Name »Lahrer Anzeiger« tauchte zuerst bereits im Jahre 1866 auf. Ein Blatt mit dem Namen als Stimme für den protestantischen Konservatismus unter der Leitung des Oberkirchenrates Karl August Mühlhäuser wurde im Lahrer Kaufmann-Verlag gedruckt. Der Name »Lahrer Anzeiger« war wieder verfügbar, als diese Zeitung als »die Warte« ab 1868 im Karlsruhe erschien. Förderer erwarb 1870 die Aktien des Anzeigers, das Blatt gehörte also ihm. Der »Lahrer Anzeiger« hatte beim Start etwa 1300 Abonnenten, Ende der 1870er-Jahre waren es etwa 5000 Abonnenten. 1872 bezog der Anzeiger Räume an der Friedrichstraße. Vorher war die Redaktion am Bärenplatz, dem heutigen Doler Platz, zu Hause.

Von den Nazis verboten
Das Blatt erscheint seit Ende der 1860er-Jahre wöchentlich. Es findet Leser von Kenzingen bis nach Rastatt. Ab dem Jahre 1901 erscheint der Anzeiger »wochentäglich«. Ab 1925 erscheint der Anzeiger dann auch am Morgen. Im Jahre 1935 wird das katholische Blatt von den Nazis verboten. Der Anzeiger erscheint erst wieder ab dem Jahre 1949. Das Blatt schließt sich redaktionell nacheinander der »Freiburger Tagespost«, dem »Acher- und Bühler Boten« und zuletzt den »Badischen Neuesten Nachrichten« an. 

Der »Lahrer Anzeiger« bleibt aber ein eigenständiger Verlag, zuletzt mit einer im Jahre 1974 für damalige Verhältnisse modernen Druckerei in der Senefelder Straße. 1957 kauft der »Badische Verlag« in Freiburg den »Lahrer Anzeiger«. Die »Lahrer Anzeiger GmbH« ist für die Lokalausgabe verantwortlich. 1985 verschwindet der Name »Lahrer Anzeiger« in der Lokalausgabe der Badischen Zeitung. Die Zusammenarbeit wird elf Jahre später beendet. Seit dem 11. März 2006 erscheint der »Lahrer Anzeiger« als Lahrer Lokalausgabe der »Mittelbadischen Presse«.

Info

»Zeitung«

Das Wort »Zeitung« bedeutet ursprünglich einfach Nachricht. Der Begriff ist erstmals um das Jahr 1300 als »Zitunge« überliefert. Die Zeitung leitet sich vom Mittelhochdeutschen »tidinge«, also Nachricht, ab. Die ersten Zeitungen entstanden als eine Art Flugblatt, die Ende des 16. Jahrhunderts verschickt wurden. Die Fuggerzeitung stammt aus dem Jahr 1598. Die erste wöchentliche Zeitung, die diesen Namen verdient, erschien unter dem Namen »Relation« 1605 in Straßburg für das Elsass. Die erste Tageszeitung mit aktuellen Nachrichten ist die »Einkommende Zeitung« in Leipzig, die ab dem Jahr 1650 gedruckt wurde.

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