Naturschutzbund berichtet

Wie es in Lahr um das Artensterben steht

Autor: 
Endrik Baublies
Lesezeit 3 Minuten
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22. Mai 2019

Udo Baum (links) und Wolfgang Bahr (2. von rechts), Vorstände des Lahrer Nabu, stellen Politikern der SPD die Probleme des Artenschutzes und des Naturschutzes vor. Johannes Fechner (2. von links), Carsten Träger, Umweltpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion (Mitte) und SPD-Gemeinderat sowie Mitglied des Nabu, Walter Caroli (rechts). ©Endrik Baublies

Udo Baum und Wolfgang Bahr, die Vorstände des Naturschutzbundes (Nabu), erklärten am Montagabend, wer hier unter den Arten wo und vor allem wie dramatisch gefährdet oder sogar bereits verschwunden ist.

Das Artensterben ist in Lahr klar zu erkennen. Derzeit sind weltweit eine Million von etwa acht Millionen Arten, die es derzeit auf diesem Planeten an Lebewesen gibt, vom Aussterben bedroht. Das ist die nüchterne Erkenntnis des Rates der weltweiten Biodiversität. 

Johannes Fechner, SPD-Bundestagsabgeordneter des Wahlkreises Lahr-Emmendingen, hatte den Umweltpolitischen Sprecher der Fraktion, Carsten Träger aus Mittelfranken, zu einem Gespräch mit dem Lahrer Nabu eingeladen. Udo Baum und Wolfgang Bahr vom Vorstand sowie Walter Caroli, als Mitglied des Nabu, stellten die Arbeit sowie die Bemühungen um Arten- und Naturschutz am Montagabend im Stützpunkt am Hohbergsee vor.

Das Insektenhotel, das am Nabu-Stützpunkt Hohbergsee vor Jahren gebaut worden war, steht seit Längeren fast leer. Bahr erklärte bei einem kurzen Rundgang nach dem Wolkenbruch am Abend, dass es derzeit nur noch einige Schlupfwespen gebe, die hier einen Unterschlupf suchten. Die Vielfalt an Bienen, Schmetterlingen oder anderen Insekten, die es hier vor Jahren noch gegeben hatte, ist in Lahr und Umgebung längst nur noch Erinnerung. 

Zu trockenes Vorjahr

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Das gelte auch für die Vielzahl von Amphibien, für die der See vor zwei Jahren aufwendig entschlammt worden ist. Bahr und Baum schätzen, dass es dieses Jahr nur noch etwa 40 Prozent an Amphibien in diesem einzigartigen Biotop geben würde. Das sei, so der Tenor, die Schuld des vergangenen Jahres, das eindeutig zu heiß und zu trocken gewesen ist. Das Jahr 2018 nannten sie da aber nur als ein Beispiel. Der erscheckende Rückgang vier Arten in der Region habe sich seit Jahren bemerkbar gemacht, heißt es.

Bahr drückte es plastisch so aus: »Wir sprechen für die, die nicht sprechen können.« Nicht nur der Nabu in Lahr wollte deutlich machen, wie erschreckend groß das Artensterben inzwischen auch in der Region ist. Die Vertreter des Nabu zählten neben vielen Insekten auch etliche Vogelarten oder Fledermäuse auf, die hier sehr schnell nahezu verschwunden sind. 

Umgekehrt gebe es aber auch einige wenige Lichtblicke. Die Vorstände des Nabu waren stolz, dass es hier wieder 25 bis 30 Brutpaare der Schleiereule gibt. In den 1980er-Jahren hat der Nabu hier gerade einmal noch zwei Männchen ausfindig machen können.

Einig waren sich sowohl die Politiker als auch die beiden Naturschützer, dass es eine Unterscheidung zwischen Ökologie und Sozialpolitik nicht mehr geben würde und vor allem auch nicht mehr geben dürfe. Gera-de Arten- und Naturschutz seien von vielen anderen Politikfeldern nicht mehr zu trennen.

Info

Der Naturschutzbund Lahr

Der Nabu in Lahr unterhält unter anderem das Biotop Hohbergsee, wo der Verein mit 1300 Mitgliedern einen Stützpunkt hat. Neben der Biotoppflege können hier Amphibien laichen. Zu Arten, die der Nabu pflegt, gehören Steinkäuze und Schleiereulen, Fledermäuse unter anderem mit Nistkästen im Stadtpark sowie Schwalben oder Mauersegler. Der Schutz einheimischer Orchideen gehört auch dazu. Der Dreiklang Mensch, Tier und Umwelt ist das Nabu-Leitbild. 

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