Lahr

Fünf Preisträger im 5. Mundartwettbewerb "Lahrer Murre"

Autor: 
Jacqueline Meier
Lesezeit 3 Minuten
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18. Oktober 2017

Bürgermeister Guido Schöneboom und Mediathek-Leiterin Birgit König (hinten von links) haben die Preisträger im Mundartwettbewerb »Lahrer Murre« ausgezeichnet (von links): Simone Schneider, Anita Vogel, Moritz Müller und Beate Reiner. Der fünfte Preisträger Wendelinus Wurth war bei der Verleihung nicht zugegen. ©Jacqueline Meier

Bereits zum fünften Mal wurde am Montagabend die »Lahrer Murre« an Mundartdichter der Region verliehen. Erstmals gab es mit Moritz Müller einen ganz besonders jungen Autor; er erhielt einen Sonderpreis.

Mit rund 60 Zuhörern war der Vortragsraum der Lahrer Mediathek am Montagabend brechend voll. Die Sitzplätze reichten nicht aus; einige Besucher verfolgten die Preisverleihung stehend. 

Wie vielfältig die Mundart mit ihren sprachlichen Nuancen ist, zeigte sich bei den eingereichten Geschichten und Gedichten der Preisträger. Vor allem die Möglichkeit, durch Dialekt-Ausdrücke Dinge, Situationen und Stimmungen eindrücklich zu beschreiben, wurde deutlich, als die Gewinner ihre Beiträge vortrugen. 

So wie beispielsweise Anita Vogel, die einen Touristen-Sommertag am Mummelsee beschrieb und dabei das Dunkle und Mystische, das den See und seine Geschichte umgibt, durch die häufige Verwendung des Vokals U hervorhob und somit einen krassen Kontrast zu dem sommerlichen Flirren von Menschen und Stimmen setzte. »Der Leser leidet gehörig mit, wenn Anita Vogel davon erzählt, wie der mit elendigem Glumps vollgestopfte Schopping-Schuppe von Touristen überlaufen wird«, sagte Jurorin Ulrike Derndinger, die die Geschichte in ihrer Laudatio als »satirisch und frech« bezeichnete. 

Sprachlicher Klangbogen

Das Metrum – also der Rhythmus der Verse – des Gedichts von Beate Reiner nahm Juror Stefan Pflaum bei seiner Laudatio ins Visier. Durch den Rhythmenwechsel sei der Autorin gelungen, physikalische Gegebenheiten in Wort und Satz einzufangen und somit einen einzigen Klangbogen zu bilden. »Auch Mundart kann Lyrik«, stellte Pflaum fest. 

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Als »knorrige Geschichte aus dem bäuerlichen Leben« bezeichnete Juror Ludwig Hillenbrand die Geschichte von Wendelinus Wurth, die eine Szene beschreibt, bei der der 85-jährige Vater und sein Sohn gemeinsam einen Baum beschneiden. Wobei der Senior unter dem Baum steht und generalstabsmäßig Anweisungen gibt, um dann am Ende festzustellen: »Des hemmer gut g’macht.« Hillenbrand schreibt der Geschichte eine »Eisbergstruktur« zu: »Ein Achtel ist sichtbar, der Rest liegt im Hintergrund und zwischen den Zeilen.«

Die Geschichte, die Simone Schneider erzählt, habe er dreimal durchgelesen und dann gedacht: »Wahnsinn!«, sagte Stefan Pflaum über die Erzählung, die eine Nachbarin, »’s alte Fraili«, beschreibt. Im Prinzip habe er darin neun Bilder gesehen, die sich am Ende in ein einziges zusammenfügen. Die Autorin habe die Nachbarin und ihre Umgebung nicht charakterisiert, sondern mit viel Liebe zum Detail beschrieben. 

Erstmals gab es einen Sonderpreis. Der erst elfjährige Moritz Müller aus Oberkirch hat eine Szene aus dem Alltag auf dem Bauernhof der Eltern aufgeschrieben. Unverblümt, direkt und erfrischend, schön, schlicht und hintersinnig erzähle der junge Autor über »etwas Uraltes«, eine Reparatur am Brunnen, die Vater und Großvater vom Sohn beobachtet ausführen, sagte Ulrike Derndinger in ihrer Laudatio. 

Wie sich Mundart noch anhören kann, demonstrierte Helmut Dold alias »de Hämme«, der die Preisverleihung musikalisch begleitete, die anwesenden Männer dabei im »Dätschmer-Club« begrüßte, dem »Ding« einen Gruß ausrichten ließ und die Rundreise einer Flasche Wein von einer Tombola über Geburts- und Feiertage zurück über eine Tombola zum ursprünglichen Stifter verfolgte.

Eintrag in Wikipedia

Dass auch er der Mundart mächtig ist, wenngleich nicht der alemannischen, ließ Bürgermeister Guido Schöneboom in seiner Begrüßung hören, die er mit den Worten »Nu, meine Gutsten« begann. Die eingereichten und am Ende ausgezeichneten Beiträge verglich er mit einem »Leipzscher Allerlei«. Die »Lahrer Murre« habe es mittlerweile sogar in Wikipedia geschafft, was nicht alltäglich sei, so Schöneboom.

Stichwort

Die Preisträger

Fünf Teilnehmer wurden im 5. Mundartwettbewerb »Lahrer Murre« mit Preisen ausgezeichnet: In der Kategorie Lyrik erhielt Beate Reiner mit »Vorbei« den mit 300 Euro dotierten ersten Preis; der mit 200 Euro dotierte zweite Preis ging an Anita Vogel für das Gedicht »Mummelsee«. In der Kategorie Prosa erhielt Simone Schneider den ersten Preis für ihre Geschichte über »D’Noberi«; der zweite Preis wird an Wendelinus Wurth für seine Geschichte »Wasserschess« vergeben. Moritz Müller erhielt als Sonderpreis aus den Händen von Bürgermeister Guido Schöneboom einen Fahrradcomputer »mit allem Schnickschnack«.

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