"Leser helfen" unterstützt das Frauenhaus

Häusliche Gewalt in Lahr nimmt zu

Autor: 
Dominik Kaltenbrunn
Lesezeit 4 Minuten
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14. Dezember 2018
Wenn Frauen von ihren Partnern geschlagen oder misshandelt werden, ist das eine Straftat. Schutz finden Opfer von häuslicher Gewalt etwa in Frauenhäusern.

Wenn Frauen von ihren Partnern geschlagen oder misshandelt werden, ist das eine Straftat. Schutz finden Opfer von häuslicher Gewalt etwa in Frauenhäusern. ©Iris Rothe

2018 hat die Polizei in Lahr schon mehr als 65 Fälle von häuslicher Gewalt bearbeitet. Der Anstieg resultiert auch daher, dass Frauen Delikte häufiger anzeigen. Die Mittelbadische Presse unterstützt mit der Spendenaktion »Leser helfen« den Bau eines Frauenhauses.

Wird eine Frau von ihrem Partner geschlagen, dann ist das häusliche Gewalt und eine Straftat. In solchen Fällen können sich Betroffene in Frauenhäuser begeben, in denen sie wohnen dürfen und Hilfe finden. In der Ortenau gibt es nur eine Einrichtung  dieser Art – in Offenburg. Die Mittelbadische Presse will mit ihrer Weihnachtsaktion »Leser helfen« dieses Frauenhaus finanziell unterstützen.

Wie wichtig ein solches Angebot ist, zeigen die Fallzahlen von häuslicher Gewalt in Lahr. Die angezeigten Straftaten lagen in den vergangenen Jahren auf einem stabilen Niveau, stiegen aber 2018 leicht an, berichtet  Reinhard Grußeck, Leiter des Bezirksdienstes des Polizereviers Lahr, im Gespräch mit dem Lahrer Anzeiger. 

»2014 wurden 58 Fälle bearbeitet, 2015 dann 57. Im Jahr 2016 waren es 52 Anzeigen von häuslicher Gewalt, 2017 schon 65 und 2018 bislang bereits mehr als im vergangenen Jahr.« Als Grund für den Anstieg vermutet Grußeck, dass Betroffene sich mittlerweile häufiger melden: »Früher war dies ein Tabuthema und die Opfer haben sich teils versteckt«, sagt er. 

Auch die vielen Hilfsmöglichkeiten von Organisationen und Vereinen seien heutzutage besser bekannt: »Es gibt mehr Anlaufstellen. Das Wissen darum ermutigt Opfer dazu, Delikte zur Anzeige zu bringen.«

In Lahr gibt es zwar kein Frauenhaus, aber Hilfsangebote, mit denen die Polizei eng zusammenarbeitet. Solche Anlaufstellen sind etwa »Der Weiße Ring«, den es bundesweit gibt. »Die Zentrale in Stuttgart vermittelt bei einem Hilferuf Ansprechpersonen«, so Grußeck. Weitere Kooperationen gebe es unter anderem mit dem Verein »Frauen helfen Frauen«, dem diakonischen Werk  in Lahr, der kommunalen Arbeitsförderung und psychologischen Beratungsstellen. 

Auch die Zusammenarbeit mit dem Familiengericht betont er: »Das ist wichtig, um etwa um Annäherungsverbote zu erwirken.« Relevant seien zudem Suchtberatungsstellen für Drogen- oder Alkohol-Abhängige. Denn: »In vielen Fällen von häuslicher Gewalt ist Alkohol im Spiel. Die Männer haben ein Problem, Alkohol  kommt als Aggressor dazu und dann schlagen sie ihre Frau oder Kinder«, erzählt Grußeck.

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Beim Polizeirevier Lahr hat Grußeck eine Kollegin und einen Kollegen, die für häusliche Gewalt zuständig sind. »Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass es sehr wichtig ist, das Vertrauen der Opfer zu gewinnen. Die Geschädigten sollen merken: Da versteht mich jemand, der mir zuhört und mir helfen will«, erklärt er. Diese Arbeit sei sehr zeitintensiv, denn Betroffene melden sich mehrfach, um nach Rat zu fragen. »Daher ist eine kontinuierliche Bearbeitung durch die gleichen Sachbearbeiter wichtig.« 

Das Vertrauen gewinnen

Neben dem Opferschutz dürfe aber auch der strafrechtliche Aspekt nicht vergessen werden. Welche Maßnahmen die Polizei bei akuten Fällen vor Ort anwenden kann, regelt das Polizeigesetz. »Das sind etwa Platzverweise oder Aufenthaltsverbote.« Ortspolizei-Behörden können ein Rückkehrverbot von bis zu 21 Tagen für die Täter aussprechen. »In diesem Fall dürfen die betroffenen Männer nicht in die Wohnung kommen, sodass die  Frauen Zeit haben, um zum Beispiel auszuziehen.« 
Auch bei einem Annäherungsverbot wird die Dauer definiert. »Das Verbot gilt dann nicht nur räumlich, sondern auch die schriftliche oder telefonische Kontaktaufnahme ist untersagt.« Delikte anzuzeigen, sei wichtig, da dann im Wiederholungsfall das Gewaltschutzgesetz greife, sagt Grußeck. »Die Polizei hat dann mehr Möglichkeiten, gegen den Aggressor eine dauerhafte Regelung zu erwirken.« 

Bis 2009 gab es in Lahr noch eine Frauen-Notruf-Zentrale. Sie sei aus einer Kooperation zwischen der damaligen Gleichstellungsbeauftragten der Stadt und der Polizei um das Jahr 2000 herum entstanden. »Damals gab es eine Gesetzesänderung, die neue Sanktionen bei häuslicher Gewalt einführte.« Der Frauen-Notruf bestand aus Ehrenamtlichen. »Es haben sich damals nur Frauen gemeldet«, erläutert Grußeck. Die Freiwilligen standen rund um die Uhr zur Verfügung und kamen bei akuten Fällen zum Einsatz. »Bei Bedarf wurden sie von der Polizei verständigt und sind dann als Erstversorgung mit den Opfern in Verbindung getreten.« Ehrenamtliche für die auch belastende Arbeit zu finden, sei schwieriger geworden. 

2009 habe das Landratsamt eine halbe Stelle mit einem Notruf für die Ortenau eingerichtet. »Das hat die Lahrer Zen­trale abgelöst«, sagt Grußeck. Aber auch dieses Angebot sei später eingestellt worden, als ein bundesweiter Notruf etabliert wurde.

Wer spenden will: www.leser-helfen.de

 

Info

Spezielle Schulung für Polizisten

Sich als Polizist um Fälle von häuslicher Gewalt zu kümmern, braucht viel Fingerspitzengefühl, sagt Reinhard Grußeck. »Solche Delikte dürfen nicht nur strafrechtlich behandelt werden. Es geht voranging um Opferschutz.« Aber: »In der Grundausbildung für Polizisten wird das Thema häusliche Gewalt nicht behandelt.« Nicht jeder Mensch sei dafür geeignet. Es brauche Einfühlungsvermögen und gute Fähigkeiten bei zwischenmenschlichen Kontakten. Wenn jemand eine Neigung dazu habe, bilden sich die Kollegen in Schulungen, unter anderem mit dem »Weißen Ring«, weiter.

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