Lahr

Lahrs Bürgermeister Guido Schöneboom erzählt vom Mauerfall

Autor: 
Jürgen Haberer
Lesezeit 3 Minuten
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07. November 2019
Guido Schöneboom, der von Leipzig nach Lahr kam, erzählte, wie er den Mauerfall erlebt hat.

Guido Schöneboom, der von Leipzig nach Lahr kam, erzählte, wie er den Mauerfall erlebt hat. ©Jürgen Haberer

In einem von der Volkshochschule organisierten Zeitzeugengespräch hat Bürgermeister Guido Schöneboom im Forum-Kino Lahr seine Sichtweise des mittlerweile 30 Jahre zurückliegenden Mauerfalls aufgezeigt. Im Anschluss wurde der Film „Gundermann“ gezeigt. 

An den Leipziger „Montagsdemos“ im Oktober 1989 haben Guido Schöneboom und seine Frau in Wechselschicht teilgenommen. Jeweils einer der beiden hat zu Hause die Kinder gehütet. Am Tag des Mauerfalls sind sie dann nach Berlin gefahren und in das bunte, pulsierende Leben auf dem Kurfürstendamm eingetaucht. Am Ende des Tages sind sie in einem Kino und in dem Film „Der Exorzist“ gelandet. „Wir haben gar nicht geschaut, was auf dem Programm steht“, erinnert sich der heutige Erste Bürgermeister von Lahr an den geschichtsträchtigen Tag. Schöneboom ist weit davon entfernt, die Zeit des geteilten Deutschlands zu verklären, die ehemalige DDR in nostalgisch geschönten Bildern wiederaufleben zu lassen. Seine Erinnerungen lassen aber sehr wohl die Ambivalenz erkennen, mit der die Zeit vor der Wiedervereinigung von vielen reflektiert wird. 

„Die innerdeutsche Grenze war eine Systemgrenze“, unterstreicht Schöneboom. Als junger Lehrer an einer Oberschule in Leipzig habe er seinen Schülern wenige Monate vor dem Mauerfall noch erläutert, warum die Menschen in der BRD vor allem auch Geiseln des Kapitalismus seien. Eine „Republikflucht“ stand bei Schöneboom nie auf der Tagesordnung, auch wenn in der Messestadt Leipzig vieles offener und durchaus auch kritischer gesehen wurde als in anderen Teilen Ostdeutschlands. 

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Die Generation von Guido Schöneboom, Jahrgang 1965, ist mit dem System groß geworden, hat sich trotz Westfernsehen und anderen Einflüssen notgedrungen arrangiert. Eine Wiedervereinigung, den rasanten Systemwechsel, hatte im Herbst 1989 kaum einer auf der Agenda. Die von Michail Gorbatschows eingeleitete „Perestroika“ wurde vor allem mit der Hoffnung auf Reformen verknüpft. Der Widerstand der SED hat gleichzeitig die Furcht genährt, das Regime könnte wie in China die Panzer auffahren lassen.  In Schönebooms Erinnerungen blühen die kleinen Freiheiten im Privaten auf und die Auseinandersetzung mit der Mangelwirtschaft. Es wird auch deutlich, dass nicht alles in den Kategorien „Schwarz“ und „Weiß“ betrachtet werden kann. Kinderbetreuung und Bildung, das Gesundheitswesen waren in der DDR vorbildlich, viele Strukturen am Alltag der Menschen ausgerichtet. Schöneboom wäre nie auf die Idee gekommen, am 9. November in Westberlin um Bananen und Cola zu betteln, der rasante Umschwung in der Wirtschaft hat aus seiner Sicht viel zu viele „Verlierer“ produziert, viel zu oft das raubtierhafte Gesicht, die dunkle Fratze des Kapitalismus nach außen gekehrt. In seinem Vortrag tauchen aber auch Bilder von sportlichen Erfolgen der DDR auf, Erinnerungen an die gesamtdeutsche Solidarität nach der Hochwasserkatastrophe in Dresden, das „Sommermärchen 2006“.

Weiterer Termin

Im Anschluss wurde der Film „Gundermann“ über den „singenden Baggerfahrer“ und Liedermacher Gerhard Gundermann gezeigt. Schöneboom hat den 1998 verstorbenen Musiker ein einziges Mal getroffen und gibt sich als Fan zu erkennen. „Von ihm ist das einzige Künstlerautogramm, das ich habe.“ Schöneboom hat auch das Konzert mit Gundermanns ehemalige Band „Die Seilschaft“ am Samstag, 9. November, im „Schlachthof“ organisiert. Davor, ab 19 Uhr, laden die Bandmitglieder zu einem weiteren Zeitzeugengespräch. 

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