Lahr

Stempeluhren: Ausstellungsstück im Lahrer Museum

Autor: 
Redaktion
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21. Januar 2021

Zeitrechner der Lahrer Firma Zentraf & Frank ist im Stadtmuseum zu sehen. ©Stadt Lahr

Ein besonderes Ausstellungsstück ist im Lahrer Stadtmuseum zu sehen. Der Zeitrechner der Firma  Zentgraf & Franck zeugt auch von der Entwicklung der Stempeluhren in den Fabriken.

Das Lahrer Stadtmuseum stellt regelmäßig ein Objekt aus der Ausstellung  in den Mittelpunkt. Dieses Mal geht es um einen Zeitrechner aus der Firma Zentgraf & Franck. Eine der ersten Institutionen, die eine Reglementierung der tageszeitlichen Abläufe vorgab, war die Kirche, berichtet das Stadtmuseum zur Geschichte. Bereits im Mittelalter entwickelten Mönchsorden strenge Zeitprotokolle, die ihren Alltag regelten. 

Abläufe kontrollieren

Für das Bürgertum der sich entwickelnden Städte wurde Zeitdisziplin eine wichtige Eigenschaft, während sich die Landbevölkerung noch lange nach den natürliche Tages- und Jahresabläufen richtete und „mit den Hühnern ins Bett ging“, wie ein Sprichwort heißt. Ab dem späten 18. Jahrhundert begann der Staat seine Beamten und Angestellten durch geeignete Apparaturen zu überwachen. In Amtsstuben tauchten  spezielle Uhren auf, in die Beamte bei Ankunft spezielle Marken einwarfen. Polizisten und Nachtwächter mussten fortan auf ihren Rundgängen Kontrolluhren bedienen. 

Besonders aber für die nun tausend- und millionenfach in die neuen Fabriken strömenden Arbeiter wurde die immer präzisere Überwachung der Arbeitszeit Alltag. 1879 ließ sich der Schwenninger Uhrmacher und Fabrikant Richard Bürk einen „Arbeiter-Kontrollapparat“ patentieren, mit der sich die Anwesenheit protokollieren ließ. 1897 folgte ein „Billeteur“, ein aus Amerika stammendes System, das Stempelkarten bedruckte. Nachdem der amerikanische Lizenzschutz in den 1920er-Jahren ausgelaufen war, wurde Bürg zum größten deutschen Kontrolluhrhersteller. 

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Das System der Stempel- und Stechuhren wurde immer weiter perfektioniert. Im Laufe des 20. Jahrhundert konnten moderne Stempeluhren kleine Pausen erfassen oder zu spätes Erscheinen durch den Wechsel der Stempelfarbe markieren. Das neue Zeitregiment der Industriearbeit wurde schnell zum Zeichen der neuen Zeit. 

Die Stempeluhr am Fabriktor wurde gehasstes Symbol der Moderne, zumal sie häufig die Arbeitnehmer benachteiligte: Stempelten sie zu früh, wurde das häufig nicht berechnet, doch jede Minute zu spät wurde dem Lohn abgezogen. Doch lernten sie auch die Vorteile schätzen: Nun konnten sie gegenüber der Lohnstelle ihre Arbeitszeit nachweisen. Die Stempeluhr (auch Kartenapparat genannt), die sich im Besitz des Stadtmuseums befindet, stammt aus den 1920er-Jahren und ist ein Fabrikat der Firma Bürk. 

Genau betrachtet handelt es sich bei dem Objekt nicht um eine Stempeluhr, sondern um einen Zeitrechner. Er wurde innerhalb der Fabrik etwa in Werkstätten eingesetzt, um einzelne Arbeitsgänge zu dokumentieren. Dies ist insbesondere bei Zeitakkordarbeit von Bedeutung, aber auch für die Kalkulation der Arbeitsvorgänge. Nicht die gesamte Arbeitszeit wurde also von der Uhr gestempelt, sondern einzelne Arbeitsabläufe und Produktionsschritte. So konnte nachvollzogen werden, ob ein Arbeiter einen Produktionsschritt innerhalb der vereinbarten Akkordzeit vollzogen hatte oder wie lange eine bestimmte Tätigkeit im Durchschnitt dauerte. 

Bedient wurde sie von den Arbeitern selbst oder von speziellen Saalschreiberinnen. Das Lahrer Exemplar stammt aus der Firma Zentgraf & Franck, die zwischen 1867 und 2013 Kartonage-Produkte herstellte. 
◼ Das Lahrer Stadtmuseum ist während des Lockdowns geschlossen. Weitere Informationen unter:

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