Lahr/Schwarzwald

Norbert Klein stellt die Anfänge der Lahrer Eisenbahn vor

Autor: 
Endrik Baublies
Lesezeit 4 Minuten
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18. Januar 2019

Norbert Klein erzählte im »Haus zum Pflug« Anekdoten und Ereignisse aus der Geschichte der Eisenbahn, die in Lahr und in der Region rund um Lahr unterwegs gewesen ist. ©Endrik Baublies

Das Bähnle ist in Lahr nicht vergessen. Der Vortragssaal am Donnerstagabend war demzufolge gut gefüllt. Norbert Klein, Vorsitzender des Historischen Vereins Geroldsecker Land, erzählte anschaulich und unterhaltsam Geschichten aus der Geschichte der Lahrer Eisenbahn.
 

Klein räumte gleich zu Beginn mit einer Legende auf: Den Namen »Entenköpfer« für die Schmalspurbah-nen habe es in Lahr nie gegeben. Hier habe der Zug »Bähnle« oder später, mit den Dieseltriebwagen, einfach »Tram« geheißen. So hieß die Bahn nämlich auch im Elsass. Der Name »Entenköpfer« wurde im Ried und in einigen ganz anderen Regionen verwendet.

Die Geschichte der Eisenbahn im Oberrheingraben beginnt im Jahr 1838, also nur drei Jahre nach der legendären ersten deutschen Bahn-strecke von Nürnberg nach Fürth im Jahr 1835. Die badische Regierung beschloss damals den Bau einer Eisenbahntrasse von Mannheim nach Basel. 

Laut Klein sollte die Strecke geradlinig in der Ebene verlaufen. Was heißen sollte, dass die aufstrebende Industriestadt Lahr nicht direkt an die Strecke angeschlossen worden ist. Der erste Zug fuhr im Jahr 1845 in den Bahnhof der Gemeinde Dinglingen ein, die damals eigenständig war. 

Erst ein drittes Gesuch der Stadt Lahr, eine Stichbahn zu bauen, wurde im Jahr 1863 von der Regierung genehmigt. Die Stadt könne eine Trasse nach Dinglingen verlegen – aber auf eigene Kosten. Klein vermutete, dass es zwischen der Stadtverwaltung und der badischen Regierung kein so gutes Ein-vernehmen gegeben haben müsse. Lahr war im 18. Jahrhundert immerhin der zweitwichtigste Industriestandort nach Mannheim.

Die Stadt gründete eine eigene Aktiengesellschaft, die den Bau der Trasse von der Stadt zum großen Bahnhof der Rheintalbahn bewerkstelligen sollte. Die erste Stichbahn fuhr im Jahr 1865. Der Haltepunkt war die damalige Luisenstraße, heute etwa der Kreisverkehr an der Lotzbeckstraße/Goethestraße. Die Lahrer Eisenbahngesellschaft (LEG) hatte zwei Lokomotiven namens »Schönberg« und »Schwan«. 

Ein Kuriosum stellte Klein da am Rande vor: Ein abgelehntes Gesuch der Stadt vor 1863 sah tatsächlich vor,  einen Teil des Schutterlindenbergs zu untertunneln. Im Jahr 1912 gab es dann den prächtigen Stadtbahnhof, heute der Friedrich-Ebert-Platz.

Bahn überstand Kriege

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Schnell folgten Pläne, dass es eine Bahn ins Ried und in das damals noch recht abgelegene Schuttertal geben sollte. Ab dem Jahr 1871 gehörten das Elsass und Lothringen zum neugegründeten Deutschen Reich. Die Elsässer hatten ihrerseits bereits viele Schienen verlegt. Eine direkte Bahntrasse über den Rhein zwischen Ottenheim und Erstein wurde allerdings nur geplant aber nie gebaut.

Dafür folgen Anschlussstrecken durch das Ried an den jeweiligen Gemeinden entlang und direkt durch den Ort Meißenheim. Dort lag, und das war eine Bedingung gewesen, eine Gastwirtschaft unmittelbar an der Haltestelle.

Die letzte Strecke, die gebaut, war die Trasse nach Seelbach. Man konnte also dann an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert vom Schuttertal nach Kehl fahren und dann zuletzt sogar direkt bis nach Straßburg. Und es gab in Altenheim die Umsteigemöglichkeit nach Offenburg.

Die Bahn überlebte das Ende des Ersten Weltkriegs, auch wenn da der Rhein wieder Grenze nach Frankreich wurde. Und trotz einiger Bom-bardements im Zweiten Weltkrieg gab es die Bahn zwischen Seelbach und dem Ried sowie nach Offenburg genauso wie die Stichbahn zwischen Lahr und  Dinglingen. 

Der Bahnhof gehörte aber inzwischen zum Lahrer Stadtgebiet. Dinglingen war 1934 von den Nationalsozialisten zwangsweise eingemeindet worden. Das Ende kam mit dem Aufkommen des Automobils, wobei die MEG (Vorläufer der SWEG) und andere Gesellschaften keinen geringen Anteil hatten. 

Busse statt Bahn

Die ersten Busse wurden in den 1930-Jahren eingesetzt und in den 1970er-Jahren wieder abgeschafft. Die Fahrzeuge waren mobiler und kostengünstiger in der Anschaffung. Anfang der 1950er-Jahre wurden die Linien nach und nach stillgelegt. Zuletzt wurde der Güterverkehr auf der Stichbahn mit dem Bau des Autobahnzubringers eingestellt.

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