Friesenheim-Oberweier

Herkunft: Wieso Sandsteine vor dem Pflegezentrum Emmaus liegen

Autor: 
Ekkehard Klem
Lesezeit 3 Minuten
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03. Juli 2020

Die Sandsteine erinnern heute in der Außenanlage des Emmaus an verstorbene Bewohner des Pflegeheimes. ©Ekkehard Klem

Ein Gebilde aus großen Steinen steht vor dem Pflegezentrum Emmaus in Oberweier. Ihre Herkunft hat eine Geschichte.

Als im Jahr 1974 oberhalb der Bebauung des Gebietes „Im Breiten Feld“ die Baugrube für das Pflegezentrum Emmaus  ausgehoben wurde, hat es in dem ansonsten steinfreien Lößlehm einen überraschenden Fund von mehreren großen Sandsteinbrocken gegeben. Schnell wurde aufgrund von Spuren vermutet, dass es sich um sogenannte Menhire handelt – wie sich später zeigte, ein Irrtum.

Der damalige Oberweierer  Ehrenbürger, Heimatforscher und Pfarrer Friedrich Schleicher entdeckte die Fundstücke und informierte die Gemeindeverwaltung und die zuständige Archäologie über den Steinfund.

Die Friesenheimer Historiker und der Archäologische Arbeitskreis des Historischen Vereins für Mittelbaden unter Federführung von Josef Naudascher waren schnell zur Stelle. Um den Baufortschritt nicht zu behindern, wurden die Felsbrocken aus der Baugrube geborgen und auf dem Baugelände zwischengelagert. Das zuerst Erstaunliche am Fund war die Frage, wie diese schweren Sandsteinbrocken in die Fundlage gekommen waren: Der Baugrund des gesamten Gebietes in der Hanglage unterhalb des Waldes, besteht aus reinem fruchtbaren, gelben Lößlehm, Geröll befand sich nicht darin. Eine erste Untersuchung des Fundmaterials zeigte viele Schleifspuren.

Durch Menschen verursachte Veränderungen am Stein, Inschriften oder Runenzeichen waren indessen nicht vorhanden. Trotz allem lag für die Ortschronisten und archäologischen Helfer die Vermutung sehr nahe, dass es sich um Menhire handelte. In der bretonischen Umgangssprache versteht man unter einem Menhir einen langen aufrecht stehenden Stein oder eine Steinsäule. Im deutschen Sprachraum findet man die Bezeichnung Hünenstein (Riesenstein) – vielen Menschen wurden solche Steine auch über eine Comic-Serie bekannt: die Hinkelsteine des Comic-Helden Obelix.

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Warum wurden in der Steinzeit Menhire erstellt? Man vermutet, dass die in den Himmel zeigenden Steinsäulen die magischen Kräfte der Götter auf die Erde bringen sollten. Menhire gibt es in der Region in Ortenberg  in den Weinbergen beim Schloss. Es handelt sich dort um einen roten Granitstein, in unmittelbarer Nähe einer jungsteinzeitlichen Siedlung. In Offenburg-Rammersweier wurde 1993 bei Straßenbauarbeiten ein Menhir aus grauem Granit gefunden, dieser wurde an der Fundstelle neu aufgestellt.

Der Archäologe Wolfgang Struck, der zeitgleich für die Gemeinde Friesenheim die Römersiedlung restaurierte, besichtigte  die Sandsteinbrocken, konnte jedoch keine Hinweise auf einen Menhir finden. Er schlug aber vor, die Steine in der Außenanlage des Seniorenwohnheimes zu präsentieren. 

Steinbild wird zur Erinnerungsstätte

Weitere größere Steinfunde gab es in den Jahren 1988/89  bei der Verlegung der Friesenheimer Wasserleitung vom Hochbehälter Oberschopfheim zum Scheitelhochbehälter am Vollmer in Oberweier. Tonnenschwere Sandsteinblöcke versperrten den Baumaschinen den Weg – somit wurde auch das Geheimnis der scheinbaren Menhire gelöst: Es ist anzunehmen, dass die Steinblöcke durch Erosion und Regenfälle im Laufe der Jahrtausende vom Scheibenberg auf dem rutschigen Lößlehm ins Tal geschwemmt wurden. Das Steingebilde vor dem Emmaus dient heute als Erinnerungsstätte für verstorbene Hausbewohner.

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