Pfarrer und Stadtrat in Lahr

Herbert Schmider feiert seinen 75. Geburtstag

Autor: 
Endrik Baublies
Lesezeit 3 Minuten
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19. Juli 2019

Herbert Schmider, ehemaliger Pfarrer in Lahr und SPD-Stadtrat, feiert seinen 75. Geburtstag. ©Endrik Baublies

Herbert Schmider hat um der Liebe willen mit der katholischen Kirche gebrochen. Der einstige Pfarrer engagierte sich später als Stadtrat für die SPD. Diesen Freitag feiert er seinen 75. Geburtstag – und blickt noch mal zurück.

Ein katholischer Pfarrer, der in den 1990er Jahren für die SPD im Lahrer Gemeinderat saß, hat – zu Recht – einiges zu erzählen. Herbert Schmider war zwölf Jahre, von 1980 bis 1992, Pfarrer in der Kirche Sancta Maria. Dann brach er mit der Kirche und war zwei Jahre später für fünf Jahre Stadtrat in Lahr. 

Seine Zeit als Pfarrer in Lahr verbindet Schmider mit »Menschen am Rande« oder »Menschen, die draußen sind, Armen und der Botschaft des Jesus von Nazareth«. Er spricht dabei auch von einer politischen Dimension, die es in den Evangelien geben würde. 

So hat er sich in der Mitte der 1980er Jahre an den Ostermärschen beteiligt und dort gesprochen. Das sei, erinnert er sich, sicher ungewöhnlich für viele der Lahrer Katholiken gewesen.
Schmider vertrat als Theologe die katholische Arbeitnehmerbewegung im Kreis, war Pfarrer im Lahrer Krankenhaus und für Jugendliche engagiert. Und er war der Präses des damaligen Lahrer Pfarrbezirks. 

Sein unmittelbarer Vorgesetzter in der katholischen Kirche war der damalige Dekan des alten Lahrer Landkreises, Paul Schäufele. Der war es auch, der als Vorgesetzter Anfang der 1990er Jahre den Theologen Schmider von seinem Amt entbinden musste. 

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»Ehe nie bereut«

Den Bruch mit der Kirche für die Ehe mit seiner Frau Ingeborg hat Schmider nie bereut. Und zum damaligen Dekan Schaufele ergänzt er: »Wir haben uns furchtbar gefetzt.« Es habe aber auch ein schönes Miteinander gegeben. Und dann sagt er: »Er hat mich und meine Frau zu einem runden Geburtstag eingeladen.« 

Schmider erinnert sich, dass er Ende der 1980er Jahre einmal Kirchenasyl gewährt hat. Dann folgte die Liebe zu seiner Frau und das Ende seiner Arbeit als Pfarrer. Zwei Jahre später saß Schmider, der sich zusammen mit seiner Frau als gesetzlicher Betreuer und freier Seelsorger selbstständig gemacht hatte, im Lahrer Gemeinderat – auf der Seite der SPD. Das Mandat hatte er fünf Jahre inne. Die Frage, was er da bewirkt hatte, ähnelt der, die er als eine seiner Aufgaben als Theologe beschrieben hat.
Im Rückblick sagt er, dass er Entscheidungen jetzt behutsamer angehen würde. »Heute hätte ich eine bessere Strategie und wäre etwas einfühlsamer.« Er hält einen Moment inne und ergänzt »oder barmherziger«. 

Zweifel an dem Weg aus der Kirche hatte er nie. Das Wort Zweifel bedeutet ihm dagegen viel. »Nichts steht von vorne­herein fest«, beschreibt er diese Tugend. Dazu kommen eine andere Eigenschaft, die des Träumers und – wohl die Notwendigkeit, dass er um Dinge ringen würde. 

Im Rückblick erinnerte Schmider sich an die Aufbruchsstimmung, die ihn und viele andere junge Theologen nach dem zweiten Vatikanischen Konzil (von 1962 bis 1965) angetrieben hatte.
Hier sind Zweifel, Träume und das Ringen des Menschen Herbert Schmider unmittelbar spürbar. Was für ihn aber außerhalb jeden Zweifels steht, das sind die Worte Jesus.

Zur Person

Herbert Schmider

Herbert Schmider wurde 1944 in Wolfach geboren und ist dort auch aufgewachsen. In Freiburg und München hat er katholische Theologie studiert. Die Priesterweihe erhielt er 1969. 

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