Friesenheim - Schuttern

Schuttern: Offo – der Mann ohne Historie

Autor: 
Wolfgang Schätzle
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
06. Dezember 2017

Friedhelm Müller (links) und der Vorsitzende des Historischen Vereins Schuttern, Martin Buttenmüller, im Info-Zentrum, das in den nächsten Jahren kräftig neu gestaltet werden könnte. ©Wolfgang Schätzle

Zweifelsohne war Schuttern eines der bedeutendsten Klöster, aber die Klostergründung liegt aus wissenschaftlicher Sicht im Dunkeln. Offo, der als Klostergründer gilt, ist als historische Figur nicht wirklich greifbar.

Die Unterzeichnung eines Kooperationsvertrags zwischen der Universität Heidelberg, der katholischen Kirchengemeinde Friesenheim, der Gemeinde Friesenheim und dem Historischen Verein Schuttern ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg, Schutterns bedeutsame Vergangenheit der Öffentlichkeit zugänglich zu machen (wir berichteten). 

Aus diesem Anlass übergab Professor Christian Witschel ein Exposee zur Neugestaltung des Museumszentrums im Bereich des ehemaligen Reichsklosters Schuttern, das von Heidelberger Studenten erarbeitet wurde. Es sei von vornherein jedoch klar gewesen, dass, wenn man Wissenschaftler an die Geschichte von Schuttern lässt, sie einen kritischen und genauen Blick darauf würfen. 

»Offo ist noch da«

»Ich kann ihnen zur Beruhigung sagen – Offo ist noch da.« Er wurde nicht weggestrichen, aber eben an anderer Stelle sinnvoll eingesetzt, um somit der Figur Raum zu geben. So dass Dinge, die liebgeworden sind, nicht verschwinden, aber in einen Zusammenhang gebracht werden. So hielten sie auch einer wissenschaftlichen Überprüfung stand. 

Worum geht es? Die Anfänge des Klosters Schuttern liegen laut des Exposees im Dunkeln, da die im Hochmittelalter entstandenen Gründungslegenden, die auf einen Beginn im sechsten oder siebten Jahrhundert zu verweisen scheinen, keinen historisch belastbaren Kern enthalten. 

Gesicherten Boden

- Anzeige -

Gesicherten Boden erreicht man daher erst mit der (spät-)karolingischen Epoche, heißt es weiter. Im frühen neunten Jahrhundert muss Schuttern bereits ein überregional bedeutendes Kloster gewesen sein.

Zu dieser Erkenntnis kommen die Heidelberger, weil in einem unter Kaiser Ludwig dem Frommen erstellten Verzeichnis von 817/818 Schuttern in der Spitzengruppe der durch besondere Königsnähe ausgezeichneten Reichsklöster aufgeführt ist. 

Zeitlich weiter zurück führt ein kurzer Eintrag zum Heiligen Pirmin, der auf seiner Wanderschaft durch Alemannien in der Zeit um 730/740 neben anderen Einrichtungen auch das Kloster Schuttern »begründet« haben soll. Allerdings dürfte die Vita Pirmins Rolle etwas zu stark hervorgehoben haben, sagen die Heidelberger. 

Neben ihm könnten daher sehr wohl auch andere Akteure bei der Gründung des Klosters eine bedeutsame Rolle gespielt haben. In diesem Kontext werde der Name des Klosters in der frühen Überlieferung wichtig. In der ersten Hälfte des neunten Jahrhunderts wird es als »Offoniswilare« benannt. 

Alemannischer Adliger

Das führt letztlich auf einen Offo, der aber als historische Figur nicht wirklich greifbar sei. Im Exposee heißt es: »Möglicherweise handelte es sich bei ihm um einen alemannischen Adligen, der eine Eigenkirche erbauen ließ, welche zunächst (auch) für Begräbnisse genutzt wurde.« Darauf könnten jedenfalls die wenigen erhaltenen Reste des ersten Kirchenbaus hinweisen, so die Meinung der Wissenschaftler. 

Aber auch der Bischof von Straßburg könnte hier tätig geworden sein. Er wirkte auch bei der Begründung des Klosters Ettenheimmünster Mitte des achten Jahrhunderts mit.

Stichwort

Kaiser-Übernachtung

Bei der Neugestaltung des Info-Zentrums zu einem Museumszentrum geht es auch darum, den Besuchern den Unterschied zwischen den historisch-archäologisch fassbaren Daten zur Gründungsgeschichte des Klosters und der nachträglichen Entstehung von Gründungslegenden sowie der daran anknüpfenden Fabrikation von Urkunden und Erinnerungsorten im mittelalterlichen Kloster zu vermitteln. 
Kaiser Heinrich II. galt in der späteren Klostertradition als »Neugründer« von Schuttern. Es wurde behauptet, dass er im Jahr 1016 in Schuttern übernachtet hat. Ein solcher Aufenthalt ist laut dem Heidelberger Exposé allerdings sehr unwahrscheinlich.

