Lahr

Lahr will Ärzte nicht mit Geld locken

Autor: 
Christian Kramberg
Lesezeit 3 Minuten
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28. November 2020

Lahr will keine Zuschüsse für ansiedlungswillige Ärzte zahlen. In Friesenheim wird ein Landeszuschuss gewährt. ©dpa

Verwaltung und Sozialausschuss setzen auf ideelle Unterstützung bei der Ansiedlung von Ärzten. In Kuhbach hört Arzt-Ehepaar Wagner auf. In Friesenheim gibt es einen Landeszuschuss für Neuankömmlinge.

Die Gemeinde Friesenheim zahlt Hausärzten, die sich dort ansiedeln wollen, einen Zuschuss in Höhe von 5000 Euro. Das könnte nun dazu führen, dass ein Lahrer Arzt, der eine freiwerdende Praxis in Kuhbach übernehmen wollte, in die Nachbargemeinde wechselt. Dennoch will die Lahrer Stadtverwaltung weiterhin darauf verzichten, Ärzte zu bezuschussen.

Das Ärzte-Ehepaar Ingeborg und Reinhart Wagner wird seine Praxis zu einem späteren Zeitpunkt aufgeben, der von der Praxis selbst bestimmt wird. Die Praxis in Kuhbach existiert seit 1991. Ein Arzt aus Lahr zeigt Interesse an einer Übernahme, überlegt nun aber, das Friesenheimer Angebot anzunehmen, erzählte Kuhbachs Ortsvorsteher Norbert Bühler (SPD) in der Sitzung des Sozialausschusses.

Friesenheim gehört zu den ausgewiesenen Fördergebieten eines Landesprogramms, das die Ansiedelung von Hausärzten im ländlichen Raum unterstützt. Zusätzlich zu dem Landeszuschuss von maximal 15000 Euro gewährt die Gemeinde maximal 5000 Euro aus eigenen Mitteln. Im Mai hat der Gemeinderat dieses Förderprogramm beschlossen.

Gehäufte Anfragen

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Die Lahrer Stadtverwaltung lehnt solche Prämien aber ab, wie der Erste Bürgermeister Guido Schöneboom und die Sozialamtsleiterin Senja Töpfer im Sozialausschuss erklärten. Immer mal wieder erhalte die Stadt zwar Anfragen von Ärzten, ob es eine Unterstützung gebe, diesen Weg wolle die Stadt – auch in Abstimmung mit dem Ältestenrat des Gemeinderats – aber nicht gehen. Vielmehr wolle die Stadt ansiedlungswillige Ärzte ideell unterstützen, wie zum Beispiel mit einem Positionspapier, das gerade von Kommunen in Arbeit sei.

Das Land fördere zwar die Ansiedlung von Landärzten, so Senja Töpfer, Lahr falle aber nicht darunter: „Lahr ist zu urban und weder akut noch perspektivisch förderungswürdig.“ Das heißt: In Lahr ist die Ärzteversorgung „ordentlich“, wie Schöneboom betonte. Er beobachte die Entwicklung aber mit Sorge. „Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass die Kassenärztliche Vereinigung die Lahrer Versorgungssituation anders beurteilt als wir sie augenscheinlich wahrnehmen.“

Die Vereinigung ermittelt nach einem Schlüssel, ob Kommunen bei den Ärzten unter oder überversorgt sind. Danach richtet sich die Zahl der Arztsitze. Aus ihrer subjektiven Sicht fehle es an Kinderund HNO-Ärzten sowie Gynäkologen, sagte Töpfer. Die Ärztin Thi-Dai-Trang Nguyen (Grüne) sah Lahr „noch gut aufgestellt“, 2021 gebe aber ein weiterer Arzt ohne Nachfolge seine Praxis auf.

Prämie sittenwidrig

Dass sich die Situation aufgrund der Altersstruktur unter den Lahrer Ärzten und einer neuen Generation von Ärzten verschärfen wird, erwartet Eberhard Roth (Freie Wähler). Er befürwortete deshalb Modelle wie Teilzeitarbeit oder medizinische Versorgungszentren. Einigkeit herrschte im Ausschuss, dass Ärzte nicht mit Geld geködert werden sollen. „Das halte ich fast für sittenwidrig“, sagte Rudolf Dörfler (CDU). Senja Töpfer bekräftigte, dass die Stadt nicht in eine Konkurrenzsituation mit Umlandgemeinden treten wolle nach dem Motto: „Wer am Ende am meisten bezahlt, bekommt den Arzt.“

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