Meißenheim

Japanknöterich ein Problem im Meißenheimer Wald

Autor: 
Wolfgang Schätzle
Lesezeit 4 Minuten
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16. Mai 2018
Förster Gunter Hepfer war mit Meißenheims Gemeinderäten im Rheinauenwald unterwegs. Es ging dabei um die Themen Japanknöterich und »wilder Wald«.

Förster Gunter Hepfer war mit Meißenheims Gemeinderäten im Rheinauenwald unterwegs. Es ging dabei um die Themen Japanknöterich und »wilder Wald«. ©Wolfgang Schätzle

Am Dienstag gingen Meißenheims Gemeinderäte auf Exkursion durch den Rheinauenwald. Im Mittelpunkt: der Japanknöterich und mögliche Waldrefugien.

Das Thema Wald steht mindestens einmal im Jahr groß auf der Tagesordnung des Meißenheimer Gemeinderats. Gemeint ist damit aber nicht der obligatorische Wirtschaftsbericht von Revierleiter Gunter Hepfer, sondern die Zusammenkunft unter freiem Himmel. Im vergangenen Jahr trafen sich die Räte an einer Waldhütte nahe des Matschelsees und inspizierten den Kürzeller Forst. In diesem Jahr galt das Augenmerk dem Rheinauenwald.

»Wir befassen uns mit ganz anderen Themen wie 2017, denn der Rheinauenwald ist eine ganz andere Welt«, so Hepfer bei der Einführung an der Schollenhütte. Kaum ausgesprochen ging es auch schon auf den »Schnakenpfad« über teils enge Wege und schmale Brücken bis zur »Julius-Insel«, an der Regina Ostermann, Geschäftsführerin Landschaftserhaltungsverband Ortenau, sich des Themas Japanischer Staudenknöterich (Fallopia japonica), kurz meist Japanknöterich genannt, annahm. Ein Thema, dass vor allem das Kinzigtal betrifft, aber auch in Meißenheim gibt es mittlerweile einige Bereiche, in denen der Japanknöterich auf dem Vormarsch ist. 

Kampf wird aufgenommen

Anfangs noch unbemerkt, sei inzwischen kaum zu übersehen, wie rasant sich dieser invasive Neophyt immer weiter verbreitet und dabei die einheimische Flora verdrängt, so Ostermann. Ein Beispiel dafür ist besagte » Julius-Insel«, wo eine einzige Pflanze schon ein ganzes Buschwerk entstehen ließ. Einst wurde der Japanknöterich im 19. Jahrhundert als Zierpflanze eingeführt, heute ist er eine Problempflanze. Im Fall »Julius-Insel« will man nun den Staudenkönterich bekämpfen und ihn an einer weiteren Ausbreitung hindern. Eine entsprechende Aktion will Hepfer sobald wie möglich initiieren. Ostermann schlug unter anderem vor, nach dem Abmähen den Boden mit schwarzer Folie abzudecken, um so den Japanknöterich, der unter dem Boden von einem riesigen Wurzelwerk lebt, am Wachstum zu hindern. Nur mähen mache keinen Sinn und die chemische Bekämpfung sei auch nicht überall ratsam. Die Aktion mit der Folie nehme allerdings einen Zeitraum von vier bis fünf Jahren in Anspruch, um die gewünschte Wirkung zu erzielen, räumte Ostermann ein. Wo die »chemische Keule« vorstellbar wäre, sei der Lärmschutzwall bei Kürzell, ergänzte Ortsvorsteher Hugo Wingert.

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Zum Japanknöterich gibt es inzwischen auch eine Arbeitsgruppe im Ortenaukreis, die in Zusammenarbeit mit dem Landschaftserhaltungsverbands ein Modul »Mit Messer und Gabel« anbietet, denn die viel gescholtene Problempflanze kann man auch essen. Unter anderem kann sie wie Spargel verarbeitet werden, erzählte Ostermann.

Gut fürs Ökokonto

Nur wenige Meter von der Insel entfernt ließ Revierleiter Hepfer danach die Räte spüren, wie der Rheinauenwald so tickt und stellte ein Alt- und Totholz-Konzept vor. Der Förster zeigte eindrucksvoll den Kontrast zwischen dem Kürzeller Kulturwald im vergangenen Jahr zu dem Rheinauenwald, in dem wahrlich nicht alles nach Kulturwald aussieht. Hepfer suchte sich ein Stück aus, das man gut als »wilden Wald« bezeichnen kann. So konnte er aufzeigen, wie sich der Wald alleine entwickelt, ohne dass dauernd durchforstet wird, anhand von Ulme, Esche und dem Bergahorn. 

»Wie nutzen wir unseren Rheinwald?« Natürlich werden die Bäume genutzt, aber welche Rolle spielt die Ökologie? – hinterfragte Hepfer. Er stellt sich beispielsweise die Einrichtung von Waldrefugien vor, die er anhand von Karten schon einmal den Räten vertraut machte. Diese hätten dann auch ihren Nutzen fürs Ökokonto. Jedenfalls sei dies eine gute Option, denn den Rheinauenwald zum Kulturwald umzuwandeln würde viel Geld und viel Zeit erfordern. Egal wie, die Überlegungen müssen bis 2019 stehen, denn ein Jahr später gilt es wieder einer Zehn-Jahres-Plan aufzustellen, wozu abschließend Bernhard Ihle, Leiter des Forstbezirks Lahr, und Bürgermeister Alexander Schröder kurz informierten.

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