Krieg führte ihn in drei Kontinente

Ältester Fessenbacher Ludwig Litterst 101-jährig gestorben

Autor: 
Ursula Haß
Lesezeit 3 Minuten
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09. November 2019

Ludwig Litterst an seinem 100. Geburtstag. ©Ursula Haß

Fessenbach hat seinen ältesten Einwohner verloren. Ludwig Litterst ist im Alter von 101 Jahren gestorben.
 

Am 25. August konnte Ludwig Litterst noch mit seiner Frau Maria und seinen Kindern und deren Familien seinen 101. Geburtstag bei guter Gesundheit feiern. Nun ist er am Montag im Kreise seiner Familie entschlafen. Mit großer Freude wollte er noch mit seiner Frau Maria, die am 5. August ihren 99. Geburtstag begehen konnte, die Gnadenhochzeit im Februar des kommenden Jahres erleben. Dies war ihm, seiner Frau und seiner Familie nun leider nicht mehr gegönnt. 

Im August konnte Ortsvorsteher Paul Litterst den beiden ältesten Einwohnern von Fessenbach noch zu ihren Ehrentagen gratulieren, die sie beide durch die Betreuung ihrer Kinder noch in ihrem in den 1960er-Jahren erbauten Haus feiern konnten. Beide Eheleute hatten das Glück, auf ein langes und schönes Eheleben in einem bewegten Jahrhundert zurückblicken zu können. Noch im Kriegsjahr 1918 am 25. August in Fessenbach geboren, wächst Ludwig Litterst zusammen mit fünf Geschwistern im Elternhaus im Erb auf. Fünf Buben und eine Tochter sind dem ehemaligen Ratschreiber Franz Litterst und seiner Frau Sofie, geborene Kiefer, beschieden. 

Ludwig Litterst hatte nach der Volksschule zunächst eine Lehre in Offenburg beim Frisör Schuler am Stadtbuckel angetreten. Doch der Arbeitsdienst und die Kriegsjahre unterbrachen seine Berufsjahre und waren für ihn auch sehr schicksalsvoll. Verletzt wurde­ er in Russland durch eine Granate und diese Splitter wurden sogar mit ihm 101 Jahre alt. Er nahm auch am Rommelfeldzug in Afrika teil, wo er in französische Gefangenschaft geriet. Auf dem Weg durch die Wüste hatte er sich die Malariakrankheit eingefangen und wurde von zwei Kameraden ins britische Lager mitgeschleppt. 

Zwangsarbeit in England

Nach England verschickt, leistete er auf einer Farm Zwangsarbeit. In der kargen Freizeit hatte er als gelernter Frisör die Haare von Pferden zu einer Bürste verarbeitet, die sich noch heute im Hause Litterst befindet. Von England aus wurde er nach Amerika verschifft, wo ihm die Arbeit in den dortigen Sümpfen mit vielen Schlangen in schrecklicher Erinnerung blieb. 

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Auch die amerikanischen Gefangenenkleider brachte er mit nach Hause, wie auch eine Uhr, die er in einem Scheinverband am Fuß versteckt hielt. Als Frisör verdiente er sich im Lager noch ein paar „Dollar“ beim Haareschneiden von weiteren Gefangenen. Doch leider nahmen ihm die Franzosen dann bei seiner Rückkehr in Offenburg dieses Geld ab. 

Ruhigere Zeiten

Im Februar 1950 ehelichte er seine Frau Maria, die er beim Tanzen im Offenburger Dreikönigssaal kennengelernt hatte. Schon zehn Jahre später konnte das Eigenheim in den Fessenbacher Feldreben bezogen werden. Bis zu seiner Rente im Jahr 1978 war Ludwig Litterst dann beim Ausbesserungswerk der Deutschen Bundesbahn beschäftigt, wo er die Kantine als Verwaltungsleiter unter sich hatte. 

Nun ist Ludwig Litterst, der einer alteingesessenen Fessenbacher Familie entstammt, am 4. November im Kreise seiner Frau und der Familie, zu denen zwei Töchter, Irene und Martina und ein Sohn, Gerhard, und deren Familien gehören, entschlafen. So trauert neben seiner Frau und der Familie auch die Fessenbacher Einwohnerschaft um einen liebenswürdigen Mitbürger. 

HINWEIS: Die Trauerfeier findet am Montag, 11. November, 14 Uhr, in der Weingartenkirche in Zell-Weierbach statt, anschließend ist die Beerdigung.

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