Würdigung eines Baumes in Nordrach

200 Jahre alte Fichte wurde ein Opfer des Borkenkäfers

Autor: 
Redaktion
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19. September 2020

(Bild 1/2) Ein mächtiger Stamm zeichnete die 43 Meter hohe „Glasloch-Fichte“ in Nordrach aus. ©Klaus Dieterle

Die rund 200 Jahre alte Nordracher „Glasloch-Fichte“ fiel dem Borkenkäfer zum Opfer. Revierleiter Klaus Dieterle von ForstBW spricht voll Ehrfurcht von dem Baum, der 43 Meter hoch war.

Ein 200 Jahre alter mächtiger Baum wurde nun Opfer eines kleinen Käfers: die „Glasloch-Fichte“ in Nordrach fiel dem Borkenkäfer zum Opfer und musste gefällt werden. ForstBW, Forstbezirk Mittleres Rheintal, würdigt den Baum. Er stand im Nordracher „Glasloch“, das seinen Namen vom Standort der ersten Glashütte hat. Diese stand im Dörrenbach im Ortsteil Nordrach-Kolonie, in der Nähe der Klinik Klausenbach.

ForstBW schreibt: „Sie ist 200 Jahre alt, sie hat einen Stammumfang in Brusthöhe von 3,60 Metern und eine Höhe von 43 Metern. Die ersten zehn Meter sind frei von Ästen. Ihr Stamm weist ein Holzvolumen von 10,2 Kubikmetern auf. 
„Die wohl größte Fichte in meinem Revier ist dieses Jahr leider dem Käfer zum Opfer gefallen“, erzählt Klaus Dieterle, der zuständige Revierleiter des staatlichen Forstreviers Waldstein. In seinem Blick liegen Ehrfurcht und Wehmut. „Für so einen schönen und wertvollen Baum ein unwürdiges Ende“, bedauert der Forstmann. Der am Boden liegende Baum offenbart nun seine ganze Lebensgeschichte. Es sind nicht nur die äußerlichen Merkmale wie Höhe und Umfang, die einen Baum charakterisieren. Der Blick auf die glatte Schnittfläche des Stammes erzählt noch viel mehr. Der Förster hat sich die Mühe gemacht, die Jahrringe zu zählen: es sind 200. Der Baum ist demnach im Jahr 1820 aus einem kleinen Samen erwachsen und damit älter als die Erfindung der Eisenbahn. 

Ringe geben Aufschluss

Die Jahresringe verraten jedoch nicht nur das Alter des Baumes. Sie geben auch Aufschluss über seine Lebensbedingungen. Die Jahresringe der Glasloch-Fichte liegen sehr eng beieinander und sind sehr regelmäßig ausgebildet. „Das bedeutet, dass der Baum zunächst viele Jahre unter einem schützenden Kronendach aufgewachsen ist und später in einem geschlossenen Wald mit gleichaltrigen Bäumen stand“, erklärt Dieterle. Erst vor 50 Jahren – also um das Jahr 1970 – wurden die Jahresringe breiter. Dies könnte auf eine verbesserte Nährstoffsituation durch Stickstoffeinträge aus der Luft und eine erfolgte Freistellung des Baumes zurückzuführen sein. Lässt man den Blick schweifen, fällt auf, dass die umstehenden Bäume wesentlich jünger sind. „Vermutlich wurden damals die gleichaltrigen Nachbarbäume geerntet und diese Fichte blieb als Samenbaum stehen“, überlegt der Forstmann. 

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Ein Grund für das Belassen und Weiterwachsen des Baumes könnte die erkennbare Astfreiheit auf den ersten zehn Metern des Stammes gewesen sein. Denn ein dickes astfreies Stammstück ist wertvolles Holz und bei Furnierherstellern und Schreinern begehrt. Die Forstwirte haben das untere wertvolle Stammstück gekonnt vom restlichen Stamm abgetrennt. 

Zehn Meter entastet

Ein Blick auf die Schnittfläche verrät dem Förster nun auch das Jahr der Astung. „Im Jahr 1884, also vor 136 Jahren, hat sich irgendjemand die Mühe und die Arbeit gemacht, diesen Baum bis in eine Höhe von zehn Metern zu asten“, so der Revierleiter. Von da an legte sich jeden Sommer ein Mantel astfreien Holzes auf den Jahrring des Vorjahres. Das Holz des alten Baumes weist keinerlei Fäule auf und wäre mit seiner guten Holzqualität ein Kandidat für die Wertholzsubmission in Schapbach gewesen. 

Nun kam jedoch der gefräßige Borkenkäfer dem Forstmann zuvor. Er brachte nicht nur den Baum zum Absterben, sondern auch einen Pilz im Schlepptau mit, der das Holz verblauen lässt. Diese Farbveränderung des Holzes bedeutet eine deutliche Wertminderung.

Der Gedanke, wie sich unsere Vorfahren bereits um Waldpflege und Holzqualität bemühten, fasziniert den Förster. Dieser Baum macht deutlich, dass Waldbewirtschaftung immer ein Generationenvertrag ist. Das Bemühen vergangener Generationen und das Vertrauen in die Zukunft bilden die Grundlage für die heutige Arbeit der Förster, Forstwirte und Waldbauern.“

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