Lahr

TV-Neujahrsumtrunk: Bekenntnisse gegen Doping

Autor: 
Jacqueline Meier
Lesezeit 3 Minuten
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08. Januar 2018

(Bild 1/2) Sportwissenschaftler Andreas Singler war Gastredner beim Neujahrsumtrunk des Turnvereins Lahr. ©Jacqueline Meier

Seit fast 100 Jahren lädt der TV Lahr zu Beginn des Jahres zum Neujahrsumtrunk ein. Am Samstag gab es neben Auszügen aus dem Trainingsprogramm einen Vortrag von Andreas Singler. Der Sportwissenschaftler ist bekannt als Doping-Experte, der die Machenschaften an der Freiburger Sportklinik aufgedeckt hat.

»Umtrunk« hieß es am Dreikönigstag wieder im Pflugsaal, wo mehr als 100 Mitglieder des Turnvereins Lahr gespannt den Vortrag von Sportwissenschaftler Andreas Singler verfolgten. Im TV Lahr werde, was die Doping-Prävention angeht, intuitiv schon vieles richtig gemacht, zollte der frühere TV-Handballer dem Verein Anerkennung. Der Verein vermittle die sogenannten Lebenskompetenzen nicht nur durch Sport, sondern auch durch Gemeinschaft, sagte der 56-Jährige. Und: »In einem solchen Klima wächst die Anti-Doping-Haltung am ehesten.« 

Der Journalist war Anfang der 70er-Jahre durch einen Presseartikel auf das Thema Doping aufmerksam geworden und hat es seither verfolgt. Einer, der zugegeben habe, seinen Weltrekord mit Hilfe von Anabolika erreicht zu haben, sei der Lahrer Hammerwerfer Walter Schmidt gewesen. »Ich möchte ihn und seine Leistung nicht diskreditieren«, betonte Singler. Im Gegenteil, er rechne es Schmidt hoch an, dass er den Konsum von Anabolika zugegeben und darüber gesprochen habe. »Damit hat er sehr geholfen, Probleme zu verstehen«, sagte Singler.

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Im Fall der Freiburger Sportklinik habe es massive Vertuschungsversuche gegeben, die bis in Ermittlerkreise gereicht hätten, erklärte Singler, wobei er die Polizisten ausdrücklich ausnahm und sie für ihre »gute Arbeit« lobte. »Der sportliche Erfolg war in der Gesellschaft einfach zu wichtig«, erklörte Singler die Umstände. Er plädiert für Prävention, die schon in den örtlichen Vereinen beginnen müsse. »Dann muss man aber auch wissen, dass die Leistung nicht so hoch ausfällt.« Der Gastredner zitierte Traudel Bothor; die  »Institution« des TV Lahr habe einmal gesagt: »Warum sollen wir mit dem Ostblock in Konkurrenz treten, wenn wir dabei die Kinder kaputt machen?« Dies sei die richtige Einstellung, wertet der Sportwissenschaftler. 

Dass im TV Lahr Gemeinschaft gelebt werde, unterstrich Jürgen Kattinger, Sprecher des TV-Vorstands. »In der heutigen Zeit ist Gemeinschaft und Geselligkeit wichtig; nur so lässt sich einiges besser ertragen«, bezog er sich auf die weltpolitische Lage. 

Oberbürgermeister Wolfgang G. Müller hatte ein paar Zahlen mitgebracht, die den hohen Stellenwert, den der Sport in der Stadt genießt, unterlegen sollten: Jährlich gebe die Stadt Lahr 2,5 Millionen Euro für die Sportanlagen und Vereinszuschüsse aus. 2018 müssten weitere 328 000 Euro hinzugerechnet werden, und mit der Inbetriebnahme der neuen Sporthalle im Jahr 2019 kämen noch einmal 18,5 Millionen Euro dazu. 
Auszüge aus dem Training zeigten die Tanzgruppe »Arabesque« sowie Julian Samsfort (9) vom TV Lahr und Jamie van Tol (8) aus Freiburg. Die beiden Jungs trainieren im Leistungszentrum in Herbolzheim bei Manuel Rothmann, der seine sportlichen Wurzeln im  TV Lahr hat.

Zur Person

Andreas Singler

Sportwissenschaftler Andreas Singler (56), Gastredner beim Neujahrsumtrunk des Turnvereins Lahr, ist gebürtiger Lahrer und war in seiner aktiven Zeit beim TV Lahr als »schnellster Handballer« bekannt. Singler ist Journalist und Blogger, hat promoviert und engagiert sich derzeit in der Anti-Atomkraft-Bewegung in Japan. Ein Buch zum Thema soll in den nächsten Wochen auf den Markt kommen. Andreas Singler gilt als einer der gefragtesten Doping-Experten.

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