Schwanau - Allmannsweier

Wenn der Tod ins Leben tritt

Autor: 
Thorsten Mühl
Lesezeit 3 Minuten
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22. April 2014

Organist Martin Groß und Schauspielerin Jutta Klawuhn boten eine gelungene Melange aus Texten und klassischen Werken zu den Osterthemen Leben, Tod und Auferstehung. ©Thorsten Mühl

Kirchenmusiker Martin Groß und Rezitatorin Jutta Klawuhn stimmten bei der Abendmusik am Karfreitag auf Ostern ein. Die Zuhörer erlebten besinnliche 80 Minuten in der Allmannsweierer Dorfkirche.

Schwanau-Allmannsweier. Seit rund 20 Jahren können sich Zuhörer jeweils am Karfreitag in der Allmannsweierer Dorfkirche auf besondere Weise in österliche Stimmung versetzen lassen. Die Abendmusik von Martin Groß ist ein Format, das sich etabliert hat und einen treuen Besucherkreis anzieht. Diesen Freitag wurde Groß, der die Blasius-Schaxel-Orgel als »prädestiniert für Formate wie die Abendmusik« bezeichnet, von der Ravensburger Schauspielerin Jutta Klawuhn unterstützt.

Klawuhn setzte Kontrapunkte zu Groß' Orgelspiel und rezitierte eine Fülle von Texten aus der Weltliteratur. Gemeinsam ergaben beide Komponenten ein Gesamtkonzept, das sich an den übergeordneten Themen Leben und Umgang mit dem Tod vor dem Hintergrund des Osterfestes orientierte.

Im ersten Teil spielte Martin Groß zunächst eine dreisätzige Sonate Johann Joseph Fuxins in d-moll. Die kurzen Sätze bargen in sich Stimmungen, wie sie typisch sind für die Entwicklung des Osterfestes von Kreuzigung Jesu bis zu seiner Auferstehung: düster-opulent über wehmütig-hoffnungsvoll bis hin zum Finale, das triumphierend-kraftvoll ausklingt. Jutta Klawuhn zitierte dazu Texte aus dem Barock, etwa von Andreas Gryphius (»Abend«) oder Anton Ulrich Herzog zu Braunschweig-Wolfenbüttel (»Sterbelied«).

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Tod und Vergänglichkeit sind beherrschende Motive, denen Klawuhn durch Worte von Johann Christian Günthers »Trostaria« die Überwindung von Leid gegenüberstellte. Kontrastierend zum Barock standen drei Impressionen,
die Martin Groß als »Stimmungsbilder für Orgel« zum Besten gab – verschachtelte Klangbahnen, die den Zuhörer mit dem  Leben, seinem Ende und der Frage, was danach kommen möge, ganz bei sich im stillen Nachdenken ließen. Dazu passte Carl Zuckmayers »Nachtgebet«.

Im zweiten Teil der Abendmusik rückte Martin Groß die Komponisten des Barocks in den Mittelpunkt. Mit »Wie durch einen der Tod« aus dem »Messias« war Georg Friedrich Händel prominent vertreten. Jutta Klawuhn zitierte an dieser Stelle Texte der jüdischen Dichterin Rose Ausländer, wie »Noch bist du da« und »Sonett in Moll«. Aber auch Eva Strittmatters »Werte« waren vertreten. Das Stück enthält eine Mahnung an den Zuhörer, die Einzigartigkeit seines Lebens wert zu schätzen: »Und das Leben kommt dem zu teuer, der es zu billig auffasst.«

Ein von Martin Groß für Orgel adaptiertes Präludium in g-moll von Johann Sebastian Bach stellte im zweiten Teil einen weiteren Höhepunkt dar. Hieran schlossen sich Worte des Philosophen Martin Huber aus dem Jahr 1923 an: »Liebe ist die Verantwortung eines Ichs für ein Du.« Gewaltig fiel das Abschlussstück des Abends aus. Nachdem Jutta Klawuhn aus der Bibel Jesu Kreuzigung, Grablegung und Auferstehung (Markus 15, 22 bis 16, 8) zitierte, improvisierte Martin Groß frei zu dem Choralthema »Das Grab ist leer, der Held erwacht«.

Die Allmannsweierer  Abendmusik, deren Erlös erneut dem Albert-Schweitzer-Hospital in Lambaréné im Afrikastaat Gabun zugutekommt, bot wieder einmal hohe Qualität. Es blieb jedoch fast zu wenig Zeit, die tiefe Sinnhaftigkeit der Texte vollständig zu erfassen.

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