Lahr

Schwieriges Jahr für Winzer

Autor: 
Michael Müller
Lesezeit 4 Minuten
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12. September 2016

Auch Winzer Rolf Mauch hat in der Weinanbau-Saison 2016 mit Schädlingsbefall zu kämpfen gehabt. ©Stephan Tissot

Der »Jo-Jo-Sommer« 2016 hat den Winzern zu schaffen gemacht – auch in und um Lahr. Dennoch sind sie in Bezug auf die Qualität des Weinjahrgangs 2016 durchaus optimistisch. Die Ertragseinbußen indes sind zum Teil erheblich.

In den Weinbergen rund um Lahr steht die Weinlese bevor. Für die Winzer die anstrengendste Zeit des Jahres. Dabei waren deren Nerven in den Monaten davor schon genug strapaziert worden. »2016 war ein schwieriges Weinjahr«, bringt Georg Bader, Aufsichtsratsvorsitzender der Winzergenossenschaft Lahr, die Lage auf den Punkt. 

Vor allem das wechselhafte Wetter bereitete den Weinbauern Kopfzerbrechen. »Es war selten so nass und kühl im Frühling wie in diesem Jahr«, klagt Markus Wöhrle, Chef des gleichnamigen Weinguts. Folge: Die Reben blühten später, und die Beeren wurden nicht so gut befruchtet – die fallen dann von den Reben ab. Betroffen waren vor allem früh blühende Rebsorten. Spätburgunder-Trauben dagegen sind später dran als viele andere Rebsorten – ihre Blüte fiel in eine Zeit, wo es schon wieder wärmer wurde.

Der Umschwung fiel »in eine sehr sensible Phase«, erläutert Rolf Mauch, Vorsitzender der Winzergenossenschaft Kippenheim/Mahlberg/Sulz. Denn nach der Blüte sind die Beeren schutzlos. Doch es wurde nicht nur wärmer, sondern es war auch feucht. Dadurch konnten die Beeren tagsüber oft nicht richtig abtrocknen. Folge: Pilzbefall. Im Vorjahr dagegen war dies aufgrund der warmen und trockenen Witterung so gut wie gar kein Thema gewesen.

Konventionell arbeitende Betriebe konnten den Pilzbefall etwas besser wegstecken

Der Pilzbefall führte zu teils sehr starken Ertragseinbußen. Markus Wöhrle etwa rechnet mit Ausfällen bis zu 30 Prozent – vielleicht auch mehr. »Das geht durch alle Rebsorten durch.« Die Schädlingsbekämpfung ist für ihn noch schwieriger, da er nach ökologischen Prinzipien wirtschaftet. Konventionell arbeitende Betriebe konnten den Pilzbefall etwas besser wegstecken: »Unser Medizinschrank ist halt etwas größer«, so Mauch. 

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Doch auch er und seine Kollegen hatten Schwierigkeiten. Das hänge auch mit der Lage zusammen, erläutert Georg Bader: »Wo der Tau schnell abtrocknet, hat man’s besser im Griff.« Auf jeden Fall mussten die Winzer sehr viel häufiger Pflanzenschutzmittel einsetzen. »Wir mussten alle sieben Tage spritzen«, erzählt Bader – normal sind etwa alle zehn Tage. Dennoch gibt es im Anbaugebiet der WG Lahr Lagen, wo fast ein Totalausfall zu verzeichnen ist. Insgesamt rechnen auch die beiden Winzergenossenschaften mit Einbußen bis zu 20 Prozent. 

Mauch berichtet außerdem über große Staren-Schwärme, die in die Rebberge eingefallen seien. Mit Netzen und dem Einsatz von pyrotechnischen Apparaten zur »Schreckschuss-Vergrämung« habe man versucht, die Vögel zu vertreiben. Und im August kam dann die große Hitze. Häufige Folge: Sonnenbrand. »Wenn das Grün verdorrt, trocknen die Beeren irgendwann aus und faulen«, erläutert Georg Bader. »Die kann man für Wein nicht mehr lesen.« Und auch die Kirsch­essigfliege habe den Winzern zu schaffen gemacht. 

Mauch: »Wir brauchen jetzt so einen richtigen ›Indian Summer‹ bis zum November«

Insgesamt jedoch hatte das sonnige und warme Wetter in der zweiten Sommerhälfte auch viel Gutes für die Herbst-Zeit, die zum Teil schon dieser Tage mit der Lese des »neuen Süßen« beginnt. Der Fruchtzuckergehalt in den Trauben liegt laut Bader etwa beim Müller-Thurgau derzeit etwa bei 70 bis 80 Grad Öchsle. Zwar halten sich die Winzer mit Aussagen in puncto Qualität noch zurück, doch 2016 könne in dieser Hinsicht ein guter Jahrgang werden. »Wir brauchen jetzt so einen richtigen ›Indian Summer‹ bis zum November«, hofft Rolf Mauch.

Die Mengeneinbußen sind indes nicht mehr wettzumachen. Preisaufschläge, um die Einbußen auszugleichen, seien am Markt nicht durchsetzbar, sagt Mauch. Markus Wöhrle hält sogar Liefer-Engpässe für möglich. »Der Verkauf läuft gut bei uns«, sagt er. »Aber als Weingut darf ich ja keine Trauben zukaufen. Reserven werde ich wohl keine mehr haben.«

Stichwort

Schädlinge im Weinberg

Den Winzern in und um Lahr hat in diesem Jahr vor allem Peronospora, auch »Falscher Mehltau« genannt, zu schaffen gemacht. Der Pilz überwintert in robusten Wintersporen im abgefallenen Laub. Die Sporen keimen im Frühjahr – etwa Mitte April bis Anfang Juli. Dabei werden Sporen freigesetzt, die mit Regenspritzern auf die Blätter der Rebe gelangen und durch Spaltöffnungen in die Blätter eindringen. Durch Verzweigung der Pilzhyphen entwickelt sich das Pilzgeflecht (»Myzel«). Es bilden sich gelbliche Flecke auf den Blättern, später ein weißer »Pilzrasen« aus Sporenträgern auf der Blattunterseite. Die befallenen Blätter färben sich braun und fallen ab. An befallenen Trauben schrumpfen die Beeren und färben sich blau-schwarz, wobei das Stielgerüst abstirbt.
Die ursprünglich aus Ostasien stammende Kirschessigfliege befällt Früchte von Wild- und Kulturobstarten mit dünner Schale – vor allem Süßkirschen, aber auch Weinbeeren. In den Früchten legt das Weibchen seine Eier ab. Die Larven fressen sich dann durch das Fruchtfleisch. Folge: Die Beere platzt auf, der Saft läuft heraus, und die Beere schmeckt tatsächlich nach Essig. Problematisch ist das kleine Insekt vor allem wegen der raschen Vermehrung: Die Vollendung einer Generation ist bereits innerhalb von 8 bis 14 Tagen möglich.

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