Lahr

Landesjugendorchester brilliert in Lahr

Autor: 
Endrik Baublies
Lesezeit 3 Minuten
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08. November 2019
Eine Meisterleistung lieferte das Landesjugendorchester in Lahr ab.

Eine Meisterleistung lieferte das Landesjugendorchester in Lahr ab. ©Endrik Baublies

Peter Tschaikowskis Fantasie „Romeo und Julia“, eine Rhapsodie von Sergej Rachmaninow – als Hommage an den Teufelsgeiger Paganini – und Edward Elgars „Emigma-Variationen“:  Das Landesjugendorchester hat einem fulminanten Auftritt im Lahrer Parktheater zelebriert.

Brillant waren die drei konzertanten Werke sowie zwei Zugaben, die für ein Sinfonieorchester mehr als ungewöhnlich sind. Die gut 600 Zuschauer, darunter viele Lahrer Musikschüler, feierten am Donnerstag das Sinfonieorchester unter Leitung von Nabil Shehata frenetisch. Die Abstimmung, das Konzert sei mehr als nur gelungen, erfolgte mit den Füßen. Neben Beifall gehörte bei den jüngeren Zuschauern das Stampfen auf dem Boden, aber immer erst nach den letzten Akkorden, dazu.

Die Ouvertüre der Fantasie „Romeo und Julia“, eine musikalische Erzählung einiger zentraler Motive aus der Tragödie von William Shakespeare, war ein souveräner Auftakt. Das Werk, gespielt in der Fassung von 1880, ist keine musikalische Nacherzählung des Dramas des englischen Renaissance-Autors, sondern eine Fassung, die drei Elemente betont. Die Einleitung gehört Pater Lorenzo, der die Trennung der Liebenden verhindern will. Das Orchester intonierte eine filigrane Girlande aus Tönen mit den Stimmen der Instrumente. Leicht, verspielt und noch voller Hoffnung erleben Julia Capulet und Romeo Montague ihre Vermählung. Die Fehde der verfeindeten Familien übertönt schnell die Einleitung. Mit drohenden und gewaltigen Klanggebilden, überwiegend der Streicher, und einem massiven Einsatz der Pauken und Becken nimmt das Schicksal seinen Lauf. Der Schrei der Lady Capulet, dass Romeo sterben muss, war in dem Crescendo sehr beeindruckend. Das Orchester hier souverän.

Brillant bewältigt

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Eine klare Steigerung war die „Rhapsodie über ein Thema von Paganini“ Opus 34 aus dem Jahr 1934 von Sergej Rachmaninow. Solist am Flügel war Frank Dupree, der sich in verschiedenen Variationen mit dem Orchester einen glänzenden Schlagabtausch lieferte. Nícolo Paganini (1782 bis 1840) war als „Teufelsgeiger“ zu Lebzeiten eine Legende. Vor Rachmaninow hatten Franz Liszt und Robert Schumann seine „Caprice in a-Moll“ aus dem Jahr 1817 bearbeitet. Da Liszt und Schumann Virtuosen am Klavier waren, haben sie ihre Variationen ausschließlich für den Konzertflügel geschrieben. Rachmaninow gab dem eigenen Werk ein Orchester dazu. Bei der Uraufführung (1934 in Baltimore) saß der Meister selbst am Flügel. Dupree trat in Lahr also in große Fußstapfen, die er samt dem Orchester brillant bewältigte. Flügel und erste Geigen traten als Rufer auf, die die Gegenseite zu Höchstleistungen provozierten. Das – teilweise grandios übersteigerte – Zusammenspiel und die Gegensätze waren eine Meisterleistung für dieses Orchester. Da musste es vor der Pause die erste Zugabe geben. Ein Quintett (Triangel, Trommeln, Trompete, Kontrabass und Durpee am Flügel) intonierte »Caroline« von Duke Ellington. 

Gegen den Strom

Mit den „Enigma-Variationen“ von 1898 errang nach dem Tod Henry Purcells (1695) erstmals wieder ein englischer Komponist Weltruhm. Edward Elgar hat mit seinen „Variationen über ein eigenes Thema“ Zeitgenossen musikalisch zu Wort kommen lassen. So erzählte das Orchester von einem Hund, der gegen die Strömung der Themse kämpft, einem Streit samt Türknallen, dem Lachen einer alten Dame und sicher auch einiges über den Komponisten. Auch da gab es eine Zugabe. „Pomp and Nabil Shehata Circumstances“ ebenfalls von Elgar war ein guter Abschluss.
Eine absolute Meisterleistung war der gesamte Abend aber aus einen ganz besonderen Grund. Das Ensemble besteht aus Schülern verschiedener Musikschulen im Land. Für diese Konzerttournee hat das Landesjugendorchester in der Zeit vom 24. Oktober bis zur Premiere am 1. November in Adelsheim zusammen geprobt. Dafür „Bravissimo!“

Info

Gründungsidee

Das Landesjugendorchester ist mit dem Konzert im Lahrer Parktheater zu seinen Wurzeln zurückgekehrt. Marion Gentges, CDU-Landtagsabgeordnete aus dem Kinzigtal, ist Präsidentin des Verbunds der Musikschulen im Land. Sie erzählte vor dem Konzert, dass die Idee, ein Landesjugendorchester zu gründen, in Lahr entstanden sei, Ideengeber war unter anderem der damalige Leiter der Musikschule, Klaus Matakas.

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