Lahr/Schwarzwald

Migranten im Lahrer Amtsgericht

Autor: 
Stephan Tissot
Lesezeit 3 Minuten
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10. August 2018
Der VHS-Kurs »Einstieg Deutsch« war auf Visite im Lahrer Amtsgericht, Familienrichterin Dorothee Granderath (links) erklärte ihnen, was sich hier so abspielt.

Der VHS-Kurs »Einstieg Deutsch« war auf Visite im Lahrer Amtsgericht, Familienrichterin Dorothee Granderath (links) erklärte ihnen, was sich hier so abspielt. ©Stephan Tissot

Welche Aufgaben haben Gerichte? Der VHS-Kurs »Einstieg Deutsch« hat am Freitagvormittag das Lahrer Amtsgericht in der Turmstraße besucht. Dorothee Granderath stellte den insgesamt 15 Besuchern das Gericht vor und informierte über die Bundesrepublik Deutschland. 

Die Teilnehmer haben mehrere Wochen intensiv Deutsch gelernt. Daher war die Sprache bei dem rund zweistündigen Besuch der Migranten im Amtsgericht tatsächlich der größte gemeinsame Nenner. Da Begriffe wie »Gewaltenteilung« oder »Zwang« oder »Rechte samt Regeln« nicht nur auf Deutsch viele Erklärungen nach sich ziehen, gab es neben unter den Besuchern einige Übersetzer. Das waren entweder Kursteilnehmer oder Dozenten. Es galt die Ausführungen der Richterin in Englisch, Arabisch, Türkisch, Urdu (für Pakistani) und Farsi (für Iraner) zu übersetzen. Das »Tohuwabohu« (ein hebräischer Begriff aus dem Alten Testament) ist aber ausgeblieben. Granderath sprach langsam, da alle sich bemühten, ihre Ausführungen zu verstehen und es gab Pausen, da vieles doch übersetzt werden musste. Das funktionierte gut – sogar bei einer längeren Diskussion.

Ein Ziel des Kurses war, dass die Lahrer mit ausländischen Wurzeln die Normalität hinter der beeindruckenden Fassade des Gerichts erleben konnten. Das gelang nach Theorie – unter anderem einer kurzen Erklärung von Begriffen wie Parlament, Verwaltung und Gericht – vor allem durch eine sehr lebendige Diskussion. Die meisten der Besucher zeigten Interesse an den Ausführungen Granderaths. Granderath, Familienrichterin an der sogenannten »Eingangsinstanz« (siehe Stichwort) hat Erfahrungen mit zwischenmenschlichen Konflikten. Sie konnte abstrakte Begriffe daher recht gut erklären, indem sie Beispiele präsentierte. Das Grundgesetz, die Verfassung Deutschlands, bestimmt Rechte aller Menschen. Es gebe da aber auch Pflichten, die ebenfalls in der Verfassung stehen. Eine Freiheit, hier eine relativ neue Errungenschaft, ist, dass Männer andere Männer heiraten können. Das gelte auch für Frauen. Diese Freiheit sei, das gehört hier unbedingt dazu, allerdings auch nur eine Möglichkeit. Es können genauso Männer Frauen und umgekehrt ehelichen. An alle männlichen und weiblichen Besucher gerichtet, klang das dann so: »Niemand kann Sie zwingen, mit einer anderen Frau verheiratet zu sein.« 

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Lebhaft diskutiert

Hier schloss sich eine lebhafte Diskussion an, die erkennen ließ, dass es ein sehr unterschiedliches Verständnis von bestimmten Begriffen gibt. Granderath zeigte das notwendige Fingerspitzengefühl eine Weile zu diskutieren und dann auch zu erklären, dass es immer Grenzen geben werde. Damit beendete die eine Diskussion, die sich festgefahren hatte. Wichtig war der Richterin klarzustellen, dass es in Deutschland ein generelles Gewaltverbot gebe. Das betreffe – zum Beispiel – Männer, Frauen und die Kinder in einer Familie. Hier stellte Granderath klar, das Gewalt bei der Erziehung ausgeschlossenen ist. »Wir alle müssen Kinder in unserer Gesellschaft schützen.« Das war ein Argument, das alle ohne Wenn und Aber verstanden haben.

Stichwort

Amtsgericht

Das Gebäude des heutigen Lahrer Amtsgerichts ist zwischen 1899 und 1901 errichtet worden. In Lahr werden in der ersten Instanz Strafverfahren, zivile Streitigkeiten, Familien- und Betreuungsangelegenheiten verhandelt, aber keine Verwaltungsverfahren. In Strafverfahren ist das Amtsgericht zuständig (die »Eingangsinstanz«), wenn Freiheitsstrafen von nicht mehr als vier Jahren zu erwarten sind. Bei Delikten, die eine höhere Strafe nach sich ziehen können, ist das Landgericht mit Sitz in Offenburg zuständig.

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