Friesenheim - Schuttern

Schuttern: Offo – der Mann ohne Historie

06. Dezember 2017
&copy Wolfgang Schätzle

Zweifelsohne war Schuttern eines der bedeutendsten Klöster, aber die Klostergründung liegt aus wissenschaftlicher Sicht im Dunkeln. Offo, der als Klostergründer gilt, ist als historische Figur nicht wirklich greifbar.

Die Unterzeichnung eines Kooperationsvertrags zwischen der Universität Heidelberg, der katholischen Kirchengemeinde Friesenheim, der Gemeinde Friesenheim und dem Historischen Verein Schuttern ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg, Schutterns bedeutsame Vergangenheit der Öffentlichkeit zugänglich zu machen (wir berichteten). 

Aus diesem Anlass übergab Professor Christian Witschel ein Exposee zur Neugestaltung des Museumszentrums im Bereich des ehemaligen Reichsklosters Schuttern, das von Heidelberger Studenten erarbeitet wurde. Es sei von vornherein jedoch klar gewesen, dass, wenn man Wissenschaftler an die Geschichte von Schuttern lässt, sie einen kritischen und genauen Blick darauf würfen. 

»Offo ist noch da«

»Ich kann ihnen zur Beruhigung sagen – Offo ist noch da.« Er wurde nicht weggestrichen, aber eben an anderer Stelle sinnvoll eingesetzt, um somit der Figur Raum zu geben. So dass Dinge, die liebgeworden sind, nicht verschwinden, aber in einen Zusammenhang gebracht werden. So hielten sie auch einer wissenschaftlichen Überprüfung stand. 

Worum geht es? Die Anfänge des Klosters Schuttern liegen laut des Exposees im Dunkeln, da die im Hochmittelalter entstandenen Gründungslegenden, die auf einen Beginn im sechsten oder siebten Jahrhundert zu verweisen scheinen, keinen historisch belastbaren Kern enthalten. 

Gesicherten Boden

Gesicherten Boden erreicht man daher erst mit der (spät-)karolingischen Epoche, heißt es weiter. Im frühen neunten Jahrhundert muss Schuttern bereits ein überregional bedeutendes Kloster gewesen sein.

Zu dieser Erkenntnis kommen die Heidelberger, weil in einem unter Kaiser Ludwig dem Frommen erstellten Verzeichnis von 817/818 Schuttern in der Spitzengruppe der durch besondere Königsnähe ausgezeichneten Reichsklöster aufgeführt ist. 

Zeitlich weiter zurück führt ein kurzer Eintrag zum Heiligen Pirmin, der auf seiner Wanderschaft durch Alemannien in der Zeit um 730/740 neben anderen Einrichtungen auch das Kloster Schuttern »begründet« haben soll. Allerdings dürfte die Vita Pirmins Rolle etwas zu stark hervorgehoben haben, sagen die Heidelberger. 

Neben ihm könnten daher sehr wohl auch andere Akteure bei der Gründung des Klosters eine bedeutsame Rolle gespielt haben. In diesem Kontext werde der Name des Klosters in der frühen Überlieferung wichtig. In der ersten Hälfte des neunten Jahrhunderts wird es als »Offoniswilare« benannt. 

Alemannischer Adliger

Das führt letztlich auf einen Offo, der aber als historische Figur nicht wirklich greifbar sei. Im Exposee heißt es: »Möglicherweise handelte es sich bei ihm um einen alemannischen Adligen, der eine Eigenkirche erbauen ließ, welche zunächst (auch) für Begräbnisse genutzt wurde.« Darauf könnten jedenfalls die wenigen erhaltenen Reste des ersten Kirchenbaus hinweisen, so die Meinung der Wissenschaftler. 

Aber auch der Bischof von Straßburg könnte hier tätig geworden sein. Er wirkte auch bei der Begründung des Klosters Ettenheimmünster Mitte des achten Jahrhunderts mit.

Stichwort

Kaiser-Übernachtung

Bei der Neugestaltung des Info-Zentrums zu einem Museumszentrum geht es auch darum, den Besuchern den Unterschied zwischen den historisch-archäologisch fassbaren Daten zur Gründungsgeschichte des Klosters und der nachträglichen Entstehung von Gründungslegenden sowie der daran anknüpfenden Fabrikation von Urkunden und Erinnerungsorten im mittelalterlichen Kloster zu vermitteln. 
Kaiser Heinrich II. galt in der späteren Klostertradition als »Neugründer« von Schuttern. Es wurde behauptet, dass er im Jahr 1016 in Schuttern übernachtet hat. Ein solcher Aufenthalt ist laut dem Heidelberger Exposé allerdings sehr unwahrscheinlich.

Info

Spannender Inhalt

Das Exposee ist spannend. Es weist sechs Stationen aus, die im Museumszentrum eingerichtet werden. Das Schutterner Evangeliar und die interkulturellen Netzwerke des Klosters spielen dabei ebenso eine Rolle wie das Schutterner Mosaik, das zweifelsohne als ein Alleinstellungsmerkmal des Klosters betrachtet werden kann. 
Geplant ist unter anderem das Mosaik in Originalgröße auf den Fußboden oder an die Wand des Museums zur projizieren. Und das Evangeliar soll mittels einer Computerstation mit Touchscreen visualisiert zugänglich gemacht werden.

Autor:
Wolfgang Schätzle

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