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Lahr/Schwarzwald

Friedensforum sammelt Unterschriften gegen Munitionsfabrik

Ansiedlung einer »todbringenden Industrie" in Lahr wäre ein Salto rückwärts
10. Juni 2017
&copy Archivfoto

Die Mitglieder des Friedensforums meldeten sich gestern mit einem klaren »Nein« zur Ansiedlung einer Munitionsfabrik zu Wort. Sie möchten verhindern, dass das Schweizer Unternehmen Fläche im Westen des Industrie- und Gewerbezentrums erhält. 

»Wir sprechen uns entschieden gegen die offenbar geplante Ansiedlung einer Munitions-Fabrik der Saltech AG in Lahr aus«, heißt es in einer Resolution, die Klaus Schramm vom Lahrer Friedensforum gestern verschickt hat. Nachdem das Schweizer Rüstungs-Unternehmen ein Auge auf ein Areal im Westteil des Lahrer Industrie- und Gewerbezentrums (IGZ) geworfen, wird die Gruppierung aktiv. 
Während das Friedensforum seit der Jahrtausend wende insbesondere mit Lichterketten zum Frieden in Iran oder Afghanistan mahnte, ist sie nun erstmals bei einem »Fall« direkt vor der Haustür gefordert.

Schramm, die rund 15 Mitglieder des Friedensforums und weitere Unterzeichner fordern den Lahrer Gemeinderat und Oberbürgermeister Wolfgang G. Müller auf, die Ansiedlung einer Munitionsfabrik in Lahr zu verhindern. Geplant ist, weitere Unterschriften zu sammeln und sie sowohl auf der Internetseite zu veröffentlichen wie auch an die politisch Verantwortlichen der Stadt weiterzuleiten. Aktionen bei der Firma in der Schweiz seien dagegen keine geplant, erklärte Schramm gestern auf Anfrage des Lahrer Anzeigers.

Reste eines Gewissens

Die Resolution verweist unter anderem darauf, dass nach dem Abzug des kanadischen Militärs aus Lahr die Fläche im Sinne der Konversion Anfang der 1990er-Jahre für die zivile Nutzung freigegeben wurde. »Das gesamte Zweckverbandsareal im Westen des Flughafengeländes war seit Beginn der Konversion ausdrücklich als Logistikzentrum ausgewiesen«, heißt es weiter im Schreiben. Erst in jüngster Zeit sei das Ziel anvisiert worden, dort auch Produktionsfirmen anzusiedeln. Und: »Konversion wird im allgemeinen Sprachgebrauch als die Umwidmung von Produktionsmitteln aus dem militärischen in den zivilen Bereich verstanden. Es wäre ein Salto rückwärts, wenn wieder todbringende Industrie in Lahr angesiedelt würde.« 

Man will sich keinen Sand in die Augen streuen lassen: »Das bereits prophylaktisch gestreute Argument, die zukünftig in Lahr produzierte Munition werde ausschließlich oder überwiegend an die baden-württembergische Polizei verkauft, deutet bestenfalls auf ein noch vorhandenes schlechtes Gewissen.«
Gestern teilte IGZ-Geschäfts-führer Markus Ibert  mit, dass »am Standort eine Produktion von Kleinkalibermunition (neun Millimeter /7,62 Millimeter) für die Bundeswehr sowie die deutsche Polizei aufgebaut werden« solle. Er will aber »weitere Informationen zum Ansiedlungsvorhaben« einholen, etwa bei einer Fahrt in die Schweiz am 20 Juni.

Rüstungs-Güter

Als Argument gegen die Ansiedlung weist das Friedensforum darauf hin, dass Baden-Württemberg mit der Rüstungsfabrik Heckler & Koch im schwäbischen Oberndorf und einer Vielzahl an Rüstungs-Unternehmen am Bodensee bereits einen überproportionalen Anteil am deutschen Export von todbringenden Rüstungs-›Gütern‹ in alle Welt« leiste. »Allein mit dem G3 von Heckler & Koch wurden weltweit mehr als 1,5 Millionen Menschen getötet«, führt Schramm an. 
Doch Baden-Württemberg trägt nicht nur den Tod in alle Welt, sondern verursacht damit zugleich die Flucht vieler Menschen aus den von Krieg und Terror überzogenen Ländern, heißt es im Schreiben weiter. Dabei lehnen nach einer repräsentativen Meinungsumfrage von Emnid 83 Prozent der Deutschen den Export von Waffen und Rüstungsgütern ab.

Autor:
bek

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