Wenn Narren zu Historikern werden

Altes Schulhaus: Abgesang im Schutterwälder Narrenblatt von 1967

Autor: 
Clemens Herrmann
Lesezeit 3 Minuten
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29. Januar 2020

Das alte Schulhaus, 1841 erbaut, wurde 1968 abgerissen. ©Archivfoto Clemens Herrmann

Das Schutterwälder Narrenblatt gibt es seit 62 Jahren. Narren sind bisweilen auch Historiker. Der Beweis lieferte die Laudatio zum 125-jährigen Bestehen des alten Schulhauses im Narrenblatt von 1967. Das Schulhaus hatte ausgedient und wartete auf seinen Abriss. 

Festgemauert in der Erde, steht das Schulhaus altbekannt. Bald wird’s abgerissen werden, frisch ihr Bürger seid zur Hand. Von den Stirnen heiß, rinnen muss der Schweiß. Fängt man am Dache an dort droben, kommt der Segen erst von oben. Was in des Keller tiefer Grube vom Blechner wurde einst gebaut, kommt zwischen Wänden bis in obere Stuben, die Wasserleitung ziemlich laut. Doch drunt’ im Hof durch Scheun’ und Latten, da kriechen heute noch die Ratten. 

Die Waschküch’, die war auch nie ohne, da haust bis heute unser Bürger, B. Krone. Der Hof war früher schon ein Knüller, da stand das Motorrad vom Herrn Müller. Der wurde ziemlich oft nervenkrank, weil Kohlen er in seinem Motorradtank fand. Der Stock im Haus gar oft regierte, wenn ein ganz Langer ihn dann führte. Denn wenn er Strenge übte, mit dem Stock, dem harten, auf des Schülers A… dem Zarten, da gab es einen harten Klang, da hörte man bis zur Kirche den klagenden Wehgesang.

Manchmal in diesem Hause rohe Kräfte walteten, davon erzählen können viel die Alten. Fest wie der Erde Grund, gegen des Unglücks Macht, steht dieses Hauses Pracht. Doch mit des Geschickes Mächten, ist kein ew´ger Bund zu flechten, denn wohltätig ist des Feuers Macht, wenn sie der Mensch bezähmt bewacht. Doch furchtbar wird die Himmelskraft, wenn man auf den Speicher Asch’ man schafft. 

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Flackernd stieg die Feuersäule, durch des Daches langer Zeile. Kochend wie aus Ofens Rachen, glüh’n die Lüfte, Balken krachen. In den hohen Fensterhöhlen wohnt das Grauen und des Himmels Wolken schauen hoch hinein. Heil’ge Ordnung, segensreiche, tut sich fort vom Hause schleichen. 

Nun zerbricht mir das Gebäude, seine Absicht hat’s erfüllt, dass sich Herz und Auge weide, an dem neuen Straßenbild. Schwingt den Hammer, schwingt, bis die hohe Mauer springt. Das alte Schulhaus soll in Stücke gehen, soll dort bald ein neues Rathaus erstehen. Gedient hat uns das Haus so manches Jahr, erbrachte meist g’scheite Schüler in großer Schar. Ein Zeichen unserer Vaterstadt, geschmückt hat’s manch’ Ruhmesblatt. Sogar ein Schulhaus ist vergänglich, der Kuhschwanz aber, der bleibt länglich.

INFO: In der ersten Februarwoche wird das Narrenblatt verkauft. Die Pflumedrucker Narrenzunft sucht noch Kinder und Jugendliche für den Straßenverkauf. Bei Interesse bei Tanja Hattwich, • 07 81 /6 77 79 melden. 

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