Komik, Klamauk und ein wenig Weltverbesserung

Kabarettistin Heike Sauer überzeugt als Marlies Blume

Autor: 
Endrik Baublies
Lesezeit 3 Minuten
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14. Januar 2019

©Endrik Baublies

Die Welt der Marlies Blume ist rosa und rot – mit violetten Einsprengseln. Heike Sauer hat mit der schwäbischen Figur und dem Programm »Ohne dich fehlt dir was« einen fulminanten Aufritt hingelegt.

Der Einlauf war vielversprechend. Marlies Blume stöckelte auf Plateauschuhen zu der Fanfare »Also sprach Zarathustra« die Treppe herunter auf die Bühne. Wer aber denkt, dass diese etwas aufgeblähte Ouvertüre Programm sei? Weit gefehlt! Nietzsche hat sinngemäß das Bonmot von »parfümiertem Qualm, in dem es blitzt«, geprägt. Die Kabarettistin Sauer hat sich mit dem Typ der Biedermeierfrau Marlies Blume auch redlich bemüht, diesen Anschein zu geben. Da steht aber die außerordentlich präzise Sprache – wenn auch alles auf Schwäbisch – klar entgegen. 

Die Behauptung, »ich denke nach, bevor ich schwätze«, wird also gestimmt haben. Sie selbst habe bereits, so ihre Vorstellung, »die Metamorphose von der Traube zur Rosine« vollbracht. Früher war ich bildschön, heute ist das Bild schön.« Sie jonglierte virtuos mit Worthülsen, mit Doppeldeutigkeiten, Banalitäten und anderen Weisheiten. So gelte es »im Leben, alles unter einen Hut zu bringen, was auf keine Kuhhaut passt«. Wohl wahr. 

Dem folgte die Erkenntnis, dass Schwaben erst mit 40 Jahren gescheit werden. Also hatte sie noch eine Erkenntnis parat. »Die meiste Zeit im Leben verbringst Du mit Dir selbst.« So waren Marlies Blume und die Besucher im SSK endlich beim Thema – »Ohne dich fehlt Dir was« – angekommen. 

Der Mensch ähnele in gewisser Hinsicht einem Dressurpferd, das – von Scheuklappen gelenkt – nicht über die eigenen Vorderhufe hinaussehen könne. Die Gesten der Frau, inzwischen der Plateauschuhe ledig, sprachen Bände, von der Mimik ganz zu schweigen. 

Es gebe Zusammenhänge zwischen Kompetenz und Inkontinenz, behauptete sie. Wer es laufen lasse, entwickele Potenziale, die fließen wollen. Dem folgte fast ohne Atemholen die nächste Erkenntnis: »Der Mensch ist ein Hefeteig – er wird von selber groß.« Mit der Sprache, bei der sich trotz des vordergründigen Klamauks das genaue Zuhören lohnte, überzeugte sie die Besucher, darunter einige Wiederholungstäter. 

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Publikum singt im Chor

Eine Besonderheit waren die Sangeskünste. Einmal durften oder mussten alle rund 100 Gäste im Kanon Marlies Blume unterstützen. Klassisch hatten die Gäste die Aufgabe des Chors im antiken Theater. Sie unterstützten die Solistin mit einer nicht wirklich ernstgemeinten Geräuschkulisse. 

Die nächste Erkenntnis: Marlies Blume wird als UN-Friedensbotschafterin beim »European Song Contest« auftreten. Eine Probe war die Kombination von Nicoles »Ein bisschen Frieden« und der Rockhymne »We will Rock you« von »Queen«. Die Verwandlung von Frau Biedermeier zur schrillen Röhre war perfekt.  

Das war auch der Grund dafür, dass das Pathos nicht pathologisch gewirkt hat. Sie schaffte es sogar, nach einem  Gag mit brüllendem Gelächter, die eigene Stimme so sehr abzusenken, dass die sprichwörtlich fallende Stecknadel ohrenbetäubend gewesen wäre. Das kann nur, wer auch etwas zu sagen hat. Dazu aber benötige es neben Google und Facebook auch vieler Schutzengel, die den Typ »homo Schisshase« begleiten würden und müssten. 

Ein einziger Hingucker waren an dem Abend die Farben ihres Outfit. Anders ausgedrückt: Der Kritiker hat sich da die Schwarz-Weiß-Fotos im Druck von anno dazumal zurückgewünscht. Das aber sollte wohl so sein.
 

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