Gemeinderat Schwanau beschließt

Günstiger: Wittenweier bekommt in der Dorfmitte Betonpflaster

Autor: 
Thorsten Mühl
Lesezeit 3 Minuten
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22. Mai 2019

Archivbild ©Thorsten Mühl

Oft wiederholt sich die Geschichte, doch im Falle baulicher Schwanauer Großvorhaben nicht. Anders als bei Ottenheims Ortskern, votierte der Gemeinderat für die Gestaltung von Wittenweierers Dorfmitte in kostengünstigerem Betonpflaster.

Fünf Jahre ist es her, als im Zuge der Diskussionen um Ottenheims Ortskern-Sanierung eine der im Raum stehenden Gretchenfragen war, ob die Pflasterung in Beton- oder Natursteinausführung erfolgen soll. Eine Glaubensfrage für manchen Rat, die Debatte wurde lange und intensiv geführt. Diesen Umstand galt es am Montag bei der Diskussion um die Gestaltung von Wittenweierers Dorfmitte im Hinterkopf zu behalten. Wie schon im Wittenweierer Ortschaftsrat wurden auch im Gemeinderat Details der Planung dargestellt. 

Von Planerseite wurde darauf verwiesen, dass Naturstein, in gebundener Bauweise auf wasserdurchlässigem Beton und vermörtelt, aufgrund von Aufwand und Material die Kosten erhöhe. Dabei werde berücksichtigt, dass der Stein Belastung durch Schwerfahrzeuge und landwirtschaftlichen Verkehr aushalten müsse. Mögliche Ausführungsvarianten seien rötlicher (515.000 Euro) oder grauer Naturstein (480.000 Euro), grauer Naturstein (samt asphaltiertem Gehweg) (460.000 Euro) oder eine Betonpflasterung (300.000 Euro). Eingegangen wurde auf Details wie einen vorgesehenen neuen Baum beim Dorfbrunnen, klar getrennte Verkehrsbereiche, vier zu pflanzende Bäume sowie die Entwässerung über eine Rinne mit Flachbord. Weitere Details sind Sitzgelegenheiten und drei Mastleuchten. Im kommunalen Haushalt stehen Mittel von 400.000 Euro für den ersten Bauabschnitt bereit.

Déjà-vu

Bürgermeister Wolfgang Brucker sah zum Einstieg, anspielend auf die Ottenheim-Debatte, »ein Déjà-vu, könnte man fast sagen«. Die Kritiker der teureren Naturstein-Variante positionierten sich schnell.  Dagmar Frenk (SPD), Günter Walter und Reinhard Frenk (beide FWV) betonten, es sei nicht so, dass die Empfehlung von Wittenweierers Ortschaftsrat nicht respektiert werde. »Ich nehme das Votum sehr ernst«, unterstrich Dagmar Frenk. Das klare Aber laute: »Es handelt sich weder um eine denkmalgeschützte Mitte noch erhalten wir dafür irgendwelche Fördermittel. 115 000 Euro an Überschreitung sind immens.« Sie verwies auf das Beispiel Untere Oberaustraße in Nonnenweier, die in Beton ausgeführt sei – »günstig, tauglich und rollstuhlgerecht«. Sie werde beim Naturstein nicht mitgehen. 

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Walter sah bei Betonpflaster »keine Verschlechterung« und empfahl, die eingesparten 100 000 Euro in weitere Details zu investieren. »Keiner von uns hat Naturstein auf dem Privatgrundstück liegen. Wir tun immer so, als ob es keine Alternativen gäbe«, argumentierte er. Reinhard Frenk fragte nach dem Sinn von Naturstein, »in Wittenweierers Ortsmitte wird auch nicht mehr gefahren als in der Unteren Oberau bei uns«. Andreas Biegert (FWV) sah es ähnlich: »Jede normale Straße wird auch mit Lkw befahren.« 

Von Planerseite wurde darauf verweisen, die Entscheidung sei Abwägungssache. Naturstein sei langlebiger, wenn auch teurer. Bei Beton würden sich in 15 bis 20 Jahren Spurrillen bilden, die nachgebessert werden müssten und Kosten verursachten. Eine Anregung Silke Webers (FWV) zur Verlegung von Leerrohren für etwaige spätere Internet-Entwicklungen nahm die Gemeinde auf, wenngleich Leerrohre laut Verwaltung derzeit nicht vorgesehen seien. Brucker selbst zeigte sich als Freund des Natursteinpflasters, aufgrund größerer Nachhaltigkeit.

Vom Tisch gefegt

Zurück zur Einstiegsfrage: Sein oder Nicht-Sein Natursteinpflaster? In Ottenheim wurde die Frage 2014 mehrheitlich bejaht, doch am Montagabend wiederholte sich Geschichte nicht. Bei 6:8-Stimmen (eine Enthaltung) wurde der rötliche Naturstein knapp abgelehnt, die Empfehlung des Ortschaftsrats faktisch vom Tisch gefegt. Das Betonpflaster erhielt ein 10:5-Mehrheitsvotum.

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