Info

Spannender Inhalt

Das Exposee ist spannend. Es weist sechs Stationen aus, die im Museumszentrum eingerichtet werden. Das Schutterner Evangeliar und die interkulturellen Netzwerke des Klosters spielen dabei ebenso eine Rolle wie das Schutterner Mosaik, das zweifelsohne als ein Alleinstellungsmerkmal des Klosters betrachtet werden kann. 
Geplant ist unter anderem das Mosaik in Originalgröße auf den Fußboden oder an die Wand des Museums zur projizieren. Und das Evangeliar soll mittels einer Computerstation mit Touchscreen visualisiert zugänglich gemacht werden.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Lahr

Lahr/Schwarzwald
vor 7 Stunden
Was geht ab in Lahr und der Umgebung? Diese Woche haben Anja Rolfes und Sophia Körber ihre Ohren (und Augen) offen gehalten.
Lahr/Schwarzwald
vor 9 Stunden
Heute bin ich ein wenig aufgeregt. Das muss ich frank und frei zugeben. Ich muss jemand auf der Landesgartenschau (LGS) begleiten. Wie soll ich ihm begegnen? Wie wird er auf mich reagieren? Was mag er – und vor allem: was nicht? 
Lahr
vor 10 Stunden
Beim Lahrer Stadtpark hat es in der Nacht auf Samstag im Dachgeschoss eines Mehrfamilienhaues gebrannt. Eine Frau flüchtete aufs Dach und wurde von der Feuerwehr von dort gerettet.
»Blick ins Amtsblatt« Schwanau (16)
vor 11 Stunden
Kurioses und geschichtlich Interessantes findet sich beim »Blick ins Amtsblatt« Schwanau. In der Serie des Lahrer Anzeigers werden die »Schätze« aus den Jahren 1972 bis 2000 ans Licht gebracht – immer samstags. Heute: Januar bis Februar 1975.
Lahraus, Lahrein
vor 11 Stunden
Kenne Sie des au? Sie sinn uff ä Geburtsdagsfeschdli iiglade un s'isch eigentlich ä ganz gmietlicher, scheener Obe. Dann... ja dann kummt de Alfred. Un näbe dir sait einer: »Oh je! Jetzt geht's glich los!« Un dann geht's aber wirklich los, wil... de Alfred verzehlt gern Witz!
Viel Verkehr herrscht immer auf der A 5 bei Lahr.
Lahr/Schwarzwald
vor 19 Stunden
Das ist keine gute Nachricht für Pendler: Der sechsspurige Ausbau der Autobahn wird wohl noch ein paar Jahre dauern. Wenn es ganz schlecht läuft, beginnen die Arbeiten erst 2027 oder 2028. 
Förster Christian Junele ist machtlos: Trockenheit und Hitze setzen den Bäumen und Pflanzen im Wald zu. 50 bis 100 Prozent der im Frühjahr gepflanzten Bäume werden wahrscheinlich wegen der Wasserknappheit eingehen.
Friesenheim
vor 20 Stunden
»Wo bleibt der Regen?«, fragt sich Förster Christian Junele täglich. Der Friesenheimer Wald leide derzeit stark unter der Wasserknappheit – viele Bäume trocknen aus. Der Förster selbst ist allerdings machtlos, wie er im Gespräch mit dem Lahrer Anzeiger erzählt.
Lahr/Schwarzwald
vor 21 Stunden
Es läuft beim Kaffee. »Coffee to Go« wird er auf Neudeutsch genannt, vor einem Jahr war er schon einmal Thema im Lahrer Umweltausschuss. Diese Woche kam er erneut in einem kleinen Rückblick des Stabsstellenleiters Umwelt, Manfred Kaiser, auf den Ausschuss-Tisch.
Martin Müller (Regierungspräsidium Freiburg, rechts) dankte Ralf Dyck für sein Engagement als Leiter der Badischen Malerfachschule.
Lahr/Schwarzwald
20.07.2018
Rektor Ralf Dyck hat der Badische Malerfachschule in den vergangenen zehn Jahren seinen Stempel aufgedrückt. Bei der Verabschiedung stellte Schuldirektor Martin Müller auch den Nachfolger Hans Peter Misiewicz vor. 
Meißenheim - Kürzell
20.07.2018
Der Förderverein Förderschule Ried in Kürzell stellte sich personell neu auf. Rücktritte im Vorstand kündigten im Vorfeld der Jahresversammlung am Donnerstagabend für die Wahlen einen Umbruch an.
Erpresser haben im Internet oft leichtes Spiel
20.07.2018
Erpresser haben im Internet oft einfaches Spiel, ihre Opfer in zahlreiche Fallen zu locken. Das zeigt auch der Fall eines jungen Mannes aus Lahr zu Beginn des Monats.
Lahr/Schwarzwald
20.07.2018
Die Veranstaltungen des »Kulturkreises Lahr« werden angenommen. Die in der Hautversammlung vorgelegte Bilanz zeigt aber, dass der Verein mit spitzer Feder rechnen muss.