Lahr
Dossier: 

Virtuelles Klassenzimmer im Lahrer Scheffelgymnasium

Autor: 
Endrik Baublies
Lesezeit 4 Minuten
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05. April 2020

Philipp Freykowski unterrichtet Gemeinschaftskunde virtuell aus dem Chemiesaal. ©Endrik Baublies

Wie funktioniert der Unterricht am Scheffelgymasium ohne Schüler aufgrund der Corona-Krise mittels neuer Medien? Ein Besuch im Chemiesaal, beim Fach Gemeinschaftskunde, über das Thema Föderalismus der Bundesrepublik Deutschland.

Seit heute, Montag, sind Osterferien. Die Schulgebäude sind allerdings seit knapp vier Wochen verschlossen. Unterricht hat – außerhalb der Ferien – dennoch stattgefunden. Eine Visite am Lahrer Scheffelgymnasium in der vergangenen Woche zeigt, wie Lehrer und Schüler das Thema Föderalismus mittels neuer Medien diskutieren.
 
Philipp Freykowski gehört zum Leitungsteam des Gymnasiums und ist zuständig für Digitalisierung. Beim Besuch steht eine Doppelstunde Gemeinschaftskunde auf dem Unterrichtsplan. 13 Schüler der Klasse elf, die Gemeinschaftskunde als Leistungsfach gewählt haben, nehmen sich das Thema „Föderalismus in der BRD“ vor.

Zugeschaltet

Freykowski steht kurz vor Unterrichtsbeginn im Chemiesaal am Pult, wo ein großer Rechner seinen Platz hat. Die Stühle sind hochgestellt. Auf einem Stuhl steht ein Laptop. Kurz vor elf Uhr, dem Beginn des Unterrichts, kommen aus dem kleineren Gerät Signale: Die Schüler haben sich also nach und nach zugeschaltet. Der Lehrer hat einen Artikel aus der Internetausgabe der „Zeit“ vorbereitet: „Föderalismus im Krisenmodus“ ist am 12. März erschienen, also einen Tag nach dem wichtigen Datum 11. März, der als Anfang der einschneidenden Maßnahmen aufgrund der Pandemie betrachtet wird.

Der Satz, „ein Bild sagt mehr als 1000 Worte“ passt ebenfalls. Auf einer Karikatur, die allerdings wesentlich älter ist, krakeelen 16 Kinder um einen Fußball herum. Freykowski bittet die Schüler die Schlagzeile des Artikels und die Karikatur zu interpretieren. „Wo könnte ein solcher Artikel nicht erscheinen?“ Da sind die Schüler recht schnell. In einer Diktatur wäre das unmöglich oder in einem demokratischen Land, das nicht föderalistisch aufgebaut ist. Beispiele eines zentralistisch-demokratisch organisierten Staates sind Großbritannien oder Frankreich. 

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Auch bei der Karikatur ist das Anliegen des Zeichners allen Schülern schnell klar. Die 16 Kinder stehen für die 16 Bundesländer, die sich um einen Ball – irgendeinen politischen Anlass – nicht so einfach einigen können. Dann dreht sich der Lehrer um und schreibt die Worte „Politisches System“ an die Tafel im leeren Klassenzimmer. Die Schüler auf der anderen Seite des virtuellen Klassenzimmers bekommen das sicher mit. Freykowski referiert kurz, wie und warum die BRD ein Bundesstaat ist. Vor allem die Amerikaner haben nach 1945 auf „federal“ nach dem eigenen Vorbild USA bestanden. Dann fangen die Schüler an, den Artikel zu lesen, der dann diskutiert werden wird. 

Dieser digitale Unterricht funktioniert. Freykowski ergänzt, dass er einige Tage zuvor mit dieser Klasse eine Übungsarbeit geschrieben hat. „Damit können die Schüler ihr Wissen überprüfen.“ Nach Vorgabe des Kultusministeriums werden in dieser Zeit allerdings keine Klausuren gewertet, die Einfluss auf die Abiturnote haben.

Eltern leisten sehr viel

Einerseits hat diese Art Unterricht den Vorteil, dass sich Schüler, die in der Klasse nebeneinander sitzen, nicht so gut ablenken lassen. Aber: „Ich kann nicht kontrollieren, ob Schüler nebenher im Internet surfen“. Bei den Schülern der Oberstufe, die das Ziel Abitur anpeilen, könne man eine Eigenverantwortung und Engagement auch sicher voraussetzen. Bei der Gelegenheit denkt der Lehrer Freykowski aber auch an „die vielen Eltern, die derzeit sicher sehr viel leisten, dass der Unterricht in dieser Zeit gut funktioniert“. 

Eine Rückkehr zur Normalität sollte dennoch irgendwann wieder kommen. Da ist Freykowski ganz sicher. Anderseits könne man diese Erfahrungen aber auch weiter nutzen. Ein Beispiel: Ein Lehrer hat sich das Bein gebrochen und kann den Unterricht in der Zeit auch von zu Hause leiten.
Überhaupt kein Thema ist in der Oberstufe die digitale Ausrüstung bei den Schülern. Der Kontakt Lehrer-Schüler erfolgt via PC, Tablet oder Smartphone. Sollte ein Schüler in diesem Alter kein Smartphone haben und mit Geschwistern und beiden Eltern zu Hause sitzen, wo einer der Eltern wegen Homeoffice den einzigen Rechner beschlagnahmt hat, dann würde diese Schaltung zum Klassenzimmer ins Scheffelgymnasium via Festnetztelefon auch funktionieren. Die Anwesenheit wäre dann eben nur hörbar. „Das reicht auch völlig aus.“

Info

Via neuer Medien

Unterricht via neuer Medien findet im Scheffelgymnasium etwa bei der Hälfte aller Klassen statt. Dazu gehören in der Oberstufe alle Leistungsfächer, die zur Abiturprüfung gehören. In anderen Klassen werden derzeit vor allem die Hauptfächer – Deutsch, Mathematik und Fremdsprachen – auf diese Weise unterrichtet.

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