Lahr

Theaterbühne im Keller brilliert mit „Die Benachrichtigung“

Autor: 
Jürgen Haberer
Lesezeit 3 Minuten
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27. Januar 2020

Szene aus „Die Benachrichtigung“ im Stiftsschaffneikeller ©Jürgen Haberer

Christopher Kern und die „Theaterbühne im Keller“ haben am Wochenende ein kleines Fest des Absurden gefeiert. Das Ensemble hat sich wieder mutig auf schwieriges Terrain gewagt und Václav Havels Satire „Die Benachrichtigung“ auf die Bühne gebracht.

Lahr. Amateur- und Vereinstheater bringen normalerweise keine Eigenproduktionen über den regionalen Kampf gegen ein Atomkraftwerk auf die Bühne. Sie kokettieren auch nicht mit Bert Brecht und Eugène Ionesco oder Václav Havel, prominente Vertreter des absurden Theaters. Ihr Metier ist normalerweise eher die robust angelegte Komödie, der durchaus auch derbe Schwank.

Viel Gespür

Christopher Kern, der Theatermacher des Lahrer Kulturkreises, scheint sein Ensemble mittlerweile aber regelrecht darauf geeicht zu haben, mit viel Gespür und Engagement auf eher schwierigem Terrain zu agieren. Individuell dürfen seine Schauspieler Laiendarsteller bleiben. Als Ensemble schnuppert die Truppe aber vor allem den längst nicht immer nur süßen Duft der Avantgarde. 

Es braucht in Sachen Probenarbeit vielleicht einen kleinen Nachschlag, wie zuletzt bei Ionescos Farce „Die Stühle“, eine Verschiebung der bereits geplanten Premiere. Am Ende kommt dann aber wie auch nun bei Václav Havels Satire „Die Benachrichtigung“ eine bemerkenswerte Inszenierung heraus. Das Publikum erlebt richtig gut gemachtes Theater, ein Fest für alle Sinne, für das es die Truppe wie bei der ausverkauften Premiere am Freitagabend auch ausgiebig feiert. Es würdigt damit eine vor allem auch thematisch und inhaltlich überzeugende Inszenierung, eine immer mehr aufblühende Theaterarbeit, für die man den Kulturkreis durchaus auch ein bisschen beneiden kann.

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Václav Havels Satire „Die Benachrichtigung“ aus dem Jahr 1965 greift die Entmenschlichung einer Gesellschaft unter dem Diktat eines totalitären Systems auf. In einer Behörde wird „Ptydomet“ als neue Amtssprache eingeführt, obwohl niemand wirklich der Kunstsprache mächtig ist. Alles gerät aus den Fugen, niemand setzt sich wirklich zur Wehr. Der Apparat rattert weiter, knallt gegen die Wand und rappelt sich auf, macht weiter als sei nichts passiert.

Kritik am Sozialismus

Václav Havel hatte sicherlich den real existierenden Sozialismus vor Augen, die „Theaterbühne im Keller“ muss sich hier nicht einmal festlegen. Die Behörde ist ebenso ein Platzhalter wie das Kauderwelsch „Ptydomet“. Was zählt ist das wunderbar herausgearbeitete Bild der kleinen grauen Mäuse im Hamsterrad, das Zerrbild eines Prozesses, in dem sich alle anpassen und doch einzelne immer auch bestrebt sind, für sich ein winzig kleines Stück extra herauszuholen. 

Reinhard Kattinger, Katrin Bucherer, Matthias Göbbels, Ralf Kuchheuser, Diana Dold, Daniela Hess, Bärbel Buck, Karin Endres, Bernhard Krämer, Ursula Fries-Borho und Gisela Griesbaum arbeiten sich mit individuellem Charme durch eine groteske, in ihrer ganzen Absurdität erstarrten Geschichte, servieren ein kleines Festmenü des absurden Theaters.

Keiner bleibt zurück, keiner profiliert sich auf Kosten der anderen, obwohl das Stück doch gerade auch davon erzählt. Das Amt wird auf den Kopf gestellt und dann wieder zurückgerudert. Die Menschen buckeln am Ende noch ein bisschen tiefer. Es kann trotzdem nichts passieren, solange die Führungsetage nur immer den ganz persönlichen Feuerlöscher im Auge behält.

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