Zweiter Weltkrieg in Schwanau

Vor 75 Jahren: Wittenweier hat eine Frauenfeuerwehr

Autor: 
Thorsten Mühl
Lesezeit 3 Minuten
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26. Juni 2019
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Ein Mahnmal gedenkt an die Opfer. ©Thorsten Mühl

Was ist vor 75 Jahren während des Zweiten Weltkriegs in Meißenheim und Schwanau passiert, welche Spuren wurden hinterlassen? In einer zweiteiligen Serie am Mittwoch wirft der Lahrer Anzeiger einen Blick auf die damaligen Geschehnisse. Heute: Wittenweier. 

Vor 75 Jahren wurden die Einwohner Wittenweiers beständig an den noch immer andauernden Krieg erinnert. Bereits 1943 war südöstlich der Ortslage auf einer Wiese mit provisorischen Mitteln ein kleiner Flugplatz für sechs Kampfflugzeuge vom Typ Messerschmidt Bf 109 angelegt worden. Doch die Bomber blieben aufgrund chronischen Spritmangels meist am Boden. Als sich die Westfront immer weiter verschob und heranrückte, wurden die sechs Maschinen Ende 1944 nach Donaueschingen verlegt. 

Im Kriegsdienst

Da sämtliche waffenfähigen Jungen bis 16 Jahre zum Kriegsdienst herangezogen wurden, entstand im Rieddorf zur Brandbekämpfung eine 18-köpfige Frauenfeuerwehr: Lina Brombacher, Irma Ebert, Friedhilde Kof, Hedwig, Erna, Elise, Emilie und Lisbeth Läßle, Elise Läßle-Heimburger, Brunhilde Leser, Friedhilde Meier, Friedhilde und Hanna Roll, Hermine Schiff, Martha Schumacher, Lydia Siefert, Maria Zeller, Mathilde Zipf. Im August schaffte die Gemeinde eine Tragkraftspritze samt Zubehör für die Frauenwehr an. Der Kreisfeuerwehrverband stellte darüber hinaus Kombinationsanzüge und Gummistiefel zur Verfügung. 

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Das Herannahen der Westfront brachte es ständig mit sich, dass Wittenweierer Luftraum durch amerikanische Bomberverbände überflogen wurden. Zumeist lief das folgenlos ab, ehe im Mai 1944 ein Bomber in Nonnenweier abstürzte. Ein überlebendes Besatzungsmitglied des B-17 stürzte in den Rhein (Wittenweierer Gemarkung) und wurde durch einen Fischer gerettet. Anschließend setzte man den GI gefangen, der nach diversen Verhören nach Lahr abtransportiert wurde. 

Mehr und mehr zum Kriegsschauplatz

Im Dezember wurde Wittenweier angesichts des heranrückenden Kriegsgeschehens bis auf rund 15 Personen komplett geräumt. Auch das Vieh nahmen die Bewohner, die zumeist nach Schuttertal evakuiert wurden, mit. Der spätere Bürgermeister und Ortsvorsteher Wilhelm Schlager erinnerte sich, dass die Evakuierten in ihren neuen Unterkünften bestens aufgenommen wurden. »Bei nahezu allen Gastfamilien bestand Familienanschluss«, so Schlager. Derweil wurde Wittenweier mehr und mehr zum Kriegsschauplatz. Im Januar 1945 kamen beim ersten Luftangriff der Alliierten zwei Menschen ums Leben. Bis Mai wurden vier Anwesen völlig zerstört, 37 schwer und 23 leicht beschädigt. 

Am 19. April 1945 besetzten französische Truppen Wittenweier, nach Kriegsende Anfang Mai konnten allmählich die Bewohner wieder zurückkehren. 37 Wittenweierer Soldaten fielen im Zweiten Weltkrieg. Der Wiederaufbau war mühsam und dauerte Jahre. Immerhin wurde jedoch relativ schnell wieder der Schulunterricht aufgenommen. In einem einzigen zur Verfügung stehenden Schulraum wurden vormittags 25 bis 30 Schüler der Klassen fünf bis acht, nachmittags dann 23 Schüler der Klassen eins bis vier unterrichtet. Lehrer war der Lahrer Kurt Frieß.

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