Comedy und Poetry Slam

Zweite Auflage der Veranstaltungsreihe "Seeleben" kommt an

Autor: 
Endrik Baublies
Lesezeit 3 Minuten
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16. September 2019

Kai Bosch überzeugte die Besucher des Poetry-Slams – trotz oder gerade wegen seines Handikaps. ©Endrik Baublies

Die zweite Auflage der Reihe »Seelebens« kam besser an, als der Auftakt im August. Volle Ränge beim Poetry Slam am Freitag, knapp 100 Gäste bei der »Comedynacht« am Samstag und ein gut besuchter Auftritt von »Helmut Dold’s Dixie-Quartett« am Sonntag waren die Resonanz im Seepark.

Marvin Suckut, der seit Jahren den »Poetry Slam« in Lahr moderiert, war angesichts der fast geschlossenen Reihen vor der Bühne im Seepark erfreut. Er brachte prompt »die Stadthalle« (heute »Parktheater«) als nächsten Wettkampfort ins Gespräch. Denn wenn so viele Gäste wie am Freitagabend – mehr als 200 – in den Schlachthof kommen würden, könnte das wohl etwas zu »kuschelig« werden.

Wunsch im Finale

Eine andere gelungene Überraschung war Kai Bosch aus Stuttgart, der am Ende der »Dichterschlacht« als einer der beiden Sieger von der Bühne ging. Bosch hat eine spastische Lähmung. Das war zu sehen und zu hören. Der Wettkämpfer ging jedoch mit dem Handikap souverän und mit viel trockenem Humor in die Offensive. Und im Finale äußerte er ausdrucksvoll einen Wunsch: »Menschen mit Behinderungen sollten nicht in Watte gepackt werden.« Dass es dem Stuttgarter gelungen ist, »Barrieren im Kopf zu überwinden«, zeigte der Beifall in den drei Runden. Denn Sieger wird, wer am meisten Dezibel erzeugt. 

Stefan Unser aus Malch, der souverän die Vorrunden ausschlachtete, teilte am Ende den Sieg mit dem Stuttgarter. Einen Achtungserfolg erreichte Laura König aus Lahr. Die junge Frau trat das erste Mal überhaupt in den Ring und erreichte immerhin das Halbfinale.
Bei »Lahr lacht – die Comedynacht« am Samstag waren die Ränge weniger geschlossen. Martin Quilitz, der mehrfach während der Landesgartenschau hier moderierte, begrüßte »90 Zuschauer auf den Stühlen« und »150 Zaungäste«. Die Sicht von den Balkonen der Hochhäuser in der Römerstraße über den See sei ja auch fantastisch. Mit fünf Künstlern war das Programm gut und hätte mehr Besucher verdient. 

Imaginäres Auto

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Fabien Kachev sorgte für viel Heiterkeit im Publikum. Er fuhr mit einem imaginären Auto, indem er sich auf einem einfachen Stuhl setzte. Die Kenner merkten sofort: Eine französische Luxuskarosse, denn die Armaturen ähnelten einem Cockpit. Kachev erzeugte Geräuschen, Gesten und Grimassen und zeigte alles, was im Straßenverkehr schiefgehen kann. Der Blechschaden – sprich die Lachsalven – waren enorm. 

Mila Roujilo schaffte es mit acht Bällen zu jonglieren – ohne Schaden zu nehmen. Das sah umwerfend gut aus. Die Artistik von Thomas Staath bestand aus Kraftakten. So mancher Zuschauer stellte sich sicher die Frage, ob die Schwerkraft bei diesem Künstler aussetzte. Liza Kos, rheinländische Rohnatur mit Migrationshintergrund, erzählte, wie sie von der »Metropole Moskau auf’s Land zog« – sprich nach Deutschland, genauer gesagt Aachen. 

Ebenfalls Wahlrheinländer ist Marius Jung. Seine Interpretation der Deutschen Nationalhymne war großartig. Passend dazu war sein Kommentar. Jung erinnerte daran, dass die deutsche Fuß-ballnationalelf diese Hymne auch singen würde. In den USA hingegen würden Profis so eine Aufgabe übernehmen, also Menschen, die singen können. Der Seitenhieb galt einer Schallplatte, die einst die Nationalmannschaft von 1974 aufgenommen hatte. Die Fußballmannschaft, die zuerst gegen das DDR-Team verlor, dann aber gegen Holland Weltmeister wurde. 

Am Sonntag war der Besuch gut. Das lag am Kaiserwetter mit rund 30 Grad am Mittag und am Lahrer Entertainer »Hämme« alias Helmut Dold und seinem Dixiequartett. Zusammen mit Pierre Paquette, Berthold Klein und Wolfgang Mörike ließ der Musiker den Jazz der Anfangszeit hochleben. Das zog auch viele Zuschauer zum »Seeleben«. Die  zweite Auflage kam besser an.

 

Info

Nächste Veranstaltungen

Das nächste »Seeleben« findet vom 3. bis 6. Oktober statt, der nächste Poetry-Slam am 20. Dezember im Schlachthof.

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