Prozess

Drei Männer sollen 100.000 Euro aus Wohnung geraubt haben

Autor: 
Volker Gegg
Lesezeit 4 Minuten
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12. Februar 2019

100 000 Euro aus einer Wohnung in Lahr geraubt: Zwei Angeklagte wurden verurteilt, einer bekam einen Freispruch. ©Archiv

Zwei Freiheitsstrafen und ein Freispruch waren das Ergebnis von vier Prozesstagen am Offenburger Amtsgericht. Den drei Angeklagten wurde vorgeworfen, aus einem Haushalt in Lahr rund 100.000 Euro geraubt zu haben. Bis zum Schluss blieb ein Schuldeingeständnis aus.   

Es war ein Prozess mit vielen Fragezeichen, jeder Menge Indizien und Zeugenaussagen, aber keinen Tat­eingeständnissen, der am vergangenen Mittwoch vor dem Schöffengericht des Amtsgerichts Offenburg nach vier Verhandlungstagen zu Ende ging. Angeklagt waren drei junge Männer, die am Vormittag des 5. Oktober 2016 in einem Haushalt in Lahr 100 000 Euro Bargeld geraubt haben sollen. Auch ein Laptop der Luxusklasse soll von den Tätern aus dem Haushalt entwendet worden sein. Laut Zeugenaussagen hatte die Wohnungsbesitzerin das Geld nach der Auszahlung einer Lebensversicherung im Haus gelagert. 

Auf die Schliche kam die Justizbehörde den dreien erst ein dreiviertel Jahr später, als ein vermeintlicher Mittäter bei einem Verhör eine entsprechende Aussage zu Protokoll gab und damit die drei ehemaligen Kumpels belastete. Die Sichtung der Social-Media-Kommunikation zweier Angeklagter nach der Tat nahm dabei einen ganzen Prozesstag ein. 

Die Auswertung ergab, dass sich einer der  Täter, der bis dato keinen Eintrag im polizeilichen Führungszeugnis hatte, in einem Luxushotel in Freiburg mit mehreren Prostituierten niedergelassen hatte. Auch prahlte er auf Facebook  mit Bündeln von Geldscheinen über seinen plötzlichen Reichtum. Der Kauf eines 31 500 Euro teuren Mercedes war laut Internet-Beitrag für den jungen Mann ebenfalls kein Problem. Die Sichtung des Whatsapp-Accounts des Angeklagten verriet darüber hinaus, dass er mit seinem ebenfalls auf der Anklagebank sitzenden Kumpel in Streit geraten war über den Verkaufserlös eines Laptops. Dieser als Mittäter Angeklagte hatte ein langes Vorstrafenregister, das von Betrug über Raub bis hin zur Urkundenfälschung reichte. 

Bilder aus dem Internet

Während Richterin Körner die Posts und Messages dieser beiden Angeklagten am dritten Verhandlungstag als relevant einstufte, versuchte Verteidiger Christoph Schneble eine Entlastung zu erwirken. »Beiträge mit Geldscheinen hat mein Angeklagter schon einen Tag vor der vermeintlichen Tat gepostet.« Viele Bilder, die er gepostet habe, stammten aus dem Netz und seien nicht von ihm gemacht worden. 

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Durch Zeugenaussagen wurden zudem alle drei Täter belastet, von dem Geldsegen der Geschädigten gewusst zu haben. So verriet der vermeintliche Schwiegersohn der Geschädigten, dass jede Menge Bargeld bei ihr zu Hause zu finden sei. Im Verlaufe des dritten Prozesstages, Ende Januar, beantragte Wolfgang Reichert, Verteidiger des jüngsten Angeklagten, dessen Alibi zu überprüfen. Der junge Deutsche soll zur vermeintlichen Tatzeit die Schulbank einer Lehrwerkstatt in Offenburg besucht haben. 

Richterin Körner lud den verantwortlichen Lehrer und Werkstattmeister vor, um dies zu überprüfen. »Ich denke, er war da, sonst hätte ich das entweder im digitalen Protokoll oder im Klassenbuch vermerkt«, erklärte der Pädagoge. Allerdings warf der Zeuge ein, nicht immer alles in der weiträumigen Werkstatt im Blick zu haben. Ein oder zwei Stunden Fehlzeit würden nicht immer bemerkt. 

Die Glaubwürdigkeit der Zeugen sowie der Täter war für die Staatsanwaltschaft während des gesamten Prozesses eine Herausforderung. Während die Staatsanwaltschaft die Aussage der Lehrkraft und damit das Alibi des jüngsten Angeklagten für schlüssig erachtete und einen Freispruch in Aussicht stellte, wurden für die beiden anderen Männer Freiheitsstrafen gefordert. 

Für den nicht vorbestraften Angeklagten forderte die Staatsanwaltschaft 19 Monate Freiheitsstrafe, für den vorbestraften Angeklagten 24 Monate, je ohne Bewährung. Verteidiger Marc Kutschera plädierte dagegen wie seine beiden Kollegen für Freispruch, weil »es teilweise sehr problematische Zeugen mit keiner belastbaren Aussage waren«. 

Richterin Körner ging bei ihrem Urteil voll auf den Antrag der Staatsanwaltschaft ein und verhängte 24 Monate und 19 Monate. Der Schüler bekam einen Freispruch, obwohl Körner daran zweifelte, dass er nicht an der Tat beteiligt war. Geärgert habe sich die Richterin, dass während der gesamten über acht Wochen verlaufenden Verhandlung keinerlei Eingeständnisse von Seiten der Angeklagten zu hören waren. So hätten sie die Chance auf eine Bewährungsstrafe verstreichen lassen, so die Richterin. Das Beutegeld müssen die Verurteilten an die Geschädigte zurückzahlen und die gesamten Prozess- und Anwaltskosten begleichen.  

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