Lahr - Reichenbach

Vom Feuchtbiotop zum Wohngebiet: Geschichte der Fronmatten

Autor: 
Wolfgang Beck
Lesezeit 3 Minuten
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08. Juli 2020

(Bild 1/2) Vom Acker zur Wohnfläche: Das Gebiet Fronmatten in Reichenbach heute... ©Wolfgang Beck

Im vierten Heimatbrief des Vereins für Heimatpflege und Ortsgeschichte in Reichenbach geht es um die Fronmatten.

Früher waren es Kleingärten und Biotope entlang der Schutter, heute ist es ein Wohngebiet mit  70 Wohnhäusern und schätzungsweise 250 Menschen im Stadtteil Reichenbach. Edgar Baßler vom Verein für Heimatpflege und Ortsgeschichte in Reichenbach ist in der vierten Auflage der Heimatbriefs der Frage nachgegangen, wie sich die Fronmatten in den Nachkriegsjahren verändert haben. 

Die Geschichte, die Edgar Baßler auf  zwölf Seiten niedergeschrieben hat, handelt nicht von der Schönheit eines Gartens oder vom Nutzen eines Biotops.  Es geht um die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, als im südlichen Teil von Reichenbach unmittelbar neben der Schutter jede Menge Kleingärten und Feuchtgebiete das Ortsbild prägten.

Wohnraum wurde gebraucht

Weil in den 1950er-Jahren viele Kriegsheimkehrer und Flüchtlinge eine Wohnung suchten, war damals die Gemeinde Reichenbach samt ihrer Ortsansässigen vor große Herausforderungen gestellt. „Wo sollen wir die vielen Menschen unterbringen?“ war damals eine an Politik, Verwaltung und von Einheimischen oft gestellte Frage. 

Die Verantwortlichen wussten Rat, wenn auch nicht gleich und oft durch Drängen der Bauwilligen. Denn nicht anders ist es zu erklären, dass Reichenbach in nur 70 Jahren (1950 bis 2020) von rund 1500 Einwohnern auf mehr als das Doppelte (3100) anwachsen konnte. Mit den Menschen haben sich auch die Bauflächen vervielfacht. 

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Wo noch vor 70 Jahren Äcker und Wiesen, Gärten und Brachland waren, schreibt Baßler, erschließen heute asphaltierte Straßen eine ganze Reihe weiter wachsender Wohngebiete. Eines davon ist die Fronmatte. In den Fronmatten mussten damals die gemeindeeigenen Kleingärten an der Schutter weichen. Kein Platz war damals mehr für die etwa einhundert Meter lange Schilffläche, die nach heutigem Verständnis sicher ein Biotop sein würde. 

Fünf Pfennige pro Quadratmeter

Edgar Baßler hat in zahllosen Gemeinderatsprotokollen geblättert und eine Entwicklung aufgezeigt, durch die ein Baugebiet in den 1970er-Jahren erschlossen wurde. In der Rückblende tauchten die ersten Bauwilligen der Fronmatte auf: Lorenz Denzinger war darunter, dem wie vielen Wohnungssuchenden nicht sofort ein Bauplatz angeboten wurde.

Detailliert wird beschrieben, wie das Gemeindeland der Fronmatte mit vier Hektar Fläche sich vom Charakter eines Acker- und Schilflandes zum Wohngebiet entwickelte. „Die Initiative zur Beschaffung von Wohnbaufläche auf der Fronmatte ging zunächst nicht vom Gemeinderat, sondern von den Dorfbewohnern aus“, schreibt Baßler. Dazu zählte Josef Zimmermann, der in der Nähe des Dorf-Badeplatzes an der Schutter baute, aber auch Julius Benz. 

Die Bautätigkeiten nahmen zu, seitens der Verwaltung wurde der Ortsbauplan erweitert, daneben auch die Kleingartenanlage auf der Fronmatte. Zunehmend wurden Bauanträge genehmigt, die Bauplätze meistens in Erbbaurecht vergeben. Der Zins hat teilweise fünf Pfennige pro Quadratmeter betragen.

Wie Baßler schreibt, hat später die Lahrer Siedlungsgenossenschaft Interesse an den Fronmatten gezeigt. In dem Beitrag  tauchen interessante Beschreibungen über „Versuchslöcher im feuchten Untergrund“ auf. Daneben werden Hintergründe über Landeskredite mit Bedingungen angeführt sowie ein neuer Gestaltungsplan für die Fronmatte, der davon ausging, dass sich die gemischte Kleingarten- und Biotopfläche zu einem reinen Wohngebiet entwickeln konnte. Heute stehen dort etwa 70 Wohnhäuser. 
 

Stichwort

Heimatbrief

Wie der Verein für Heimatpflege und Ortsgeschichte Reichenbach mitteilt, soll der vierte Heimatbrief wiederum an alle Haushalte in Reichenbach verteilt werden. Weitere Heimatbriefe können bei Elektro Billian oder beim Vorsitzenden Albert Beck, Fliederstraße 10, in Reichenbach abgeholt werden. „Der Verein lebt, die Heimatbriefe beweisen es“, sagen die Verantwortlichen. „Die Resonanz auf die bisherigen Heimatbriefe war groß“, betont  Albert Beck. Die Corona-Pause wurde genutzt, um  über weitere Themen für die neuen Heimatbriefen zu brüten.  

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