Alter Steinbruch freigelegt

Als Tausende Tonnen mit der Kuh transportiert wurden

Autor: 
Rosa Harmuth
Lesezeit 4 Minuten
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15. September 2020
Eine Tafel erläutert seit dem Wochenende in aller Kürze, was es mit dem oberen Steinbruch in Ebersweier auf sich hatte. Weitaus ausführlicher war der Vortrag des Heimatforschers Hans Haffner.

(Bild 1/2) Eine Tafel erläutert seit dem Wochenende in aller Kürze, was es mit dem oberen Steinbruch in Ebersweier auf sich hatte. Weitaus ausführlicher war der Vortrag des Heimatforschers Hans Haffner. ©Gerhard Harmuth

Der Verein Heimatgeschichte hat die Freilegung des oberen Steinbruchs in Ebersweier gefeiert. Dabei referierte Hans Haffner auf unterhaltsame Weise über den geschichtlichen Hintergrund.

Mitglieder und Freunde des Ebersweierer Vereins Heimatgeschichte haben sich am Samstag beim oberen Steinbruch eingefunden, der 255 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Ortsvorsteher Horst Zentner begrüßte etwa 35 Gäste mit den Worten: „Dieser Steinbruch war sehr wichtig für die Entwicklung unseres Dorfes!“ Zentner dankte Hans Haffner, dessen „leidenschaftlicher Forscherseele“ die Idee entsprungen sei, den Steinbruch und dessen Geschichte freizulegen, so Zentner.

In neunstündiger Arbeit habe Andreas Reinbold als erfahrener Baggerführer Schutt, Überwucherungen und Wurzelstöcke entfernt, ohne einen Lohn zu verlangen. Der Weg zum Steinbruch konnte dank seiner beidseitigen noch sichtbaren Böschungen wieder geschaffen werden. Die dort gewachsenen Bäume hat, ebenfalls ehrenamtlich, Alexander Kuderer gefällt. 

Unter großem Applaus für die Arbeit der rührigen Bürger enthüllte Arnold Männle eine Info-Tafel. Entsprechend dem Stil der schon vorhandenen Geschichtstafeln im Ort enthält sie die wichtigsten Fakten über Nutzung und Art des vorhandenen Gesteins.
In rund 40 Minuten erläuterte Hans Haffner auf unterhaltsame Weise viel Wissenswertes zum steinigen „Buckel im Vorgebirge“. Sein reicher Wissensschatz gründet in zeitaufwendiger Forschung. Er verwies auf „Beiträge zur Statistik der inneren Verwaltung des Großherzogthums Baden“ im Heft 25, Seite 31, von 1867: „Dort steht in einem Halbsatz eine geologische Beschreibung: Auf dem nördlich von Durbach liegendem Berg, den Stöckwald, dessen Fuß aus Granit, dessen Spitze und nördlicher Abhang aber aus Porphyr besteht…“

324 Quadratmeter 

Im Ebersweierer Wald verlaufe dieser nördliche Abhang in etwa 50 bis 70 Metern Breite mit diesem Gestein in gerader Linie von der Maiglöckchenhütte hinunter bis zum Steinbruch vor Wiedergrün. „Die Abbaufläche betrug etwa 324 Quadratmeter“, sagte der Hobby-Geologe.

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Sehr kurzweilig gab er sein Wissen preis. Er sprach von Tausenden Tonnen des Gesteins, das von einer Kuh transportiert worden sei. „Die Wagen hatten damals noch keine Speichen, sie bestanden aus massivem Holz. Der abgebaute Porphyr-Granit hat für die Keller von etwa 15 bis 20 Gehöften beziehungsweise 120 Einwohner genügt und könnte in etwa für das Dorf zwei Jahrhunderte gereicht haben“, erklärte der humorvolle Heimatkundler. 

Es habe in der Umgebung noch zwei weitere Steinbrüche gegeben. Die zwei oberen fuhr man über die Rödergasse (jetzt Nesselrieder Straße) und den Frientschenweg an. Anfangs des Waldes führte dann der ehemalige Abfuhrweg fast gerade zum restaurierten Steinweg und dem Steinbruch hier.

Haffner sprach auch über die Art und Nutzung der Gesteine aller drei Steinbrüche. Der „Bruchgranit“ setze sich aus Feldspat, Quarz und Glimmer zusammen. Es gebe Spuren von den im Wald vorhandenen Eisenerzvorkommen. „Dunkelrote Einschlüsse und Adern sind im obersten Steinbruch überall zu sehen.“ In der Spitze, der Hangoberfläche „blühten“ die Steine, führte Haffner aus. „Das heißt, die Mineralien, die das Gestein bilden, zeigen sich grobkörnig  beziehungsweise in Kristallen.“

Das Gestein des mittleren Steinbruchs sei gewerblich verkauft worden, „zwei Steinhauer regelten den Bedarf.“ Die Wegführung sei ideal gewesen: Leer hochfahren und voll mit Steinen bei 90 Metern Höhendifferenz wieder hinunter. Beim Abbau von Ebersweierer „Bruchgranit“ für eine neue Straße von Offenburg nach Appenweier (siehe Hintergrund II) wurden die Dorfstraßen zerstört – eine Klage war die Folge. Daraufhin habe die Großherzogliche Wasser-und Straßenbau-Inspektion dem Ganzen ein Ende gesetzt. Somit blieben uns in Ebersweier der Wald und insbesondere die drei Steinbrüche erhalten,“ schloss Haffner.

Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs seien keine Arbeiten mehr vorgenommen worden; die letzte Revision der Bau- und Fahrbetriebe der Gemeinde Ebersweier/Amt Offenburg habe 1934 unter Auflagen für den unteren Steinbruch vor Wiedergrün stattgefunden.

Hintergrund

Anfangs nur für die Ebersweierer

Bezüglich der Entnahme von Gütern aus dem Wald war bis 1447 für die berechtigten Bürger alles kostenfrei, berichtete Heimatforscher Hans Haffner. „Anfangs hat der Steinbruch wohl nur den Ebersweierern gedient, denn die Wiedergrüner werden erst ab dem Jahr 1280 und die Durbacher gar ab 1287 erwähnt“, sagte er.

Doch peu à peu über das Jahrhundert weg wurde der Wald zum „Selbstbedienungsladen“, besonders für Bauholz, Brennholz und die Benutzung von Weidegründen für Schweine zwecks Eichelmast und Bucheckern, sodass eine Waldgenossenschaft ab 1447 Regelungen traf. „Um diese Zeit müsste unser historischer Steinbruch aufgelassen worden sein“, so Haffner. 

Hintergrund

Neue Straße sorgte für Ärger

Die Großherzoglichen Ämter hätten schon auf Ebersweierer „Bruchgranit“ ihr Auge geworfen gehabt, berichtete Hans Haffner. Denn die neue Straße von Offenburg nach Appenweier mit sechs Kilometern Länge brauchte für den Unterbau geeignetes Material. Insgesamt wurden für diese Strecke laut Amt circa 1100 Wagen à 20 Kubikfuß benötigt. 

Bei diesem Abbau seien durch die schweren Gespanne, die Ebersweier durchquerten, die Dorfstraßen fast unfahrbar zerstört worden. „Die Gemeinde klagte beim Großherzoglichen Oberamt erst gegen die ungenügende Bezahlung ihres Granitschotters und das Jahr darauf auf Schadensersatz für die Straßenbenutzung“, sagte Haffner. 

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