Lahr

Ortenauer Pflegemesse: „Sinnfrage stellt sich nicht“

Bettina Schaller
Lesezeit 3 Minuten
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29. September 2022

Bei der Messe gab es viele Informationen rund um die Pflege. ©Bettina Schaller

Bei der zweiten Ortenauer Pflegemesse in Lahr gab es Informationen zum Angebot und zur Ausbildung. Organisator Sascha Schmieder hat das Interesse der Kommunalpolitik vermisst.

Bildung und Ausbildung in den Pflegeberufen war neben anderen Punkten ein wichtiges Thema der Messe. „Es ist eine schönes, buntes, vielfältiges Berufsfeld mit vielen Aufstiegs- und Fortbildungsmöglichkeiten“, betonte Qualitätsmanagerin Anna Hilgert von der Deutschen Angestellten Akademie (DAA), „die Sinnfrage wie in  vielen Berufen, stellt sich im Pflegeberuf nicht.“

Offen bleibt für viele Ausstellerinnen und Aussteller aber, was  die Politik tut, um dem Pflegenotstand entgegenzuwirken. Stichworte, die fallen, sind  bessere Bezahlung, flexible Arbeitszeiten und  – ganz wichtig – die Wertschätzung der Arbeit in der Öffentlichkeit. „Die Patienten und ihre Angehörigen sind dankbar für unsere Arbeit“, sagt Martina Tischel vom Pflegedienst Mara.  

Rainer Tischel ist nach eigenen Worten  in die Selbstständigkeit gegangen, weil er den Druck nicht mehr ausgehalten hat. „Wenn ich im ambulanten Dienst auf Tour gehe und nur meine Angestellten bezahlen muss, weil ich selbst mitarbeite, dann spare ich ein Drittel der Kosten ein und kann entsprechend mehr Patienten betreuen.“ Da müsse die Verwaltung  nicht mitfinanziert werden. Zudem könne er die Arbeitszeiten bei seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern flexibler gestalten.  

Caroline Liebich, die einen ambulanten Pflegedienst betreibt, bestätigt diese Einschätzung. Das Problem seien die Umstände unter denen die Pflegerinnen und Pfleger arbeiten müssten, die von einem zum anderen Patienten hetzen müssten – „wie Rennmäuse“, ergänzt Tischel.  „Medikamentengabe beim Pflegenden vier Minuten“, nennt er ein Beispiel.  Da könne  man, rechnerisch betrachtet, nicht nach dem Wohlergehen der Patienten und Patientinnen fragen. Diesem Druck wollen viele, die sich im ambulanten Pflegedienst selbständig machen, entgehen.  

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Der Pflegedienst ist weiblich, kaum Männer sind in dem Beruf  zu finden. Und in der Natur der Dinge liegt es auch, dass Frauen Kinder bekommen. Auch in diesem Punkt  könne die Politik viel bewegen, indem die Betreuungszeiten für Kinder flexibler gestaltet werden. „Manche Mama überlegt es sich, wenn sie sieht, dass ihr erwirtschaftetes Geld  in die verlängerte Betreuung für ihr Kind fließt“, sagt Martina Tischel, „Alleinerziehende könnten gar nicht in die Pflege gehen.“

Dass der Pflegeberuf physisch und physisch sehr belastend ist, komme noch hinzu. „Das musst man mit Herzblut machen“, sagt  Francis Mont von Caros Alltagshilfe in Lahr, die neben einem Betreuungsdienst  einen ambulanten Pflegedienst betreibt. Laut Caroline Liebich ist die Nachfrage für die Betreuung zu Hause groß. „Der Wunsch ist gestiegen, in den eigenen vier Wänden betreut zu werden.“ 

Fehlendes Interesse

Neben ambulanten Pflegediensten stellten sich bei der Pflegemesse auch stationäre Einrichtungen wie die Winkelwaldgruppe in Nordrach und das Pflegeheim der Franziskanerinnen in Gengenbach vor. Sascha Schmieder, der Veranstalter der Ortenauer Pflegemesse, wirft der Kommunalpolitik in einem Schreiben vor, kein Interesse für die Pflege zu haben. Viele Familien hätten die Pflegemesse genutzt, um sich zu informieren und um der Pflege eine Wertschätzung zu geben.

Schmieder hat allerdings die Bürgermeister und Ortsvorsteher vermisst: „Es ist halt schicker, sich mit einer Weinprinzessin fotografieren zu lassen, als mit einer Pflegefachkraft.“ Alle Verwaltungen seien rechtzeitig schriftlich eingeladen worden. „Schade, dass für die tollen Menschen, die in der Pflege arbeiten,  hier kein Interesse stattfindet“, schreibt Schmieder. „Hier hätte man auch mal persönlich ins Gespräch gehen können.“ Er kündigte gleichzeitig an, dass es eine dritte Pflegemesse geben wird. 

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