Von der Steinzeit ins 20. Jahrhundert

Historischer Rundgang durch Friesenheim

Autor: 
Bettina Schaller
Lesezeit 4 Minuten
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13. Oktober 2020

Klem lernten auch Friesenheimer noch Neues über den Ort Rund 20 Interessierte lauschten den Ausführungen von Dorfhistoriker Ekkehard Klem. ©Bettina Schaller

Bei einem Rundgang durch den nördlichen Teil der Ortsmitte versetzte der Dorfhistoriker Ekkehard Klem auch eingefleischte Friesenheimer ins Staunen; Zugezogene folgten ihm bei dem Spaziergang durch die Ortsgeschichte „um mehr über ihr neues Zuhause zu erfahren“.

Rund 20 Interessierte lauschten Klems  Ausführungen zum Dorf, die in großem Bogen vom Rathaus über den Kirchenwinkel zur katholischen Kirche führten. Der Spaziergang war von der Volkshochschule Friesenheim angeboten worden.
Keine Anekdötchen, keine Aufklärung über Ammenmärchen und Gerüchte standen auf dem Programm. Ekkehard Klem griff vielmehr tief in die Kiste historischer Kenntnisse.

Die neue Dorfmitte hat, was der alten Ortsmitte von Wichtigkeit war: eine Kirche, einen Brunnen zur Wasserversorgung, einen Friedhof, ein altes Gasthaus – das heutige Rathaus war früher eine Gaststätte – und damit zeichnet  Klem die Siedlungsgeschichte von Friesenheim nach. 

Wie alt ist der Ort? Wer waren seine Gründer? Ein Steinzeitfund, Hinweise auf Nekropolen, findet sich auf dem Schlössleberg: Die Kelten haben Gräber aus dem 5. Jahrhundert vor Christus hinterlassen.  Doch weder die noch die Alamannengräber, die wohl dem 6. bis 7. Jahrhundert zugeordnet werden können, geben Antwort darauf, wo die ersten „Friesis“ gewohnt haben können. 

Drei Möglichkeiten, woher  der Name Friesenheim kommt

Und der Name? Drei Möglichkeiten stellte Klem zur Diskussion. Friesen aus Friesland,  Heim des Friso oder  die Tatsache, dass Friesenheim einen Spaten im Wappen hat, was darauf hindeuten könnte, dass Franken im 6. Jahrhundert über den Rhein gekommen seien, um Siedlungen zu gründen. Zudem seien Ortschaftsnamen, die auf -heim enden fränkisch.

Alleine vier Friesenheime gebe es in der näheren Umgebung: Friesenheim bei Ludwigshafen, im Elsass, in Rheinhessen und Baden. Dass das nahe gelegene Kloster Schuttern zur Besiedlung und Christianisierung Friesenheims beigetragen hat, gehörte auch zur  Einführung. Dann wurde es anschaulich mit diversen steinernen Zeitzeugen. Ein Epitaph  der Familie von Güffen, Giffon oder Giffen an der Außenmauer der evangelischen Kirche, zeigt, dass sich nur Wohlhabende eine Ruhestätte hinter Kirchenmauern leisten konnten. 

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War das Gut Sternenberg eine Ritterburg? Immerhin trägt die Gedenktafel  ein Ritterwappen. Der Ortschroniker von Oberweier, Pfarrer Fritz Schleicher, habe immer gesagt, es müsse eine Ritterburg sein, so Klem, während er selbst eher glaubt, dass es ein Hofgut gewesen ist.

Eines der wertvollsten Tore Friesenheims steht vor dem katholischen Pfarrhaus, ein altes Steintor zwar mit falscher Zahl in der Torbogeninschrift: statt aus 1722 stammt es aus  1522.  Dasselbe Pfarrhaus habe es in Oberschopfheim gegeben, so  Klem. „Es soll dort gespuckt haben, weswegen keiner darin wohnen wollte“, erzählte Klem. 

Im Kirchenwinkel entdeckten die Besucher  ein historisches Schmuckstück, das Friesenheimer Geschichte zeigt. Ein Restaurator aus Konstanz hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Haus der Familie Röderer aus dem 17. Jahrhundert in den Originalzustand zu bringen. 1678 hat  Manfred Fürstenberg als Baujahr aufgemalt. Ein weiteres schmuckes Häuschen steht nur ein paar Schritte weiter. Ein kleines „Hexenhäusle“ – gut restauriert und hübsch anzusehen. 

Stolperstein für Ludwig Greilsheimer

Davor ein Mühlstein, der aus den Wäldern rund um Friesi für eine der  drei Mühlen in Friesenheim oder der sieben von Oberweier.  Im Kirchenwinkel liegt als Zeitzeuge ein Bruchstein, denn seine Rückseite ist noch unbearbeitet.  Klem weist auch auf einen kleinen goldenen Stein auf dem Gehweg hin, einem Stoplerstein, und das zugehörige Haus. In wenigen Tagen,  am 22. Oktober, jährt sich der schlimmste Tag im Leben von Ludwig Greilsheimer. Der Friesenheimer Viehhändler wurde vor 80 Jahren an dieser Stelle aus seinem Wohnhaus abgeholt, zuerst nach Gurs und von dort nach Auschwitz gebracht und ermordet. Die beiden Töchter und die Frau überlebten.

Warum nur ein Stoplerstein wollten die Spaziergänger wissen? Ob es die nur für KZ-Getötete gebe?  Klem: „Wir sind damit beschäftigt.“ Von dort ging es zum Friedhof und zum Kriegerdenkmal des Ersten und Zweiten Weltkriegs, auf welchem auch die jüdischen Friesenheimer Gefallenen verewigt sind.  Klem: „Die Denkmalsübergabe für alle Gefallenen auf dem Gemeindefriedhof erfolgte am Sonntag, dem  13. November 1966 (Volkstrauertag) durch Bürgermeister Ernst Ehret.“ Seinen Abschluss fand der historische Rundgang  an der  katholischen Kirche.
 

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