Lahr/Schwarzwald

Straftäter werden auch in Lahr gewaltbereiter

Autor: 
Michael Müller
Lesezeit 3 Minuten
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17. Mai 2017

In Lahr nehmen Rohheitsdelikte wie Körperverletzungen immer mehr zu. ©Ulrich Marx

Ein Bild mit Licht und Schatten zeichnet die Kriminalitätsstatistik der Lahrer Polizei. Erfreulich: Die Zahl der Straftaten ist gesunken, die Aufklärungsquote die zweitbeste der letzten zehn Jahre. Unerfreulich: Die Zahl der gewalttätigen Übergriffe hat ein neues Zehn-Jahres-Hoch erreicht.

Die Bürger in Lahr können sich verhältnismäßig sicher fühlen. Dies zeigt die Kriminalitätsstatistik der Lahrer Polizei, die Revierleiter Felix Neulinger gestern der Presse präsentierte.

3342 Straftaten registriert

Insgesamt wurden 3342 Straftaten registriert – das entspricht einer Häufigkeitsziffer (Zahl der Delikte hochgerechnet auf 100 000 Einwohner) von 7446. Zum Vergleich: In Offenburg liegt diese Ziffer bei 12 741; im gesamten Ortenaukreis bei 6332. Dabei zeigt die Tendenz leicht nach unten – und das, obwohl die Zahl der in Lahr lebenden Menschen in den letzten zehn Jahren um rund 5000 auf fast 47 500 gestiegen ist.

Dies, so OB Wolfgang G. Müller, sei ein Indiz für gute Polizeiarbeit und eine effektive Unterstützung der Polizei durch den Kommunalen Ordnungsdienst. Aber es sei auch ein Beleg für erfolgreiche präventive Arbeit – Stichwort etwa: Jugend- und Sozialarbeit. 

Aufklärungsquote schwankt je nach Delikt-Art 

Erfreulich auch: Die Aufklärungsquote ist 2016 auf 61,7 Prozent gestiegen – das ist die zweitbeste der letzten zehn Jahre. Allerdings schwankt die Quote je nach Straftat-Kategorie sehr stark: Bei Wohnungseinbrüchen etwa liegt sie immer noch im beklagenswert niedrigen Bereich, obwohl die Polizei »viele Maßnahmen gefahren« hat und auch mit Zivilstreifen unterwegs ist.

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Kein Fall von Mord oder Totschlag

Positiv sind die Tendenzen auch beim schweren Diebstahl, Fahrraddiebstahl oder Sexualstraftaten. Und Fälle von Mord oder Totschlag gab’s 2016 gar nicht. Unerfreulich dagegen die Entwicklung bei Rohheitsdelikten wie Körperverletzung: In dieser Delikt-Kategorie verzeichnete die Polizei 2016 ein neues Zehn-Jahres-Hoch. 

Körperverletzung: Oft ist Alkohol im Spiel

In fast 90 Prozent dieser Fälle sei dabei exzessiver Alkoholgenuss im Spiel, betonte Neulinger. Hier werde man einen Schwerpunkt der künftigen Arbeit setzen, kündigte er Konsequenzen an: etwa vorbeugende Aufenthaltsverbote – zum Beispiel bei öffentlichen Veranstaltungen – für Leute, die vorher schon mal auffällig geworden waren. »Wir kennen unsere Pappenheimer«, bekräftigte Neulinger. Hinzu kommen Anfahrts- und Jugendschutzkontrollen, der Einsatz zusätzlicher Kräfte (auch in Zivil) und eine enge Kooperation mit Veranstaltern sowie im Nachgang rigorose Maßnahmen wie Blutentnahmen oder Wohnungsdurchsuchungen. Alkoholverbote auf öffentlichen Plätzen sind dagegen laut OB Müller kein Thema.

Flüchtlinge: Vorbehalte oft nur Gerüchte

Dezidiert ging Neulinger auf das Thema »Kriminalität bei Flüchtlingen und Asylbewerbern« ein.  Tatsächlich hat sich die Zahl der tatverdächtigen Asylbewerber oder Flüchtlinge seit 2012 mehr als vervierfacht. Allerdings ist seitdem auch die Gesamtzahl der hier lebenden Migranten stark gestiegen. Und die Fälle von Körperverletzung, bei denen Flüchtlinge als Tatverdächtige identifiziert werden, spielten sich überwiegend in den Sammelunterkünften – etwa in der Rainer-Haungs-Straße – ab, sind also überwiegend das Ergebnis von Streitereien unter den dort lebenden Bewohnern.

Auch die Behauptung, Flüchtlinge neigten dazu, sexuelle Übergriffe zu begehen, lässt sich laut Neulinger durch die Statistik nicht belegen. »Wir sind allen Hinweisen nachgegangen«, bekräftigt der Revierleiter. Aber tatsächlich sei nur ein einziges Delikt im Umfeld eines Fitness-Studios aktenkundig geworden. »Alles andere waren lediglich Gerüchte.«

Stichwort

Bei Unfallfluchten geht Tendenz nach oben

Die Zahl der Verkehrsunfälle ist in Lahr gestiegen. 2015 verzeichnete die Lahrer Polizei 1255 Verkehrsunfälle. Im vergangenen Jahr waren es 1291 – das entspricht einer Steigerung um rund 2,9 Prozent. Leider waren auch zwei Zusammenstöße mit tödlichem Ausgang darunter. Bei den Schwerverletzten gab’s im Vergleich zu den Vorjahren kaum Veränderungen. 
Leicht, aber stetig nach oben zeigt die Tendenz bei den Unfallfluchten. 2009 waren es noch 258 Fälle; inzwischen ist man fast bei 330 angekommen. Felix Neulinger, Leiter des Lahrer Reviers, warnte denn auch Autofahrer: Wer erwischt wird, müsse mit sehr ernsten Folgen rechnen. 
Einen Anstieg gab es auch wieder bei der regis­trierten Zahl der Unfälle unter Alkohol. Hier werde man in diesem Jahr weiter verstärkt kontrollieren, kündigte Neulinger an. Dies hänge aber immer auch vom vorhandenen Personalbestand ab.
Erfreulich hingegen der starke Rückgang bei den Schulwegunfällen. In diesem Zusammenhang lobte Neulinger auch die Arbeit der Verkehrswacht. Diese soll im Zuge der Landesgartenschau einen neuen Verkehrsübungsplatz bekommen. Wichtig sei aber auch die Mithilfe der Eltern, so Neulinger. Vor allem sollten sie darauf achten, dass die Kinder Warnbekleidung tragen – vor allem im Winter.

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