Meißenheim

»Missnerisch« soll weiterleben

Autor: 
Wolfgang Schätzle
Lesezeit 3 Minuten
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01. Juni 2015
Monika Glaser, Udo Wäldin, Irene Leonhard-Hahn (alle Heimat- und Kulturverein) und Wirtin Heidi Roth beim ersten Mundart-Stammtisch in Meißenheim (von links).

Monika Glaser, Udo Wäldin, Irene Leonhard-Hahn (alle Heimat- und Kulturverein) und Wirtin Heidi Roth beim ersten Mundart-Stammtisch in Meißenheim (von links). ©Wolfgang Schätzle

Von der »Deifelsnodel« bis zum »Schiddelbie« – der erste Mundart-Stammtisch des Heimat- und Kulturvereins Meißenheim fand großen Zuspruch am Freitagabend in der »Eintracht«.

Meißenheim. Mitte Mai  2014 startete der Heimatverein Meißenheim, der zeitweise sogar vor der Auflösung stand, unter neuem Namen und Vorsitz durch. Bürgermeister Alexander Schröder selbst übernahm damals den Posten an der Spitze des Heimat- und Kulturvereins, wie er sich jetzt nennt. Eine Idee von damals wurde jetzt umgesetzt: Am Freitag wurde erstmals zum Mundart-Stammtisch geladen.
»Dremblächt«
Schröder konnte allerdings bei der Premiere in der »Eintracht« nicht mit dabei sein. Schriftführer Udo Wäldin führte stattdessen durch den Abend – auf »Missnerisch«, versteht sich. Andere Dialekte oder gar Schriftdeutsch waren eigentlich nur zur Erklärung zugelassen. Akribisch festgehalten wurde alles von Kassenwartin Monika Glaser, die statt Zahlen fleißig Dialektwörter sammelte. Darum ging es nämlich in der Hauptsache. So soll mit der Zeit eine Sammlung entstehen, eine Art »Missner Duden«, meinten die einen, Udo Wäldin nannte es ein »Missner Wikipedia«, der teils umfangreichen Erklärungen wegen.
Und dann ging es los – von »dremblächt« (neben der Spur) und »derlächt« (übel sein) über »Deifelsnodel« (Libelle) und »Licht« (Beerdigung) bis zu »Schiddelbie« (aufgeschichtetes Holz), »Schdägg« (Holztreppe im Haus) und »Stapfel« (gemauerte Treppe vor dem Haus). Jeder leiste seinen Beitrag, mal mehr, mal weniger nützlich, oft driftete man auch ins Elsass ab. Vor allem Werner Stielau verwies immer wieder auf den französischen Einfluss, der auch im »Missner« Dialekt hier und da unverkennbar sei. Auch was Schwäbisches mischte sich mal darunter, aber das Hauptaugenmerk galt dem alemannischen und insbesondere dem »missnerischen« Wortschatz.
Vom Dasein einer Mücke
Dabei hatte es den Teilnehmern vor allem die Landwirtschaft angetan, immer wieder wurden Begriffe aus dem bäuerlichen Leben ausgetauscht. Beispielsweise »zackre« (pflügen), »Schiere« (Scheune), »Sile« (Führungsleine beim Pferdegeschirr) oder »Gradde« (ein Korb ähnliches Gefäß, um beispielsweise Kirschen zu brechen, der auf dem Rücken getragen wird). Letzteres sei nicht zu verwechseln mit »Graddel«, das bedeutet Stolz sein. Und auch zum Schmunzeln gab es jede Menge, unter anderem bei »Hafe« (Nachttopf), der einmal in einem Seniorenheim zu einer Verwechslung mit dem Rheinhafen geführt haben soll. Zeitweise wurden aus allen Ecken Wörter in den Raum geschmissen. Licht in den »Kuddelmuddel« (Wortsalat) brachte immer wieder Monika Glaser.
Aufgefrischt wurde das muntere Wörter-Erklären durch kleine Mundartbeiträge aus der Runde. Beispielsweise von Tamara Krämer, die nicht nur seit einigen Jahren Mundartbegriffe sammelt, sondern auch Texte auf »Missnerisch« verfasst. So erfuhren die Stammtischler vom Dasein einer Meißenheimer Mücke (»Ä Missner Mugg«). Helmut Schröder meinte gegen Ende der illusteren Runde, dass man nicht nur alte Wörter sammeln sollte, sondern auch alte Lieder. Jedenfalls soll es mit den Stammtischen weitergehen. Der nächste wurde auf den 26. Juni terminiert.

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