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Friesenheim - Schuttern

Uni Heidelberg will mit Friesenheim kooperieren 

Vortrag am Freitag beim Historischen Verein Schuttern war Startschuss
13. Juni 2016
&copy Wolfgang Schätzle

Der Anfang ist gemacht: Das Heidelberg-Zentrum Kulturelles Erbe (HCCH)strebt eine Kooperation mit Friesenheim und dessen Ortsteil Schuttern an. Im Fokus stehen die Hinterlassenschaften des ehemaligen Reichsklosters Schuttern.

Das Heidelberg-Zentrum Kulturelles Erbe, das offiziell Heidelberg Center for Cultural Heritage (HCCH) genannt wird, wurde im Februar 2013 gegründet. Dieser wissenschaftliche Verbund, der der nachhaltigen Vernetzung sowie dem langfristigen Ausbau der an der Universität Heidelberg bestehenden Grundlagenforschung zu kulturellen Hinterlassenschaften vergangener und gegenwärtiger Gesellschaften dient, strebt die Zusammenarbeit mit außeruniversitären Einrichtungen, insbesondere Museen, Ausgrabungs- und Kulturstätten an. Neben dem Deutschen Archäologischen Institut, dem Badischen Landesmuseum Karlsruhe und der Weltkulturerbe-Stätte Kloster Lorsch soll nun auch Friesenheim mit Schuttern als Kooperationspartner hinzukommen.

Dies teilte Professor Christian Witschel (Alte Geschichte und Epigrafik), der zugleich auch geschäftsführender Direktor des HCCH ist, am Freitagabend im Rahmen eines Vortrags zur Geschichte des dritten Jahrhunderts im Südwesten des Landes mit. 

Kloster wird berühmt
Erste Absprachen seien schon getroffen worden, Witschel verwies dabei auf ein Screenshot der geplanten Internetseite. Im HCCH-Forschungsprofil »Reichskloster Schuttern im Früh- und Hochmittelalter« heißt es unter anderem, dass das Kloster Schuttern zu einer Reihe von alten und berühmten Klostergründungen im deutschsprachigen Südwesten gehöre. Und weiter: »Seine frühe Bedeutung und sein Reichtum ist auch daran abzulesen, dass es Anfang des neunten Jahrhunderts in einer Aufstellung zu den vermögendsten fränkischen Abteien gezählt wurde und in dieser Hinsicht auf eine Stufe mit dem Kloster Lorsch stand.« 

Im Wintersemester wird es bereits eine Lehrveranstaltung mit vier Dozenten geben, beginnend mit der Christianisierung am Oberrhein und der Entstehung von Klöstern. »Im zweiten Teil der Lehrveranstaltung werden wir uns dann heranzoomen, werden Schuttern als zentrales Beispiel nehmen«, so Witschel. Es folgt die Einarbeitung in die archäologischen Hinterlassenschaften. 
Am Ende soll ein neuer Konzeptentwurf für eine neue Museumsgestaltung am Infozentrum des Klosters Schuttern stehen. Desweiteren soll eine virtuelle Bibliothek ins Leben gerufen werden. Das Kloster Schuttern sei auch ein bedeutender Ort für die Produktion von Handschriften gewesen. Die verstreuten Bücher, die ursprünglich mal in Schuttern entstanden sind, sollen so wieder im Internet zusammengeführt werden. 

Als Partner hierfür konnte man einen der »Big Player« gewinnen, wie es Witschel formulierte, nämlich die Universitätsbibliothek Heidelberg, die auch schon mit dem Kloster Lorsch eine solche Bibliothek aufgebaut hat. Seinen Vortrag bezeichnete Witschel als einen gelungen Startschuss für eine »sicherlich erfolgreiche Kooperation mit Schuttern«. 

Gemeinderat entscheidet
Er finde die Entwicklung wahnsinnig interessant, meinte Bürgermeister Erik Weide. Er sei sich sicher, dass der Friesenheimer Gemeinderat die Sache wohlwollend aufnehmen werde, »aber dort werden nun mal die Entscheidungen getroffen«, was eine mögliche Kooperation angehe. 

Dank zollte Bürgermeister Weide auch Martin Buttenmüller, Vorsitzender des Historischen Vereins Schuttern 603, für sein Engagement in dieser Sache. 
Er würde sich freuen, wenn man in fünf oder zehn Jahren sagen könnte, dass der Witschel-Vortrag zu den Römern der Beginn einer guten Freundschaft war, so Buttenmüller. »Das wäre eine wunderbare Sache.«

Autor:
Wolfgang Schätzle

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