Michael Paul präsentierte sein Buch in der Lahrer Mediathek

Autor: 
Stephan Tissot
Lesezeit 3 Minuten
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05. Mai 2017

Der Lahrer Autor Michael Paul hat am Mittwochabend in der Mediathek seinen Roman »Das Haus der Bücher« vorgestellt. Anlass für die Buchpremiere war die Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 im Dritten Reich gewesen.  

Michael Paul, Jahrgang 1963, thematisiert in seinem Roman »Das Haus der Bücher« die Bücherverbrennung, die von den Nationalsozialisten sogenannte »Aktion wider den deutschen Geist«. Paul recherchierte über den Verlag »Gräfe und Unzer« am heutigen Sitz in München und an der historischen Stätte im Königsberg. Das Ergebnis ist, was man in der Literatur als »Faction« bezeichnet: Die Fakten seiner historisch genaue Spurensuche verknüpft der Verfasser mit der eigenen Fantasie, der Fiktion. 
Paul erzählt die Geschichte des Verlags »Gräfe und Unzer«, gegründet 1722, samt dem »Haus der Bücher«, der bis 1944 größten Buchhandlung Europas im ostpreußischen Königsberg. Das vierstöckige Kaufhaus voller Bücher stand am Paradeplatz, gegenüber der »Albertina«, an der Immanuel Kant (1724 – 1804) Professor für Philosophie gewesen war. 
Wilhelm Kirchner, Inhaber der Buchhandlung, Nichte Emma und die zwei Mitarbeiter Konrad und Otto entstammen der Fantasie des Autors. Kirchner ist über die Vorbereitungen zur Bücherverbrennung entsetzt, ebenso die anderen. In Pauls Fantasie planen die Hauptfiguren eine mehr als symbolische Gegendemonstration. Sie karren Bücher auf einem Lkw zur Verbrennung, die definitiv nicht auf den Scheiterhaufen gehören würden. Paul brach aber an genau der Stelle ab, als eine beherzte, vor allem schnelle Tat die Wagemutigen »vor Entdeckung, Kerker und dem Strick« rettete. Was Kirchner und seine Mitarbeiter also den Flammen übergeben haben, blieb in der Lesung offen. 
Ein anderer Teil der Lesung war dann eine Führung durch das »Haus der Bücher« von Emma. Hier entwickelten sich plötzlich etliche Figuren, die aus einem »Duft von Literatur, Druckerschwärze, Holz und Papier« entstanden sind. Die echte Buchhandlung hatte bis 1944 rund 300 000 verschiedene Titel im Sortiment. Die wurden durch die Art der Schilderung und die gezeigten Bilder sehr lebendig: Paul ergänzte seine Buchvorstellung nämlich um Fotografien und Filme. 
Zeitzeugin anwesend
Eine Szene bei der Lesung war kein Zufall. Eine Besucherin konnte sich sehr gut an das reale Haus der Bücher erinnern. Sie war mit zehn Jahren – entweder 1943 oder 1944 – mehrmals dort gewesen. Hier ergänzte die 84-Jährige, was der Autor recherchiert hatte. 
Am 10. Mai 1933 wurden in vielen deutschen Universitätsstädten Bücher von Autoren verbrannt, die der neuen Ideologie im Weg standen. Dabei waren Professoren udn Studenten. In Berlin nahm Reichspropagandaminister Joseph Goebbels an der Aktion teil. In Königsberg fand die Bücherverbrennung auf den Paradeplatz zwischen Universität und dem »Haus der Bücher« statt, wo damals die Statue des Philosophen Immanuel Kant stand.

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