1000 Jahre Allmannsweier

Was in 1000 Jahren in Allmannsweier alles passiert ist

Thorsten Mühl
Lesezeit 3 Minuten
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12. November 2015
1907 wurde in Allmannsweier groß gefeiert, dass 100 Jahre zuvor der Wald gekauft werden konnte.

1907 wurde in Allmannsweier groß gefeiert, dass 100 Jahre zuvor der Wald gekauft werden konnte. ©privat

Allmannsweier feiert 2016 sein 1000-jähriges Bestehen. Zur Einstimmung auf das Jubiläum startet der Lahrer Anzeiger heute die wöchentliche Serie »Ich bin Allmannsweier« und wirft einen Blick zurück in die Historie des Rieddorfs, das seit 1972 Bestandteil von Schwanau ist.

Erstmals erwähnt wurde Allmannsweier 1016. In einer Urkunde von Kaiser Heinrich II. taucht in der Liste der Liegenschaften, die der Monarch dem Kloster Schuttern übertrug, der Name des Dinghofs »Almensweiler« auf. Über die kommenden Jahrhunderte hinweg hat die Herrschaft über die Allmannsweierer Güter vielfach gewechselt. Über die Vogtei des Klosters Schuttern herrschten seit dem 12. Jahrhundert die Geroldsecker, seit 1278 die Hohengeroldsecker. In deren Händen fungierte Allmannsweier als Reichslehen, wobei ein Drittel des Gebiets zum Straßburger Hochstift gehörte.

Die weiteren Herrschaftsverhältnisse lassen sich minutiös nachzeichnen, zum Beispiel von Graf Eberhard von Werdenberg (ab 1350) bis hin zur Stadt Straßburg (1501). Einschneidend war die Herrschaft der Familie von Boecklinsau (1528 bis 1806), denn sie führte Allmannsweier in die Reformation. Das Straßburger Drittel des Lehens ging 1663 an Johann Christoph von der Grün. Der Straßburger Einfluss ist aus Allmannsweierer Sicht bis heute prägend. Die Konvertierung zum Luthertum war auf eine Straßburger Entwicklung zurückzuführen.

1805 wurde Allmannsweier infolge des Reichsdeportationshauptschlusses und dem damit einhergehenden Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation badisch. Der langjährige Schulleiter Reinhold Bieber drückt die Folgen so aus: »Damit hatte die Zeit der politischen Wechselfälle, welche die Gemeinde Allmannsweier direkt betrafen, ihr Ende genommen.«

»Erster Sozialplan«

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Geprägt wurden der Riedort und seine Entwicklung jahrhundertelang von der Landwirtschaft. Vor allem die Umstellung von Weidewirtschaft auf Stallfütterung bescherte der Kommune im 19. Jahrhundert einen stetig steigenden Wohlstand. Pferdezucht, später Tabakanbau und Viehzucht, waren wesentliche Elemente im Zuge der Dorfentwicklung. Prägend war auch der Gemeindewald als Holzquelle, der 1807 gekauft werden konnte. Was vielen im Kontext des Bürgerholzes gar nicht bewusst ist: Gerade für arme Menschen hatte das Genussrecht eine lebensrettende Bedeutung. »Noch vor Bismarck stellte die Einrichtung eine Art ersten Sozialplan dar«, berichtet Fritz Heimburger, der zwischen 1954 und 1995 Revierleiter in Allmannsweier war.

Die über Jahrzehnte hinweg selbständige Gemeinde wäre zu Beginn der 70er-Jahre aus damaliger Sicht kaum weiterhin lebensfähig gewesen. Daher schloss sich der Riedort 1972 mit Ottenheim, Nonnenweier und Wittenweier zur neuen Gemeinde Schwanau zusammen. Ein wesentlicher Grund dafür war, eine öffentliche Verwaltung in einem wirtschaftlich machbaren Rahmen betreiben zu können. Dank dieses Schritts konnten wichtige Vorhaben, unter anderem Kinderschule (1974/75), Leichenhalle (1975), landwirtschaftlicher Wegebau (1976) und der Bau der Silberberghalle (1977/1978), realisiert werden.

Weltunternehmen

Beim heutigen Allmannsweier handelt es sich vor dem anstehenden Jubiläum um ein durch zahlreiche gut erhaltene Fachwerkhäuser gekennzeichnetes Dorf mit dem klassischen Ried-Flair. Prägend für das Erscheinungsbild sind unter anderem die zwischen 1781 und 1783 entstandene Kirche mit Schieferkuppelturm und Blasius-Schaxel-Orgel sowie das 1861 errichtete Rathaus. Weltweite Bedeutung hat der Dorfname durch die seit 1980 im Ort ansässige Herrenknecht AG (rund 5100 Mitarbeiter/Jahresumsatz 2014: 1,2 Milliarden Euro) erhalten. Unternehmenskopf Martin Herrenknecht, ein Sohn Allmannsweiers, ist Ehrenbürger der Gemeinde. Auch er freut sich auf das Jubiläumsjahr in der Heimat, bei dem Gestern und Heute des Rieddorfs gefeiert werden sollen.

Stichwort

Rund um die Geschichte

Bürgerholz
Nicht alltäglich ist das Recht auf das Bürgerholz. 1807 konnte die Gemeinde das Geld für den Kauf des Walds nicht aufbringen, so dass 177 Männer für die erforderlichen 40 000 Gulden bürgten. Damit ging das Recht einher, jährlich zwei Ster Holz zum Holzarbeiterpreis zu schlagen. Auch wenn der Brennholzbedarf in über 200 Jahren stark fiel, so legt der Ortschaftsrat bis heute jährlich den Preis für das Bürgerholz fest. Über 30 Menschen nehmen das Recht heute noch in Anspruch. Der Preis liegt seit Jahren bei 40 Euro für zwei Ster Holz. Bei der Hütte im Allmannsweierer Wald erinnern heute Gedenksteine an das 150. und das 2007 gefeierte 200. Jubiläum des Gemeindewaldkaufs.

Zum Ortsnamen
Mehrfach wechselte der Dorfname. Es wird vermutet, dass an der Stelle des heutigen Rieddorfs rund 600 nach Christus ein Weiler gegründet wurde. Das Sippenoberhaupt könnte Adelmar oder Almar geheißen haben. Die Bezeichnung durchlief die Stufen Albeswilre (1135), Almeswilre (1296), Almersweilre (1356) und Almeschwiller (1414). 1453 wird der bis heute gültige Name erstmals dialektal in einer Urkunde des Klosters Schuttern erwähnt. In dem Dokument heißt es »Almeschwir in dem dorff«.

Zum Wappen
Zum Allmannsweierer Wappen existieren zwei Deutungen. Im Kreis-Wappenbuch wird es so beschrieben: »In Rot eine goldene Marke in Gestalt eines Rings mit Balkenleiste.« Die Allmannsweierer selbst bevorzugen diese Fassung: »Das Wappen zeigt auf rotem Hintergrund das goldene Dorfzeichen in Form eines quergeteilten Sesters.« Ein Sester ist ein Hohlmaß, mit dem früher zum Beispiel Getreide abgemessen wurde.

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