Gelingt eine Genossenschaft?

"Alter Jakob": Film soll die Schutterwälder zur Beteiligung motivieren

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07. Dezember 2021
Online können sich Interessierte derzeit ein Informationsvideo zur Zukunft des „Alten Jakob“ anschauen. Im Januar ist ein Workshop zum Thema Genossenschaft geplant.

Online können sich Interessierte derzeit ein Informationsvideo zur Zukunft des „Alten Jakob“ anschauen. Im Januar ist ein Workshop zum Thema Genossenschaft geplant. ©Ulrich Marx

Kommunal, genossenschaftlich oder privater Investor? In einem Video informiert die Gemeinde Schutterwald mit dem Büro Sutter derzeit über die Projektentwicklung des „Alten Jakob“. Die Rückmeldung der Bürger ist bisher nicht existent.

Die Schutterwälder haben in einem Bürgerentscheid am 27. September 2020 abgestimmt, dass das Rathaus nicht in den denkmalgeschützten „Alten Jakob“ umzieht und stattdessen die Variante „Wohnen“ realisiert werden soll. Gut ein Jahr nach diesem Entscheid kommt wieder öffentlich Bewegung in das Thema. Als Alternative zu einer eigentlich vorgesehenen Bürgerversammlung ist derzeit ein rund 50-minütiges Video auf der Homepage der Gemeinde Schutterwald abrufbar, in dem Willy Sutter vom Büro Sutter aus Freiburg die überarbeitete Projektentwicklung in der Variante „wohnliche Nutzung“ vorstellt.

„Wie soll es mit dem ,Alten Jakob‘ weitergehen?“, stellt Bürgermeister Martin Holschuh eingangs des Videos die Kernfrage in den Raum. Die Bürger hatten sich für „Wohnen“ entschieden. Es gelte nun zu entscheiden, wer die Lösung umsetzen soll: eine Genossenschaft, die Gemeinde oder doch ein privater Investor.

Verkauf oder Erbpacht

Hierbei stelle sich auch die Frage, ob der „Alte Jakob“ als Ganzes verkauft werden soll, in Betracht kämen aber auch Lösungen in Form von Teileigentum oder Erbpacht. Ein zentraler Aspekt ist für Holschuh auch, ob es überhaupt gelingt, in Schutterwald eine Genossenschaft zu gründen oder eine Genossenschaft von außerhalb für das Projekt zu gewinnen.

Willy Sutter erläuterte, wie das Flächenkonzept im Jakob künftig aussehen könnte. Das Erdgeschoss solle eine öffentliche Nutzung erfahren mit einem Bereich Gesundheitsversorgung, Arztpraxen und einem Café als Ortstreffpunkt. Der Saal im ersten Obergeschoss werde für die Öffentlichkeit erhalten, dazu seien Wohnungen in verschiedenen Größen, auch Servicewohnungen für ältere Menschen, denkbar.

Im zweiten Obergeschoss könnte eine Wohngruppe für zehn Personen realisiert werden, die mit einem Freisitz eine Außenanbindung bekäme. Im Dachgeschoss seien ebenfalls Wohngruppenkonzepte oder Familienwohnungen denkbar, die Jugend- und Vereinsräume im Keller sollen saniert werden, so Sutter.

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Bei der Frage nach der Trägerschaft schickte Sutter voraus: „Eine Genossenschaft bringt immer einen gewissen Aufwand und Verantwortung mit sich. Man muss sich gut beraten lassen, damit ein langfristig tragbares Modell zustande kommt.“ Auch Mischlösungen seien möglich.

Infos zur Finanzierung kamen von Sutter-Mitarbeiter Peter Schmidt. Die Kosten liegen demnach bei 5,7 Millionen Euro, wenn das Projekt privatwirtschaftlich realisiert wird, bei 6,4 Millionen Euro, wenn man es über öffentliche Prozesse umsetzen würde. Bei einer Genossenschaft oder einem Investor sind die Herstellungskosten mit 5,7 Millionen Euro geringer, da man sich nicht an den Bedingungen des öffentlichen Vergaberechts orientieren müsse. Die Zahlen stammen übrigens noch aus dem Jahr 2019, würden aber weitestgehend im aktuellen Bereich liegen, wie Willy Sutter auf Anfrage erklärte.

Wesentlich ist laut Schmidt, dass Landesmittel eingesetzt werden können. 1,2 Millionen Euro Förderung seien bei der kommunalen Lösung möglich. Die Förderung unterscheide dabei zwischen einer Gemeinbedarfsnutzung wie bei den Vereinsräumen und dem Saal und privatrechtlicher Nutzung beim Café, dem Gesundheitsbereich und Wohnen. Man käme bei dieser Variante alles in allem am Ende auf „eine gute schwarze Null“.

In einer maximalen Variante, bei der das Wohnen zur Gemeinbedarfsrechnung gezählt wird, wenn der Wohnraum etwa für Geflüchtete oder Obdachlose gestellt wird, sei eine Förderung von 2,2 Millionen Euro möglich. „Man hätte zwar einen größeren Liquiditätsüberschuss, die Art der Nutzung wäre aber sehr eingeschränkt“, erklärte Schmidt. „Es ist möglich, aber nicht unbedingt empfehlenswert.“

Die Liquiditätsrechnung sei bei der Genossenschaft oder dem privaten Investor ähnlich. „Die genossenschaftliche Lösung wäre dann möglich, wenn es tatsächlich eine Genossenschaft gibt“, so Schmidts Fazit. Ein Investor habe des Weiteren gute Möglichkeiten, auf seine Kosten zu kommen.

Das Café betreiben

Willy Sutter ging noch auf den Punkt Erbbaurecht ein. So könne man ein Gebäude langfristig in der Hand der Kommune sichern, auch wenn die Sanierung von einem privaten Investor oder einer Genossenschaft angegangen wird. Das Erbbaurecht sichere der Gemeinde „den dauerhaft besten Zugriff auf aktuelle und zukünftige Nutzungen“, sie trage aber nicht die Risiken. Eine Dorfgenossenschaft könnte dabei trotzdem noch ins Spiel kommen: „Eine Genossenschaft könnte Teile des Gebäudes übernehmen und zum Beispiel das Dorfcafé selbst betreiben oder an Gastro-Profis verpachten.“

Info

Bürger können Stellung nehmen

Die Schutterwälder können noch bis Montag, 13. Dezember, Anregungen, Fragen und Stellungnahmen zum „Alten Jakob“ schriftlich bei der Gemeinde abgeben, entweder mit der Post, per E-Mail an sekretariat@schutterwald.de oder vor Ort im Rathaus per Niederschriftverfahren.
In der Sitzung des Gemeinderats am Mittwoch, 22. Dezember, soll das Thema dann auf den Tisch kommen. Die Räte werden laut Bürgermeister Martin Holschuh die Stellungnahmen erhalten und beraten.
Der Beschlussvorschlag wird nach Angaben von Holschuh lauten, am 20. Januar 2022 einen Workshop zur Bildung und Führung einer Genossenschaft anzubieten. Das könne Klarheit in die Frage bringen, ob eine Genossenschaft im Ort überhaupt möglich ist. „Damit wären wir einen großen Schritt weiter“, so Holschuh auf OT-Anfrage. Das Video wurde 152 Mal geklickt (Stand Dienstag), noch seien keine Rückmeldungen eingegangen. sb

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