Friesenheim - Schuttern

Warum Friesenheimer Familien ihre Namen tragen

Autor: 
Hans Weide
Lesezeit 4 Minuten
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21. Juni 2018
Wenn es um die Erklärung von Familiennamen geht, ist Professor Konrad Kunze ganz in seinem Element. Am Mittwoch war er in Schuttern.

Wenn es um die Erklärung von Familiennamen geht, ist Professor Konrad Kunze ganz in seinem Element. Am Mittwoch war er in Schuttern. ©Hans Weide

Warum heiße ich so? Der bekannte Namensforscher Konrad Kunze gab in Schuttern darauf Antworten und beleuchtete auch Familiennamen in der Großgemeinde. 

Es ist nicht nur ein wissenswerter, sondern immer auch ein sehr unterhaltsamer Abend, wenn Professor Konrad Kunze aus Freiburg Herkunft, Bedeutung und Verbreitung von Familiennamen erklärt. Das konnten wieder einmal gut 50 Zuhörer erleben, die im Proberaum der Feuerwehr Schuttern erschienen waren. Eingeladen hatte der Historische Verein, dessen Vorsitzender Martin Buttenmüller anführte, dass das nicht einfach gewesen sei den renommierte Professor, bekannt aus Rundfunk- und Fernsehsendungen, zu bekommen. Er ist heiß begehrt – auch bei der Mittelbadischen Presse. Seit zwei Jahren erklärt er auf der Ortenau-Seite sechs Tage die Woche Namen.

Kunze hatte seinen Vortrag in zwei Teile gegliedert. Zunächst ging er allgemein auf Geschichte und Bedeutung der deutschen Namen ein. Vor etwa 800 Jahren sind Familiennamen in Deutschland entstanden. Bis dahin waren nur Vornamen gebräuchlich. Doch durch die Entstehung der Städte wurde eine bessere Unterscheidung der Menschen nötig. Fünf Möglichkeiten kristallisierten sich heraus. Am häufigsten wurde aus dem Vornamen des Vaters der Familienname – mit Variationen von Nord bis Süd. Durch Hörfehler bei Eintragungen im Standesamt oder in Kirchenbücher gab es Namensvarianten – aus Hieronymus wurde Ohnemus. Auch Herkunfts- oder Wohnort hielten als Nachname her oder Örtlichkeiten wie Berg oder Moos. Sehr beliebt war es auch, den Beruf als Namen zu nehmen – Schneider im Süden und Schröder (nach Schroten/Zerkleinern) im Norden. Viele Namen beziehen sich auch auf das Aussehen oder besondere Eigenschaften des Betreffenden – Klein oder Fleig (Flink). 

Dann erklärte Kunze eine Reihe von Namen, die besonders in Friesenheim vorkommen. Dazu hatte ihm der Historische Verein zuvor eine entsprechende Liste geschickt. Einige hatte er bereits in seinem vorausgegangen Ausführungen angesprochen. Wie Rudolf, ein Nachkomme eines Rudolf, oder Gallus und Killius, die sich auf die Heiligen St. Gallus und St. Killius beziehen. Viele Friesenheimer Namen sind germanischen Ursprungs. Sie werden teilweise in den unterschiedlichsten Schreibformen geführt, weisen aber jeweils auf einen Namen hin. Dies trifft unter anderem für Gießler von Giselher, für Hertwig, von Hartwig, Erb von Erbo oder Hugelmann von Hugo zu. Viele Namen wurden gerade im süddeutschen Raum halbiert. In Friesenheim ist dies erkennbar an Fried für Friedrich, Eber für Eberhard, Wulf für Wolfgang, Heitz für Heinrich, Bär für Bernhard, Kopp für Jakob und Jäckle für Jakobus.

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Bei den Namen im Hinblick auf den Herkunfts- oder Wohnort fallen in Friesenheim Moser und Gruber auf, deren Vorfahren in einer tief liegenden Fläche zu Hause waren. In der Schweiz heißen diese übrigens Huber, was darauf deutet dass die Friesenheimer Huber von dort kommen. Im Gegensatz dazu steht der Name Blattmann, der wahrscheinlich auf einer höheren platten Fläche gewohnt hat. Vergleichbar auch mit Hügel oder Bühler, die auf einer Anhöhe zu Hause waren. 

Es gibt aber auch Mehrdeutungen wie zum Beispiel bei Eichhorn. Der Vorfahre könnte in einem Haus aus Eichen gewohnt oder mit Fellen gehandelt haben. Dies trifft auch für den Namen Buttenmüller zu, der eine Abweichung von Müller oder ein Müller mit einer Butte auf dem Rücken gewesen sein kann.

Die häufigsten deutschen Berufsnamen finden sich auch in Friesenheim. Darüber hinaus fallen auf: Silberer, ein Mann, der mit Silber oder Gegenständen aus Silber gehandelt hat, Surbeck, ein Bäcker, der Sauerteigbrot backte, Gutbrod, der gutes Brot gebacken hat, und der Schweinezüchter Mast oder der Fuhrwerkbesitzer Rossler. Bei den Namen nach dem Aussehen ist Friesenheim neben Schwarz, Groß, Klein, Glatz (ohne Haare) unter anderem mit Rapp für Rabenschwarz vertreten. 
Namen, die ein bestimmtes Verhalten der Vorfahren andeuten, sind zum Beispiel Greiner, ein heulender nörgelnder Mensch, oder Eisenbeis, was auf einen besonders kräftigen Mann hinweist. Lediglich mit den Namen Kadenbach und Schaubrenner wusste Kunze nichts anzufangen. 

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Sie wollten schon immer wissen, wo Ihr Familienname herkommt? Unser Namensexperte Prof. Dr. Konrad Kunze aus Freiburg beantwortet die Frage auf der Seite Ortenau. Einsendungenper E-Mail an namensserie@reiff.de
oder per Postkarte an Mittelbadische Presse, Hauptstraße 83 a, 77652 Offenburg. In beiden Fällen neben Vor- und Familiennamen den Wohnort angeben.

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