Lahr/Schwarzwald

Kölner Tom Schildhauer gewinnt beim »Poetry-Slam« in Lahr

Autor: 
Stephan Tissot
Lesezeit 3 Minuten
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29. Mai 2017

Das war ein ohrenbetäubend guter Wettstreit unter »Nachwuchsdichtern«: Der»Poetry-Slam« im Schlachthof Jugend und Kultur am Freitag mit den Finalisten (von links): Luis Schulz, Sieger Tom Schildhauer und Jakob Kielgaß. ©Stephan Tissot

Neun Wettkämpfer – davon vier aus Lahr – zogen ungewöhnlich viele Besucher an. Diese Wortakrobaten und ein lauschiger Sommerabend sorgten am Freitag für die passende Atmosphäre beim »Poetry Slam« im Schlachthof Jugend und Kultur mit vielen Wortgefechten.

Die Dichterschlacht (so etwa lässt sich »Poetry-Slam« übersetzen) gehörte in die Reihe »Orte für Worte«, die die Lahrer Mediathek und der Förderverein der Bücherei derzeit veranstalten. Die etwas martialischen Begriffe hier sind also angemessen. 
Der Raum mit der Bühne neben der Essbar im Schlachthof Jugend und Kultur war am Freitag vollbesetzt. Da die Temperaturen das erste Mal die 30-Grad-Marke geknackt hatten, waren die Wortgefechte – nicht nur aufgrund der vielen Zuhörer – sehr schweißtreibend. Weil es neun Kombattanten waren, die gegeneinander antraten, bestimmte eine Jury, wer das Finale der letzten drei erreichte. Dann erfolgte die Abstimmung wie üblich mit Stimmbändern, Händen und Füßen.  Je lauter, desto besser. 
Der Kölner Tom Schildhauer hatte mit einem Abgesang an moderne Technik in seiner Dreiergruppe klar gepunktet. Er beschwor sehr eloquent – samt diabolischen Grinsen – die Gefahr der Technik herauf, »die uns die Arbeit wegnimmt«.

Es waren klare Sätze, die mit doppeltem Wortsinn die Aussagen entweder nur entstellten oder ins krasse Gegenteil verkehrten. Sein erfolgreches Gedicht, der »Bettelrapper« folgte diesem Muster. Wenn man betteln müsse, wie wäre es, die eigene Küche anzugraben? Ein Beispiel: »Der Kühlschrank hat keine Eier,  wenn ich sie ihm nicht kaufe.« Was auch überzeugte: Der Sieger hatte ein Tempo, dem man ohne größere Mühe folgen konnte – was bei diesem Schlachten beileibe nicht die Regel ist. 

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»Besser BWL studieren«
Das Quäntchen mehr an Applaus erhielt der Kölner Slamer auch, weil der Gegner Jakob Kielgaß über den eher abstrakten Begriff Vergangenheit, die besser gewesen sei, fabulierte. Der dritte Finalist, Luis Schulz, hatte für seinen Text sicher auf eine echte Erinnerung zurückgegriffen. Dabei waren die Gegensätze Inhalt und Sprache hier richtig gut: Die Satire »Klassenfahrt« – eine Horde wild gewordener Teenager und ein engstirniger Busfahrer fahren gemeinsam in einem Bus ohne Ausweg nach Berlin – könnte man getrost mit der Höllenfahrt vergleichen. Schulz leierte den Text mit unbeweglicher Miene stupide und monoton herunter. Das kam wunderbar an. Die Zuschauer würdigten den »Bettelrapper« dennoch mit mehr Applaus. 

Die Lahrer Emilia Nenaschew, Berna Özer, Julian Müller und Ruben Sträter schieden in der Vorrunde aus. Eine siebenköpfige Jury vergab Punkte zwischen eins (»besser wäre, BWL zu studieren«) bis zehn (»der geilste Text in meinem Leben«). 
Ausreißer gab es nicht. Keiner der Kandidaten wurde von der Bühne gepfiffen.

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